Fussball

Deutschland sorgt bei Wüsten-WM für Flug-Irrsinn

Eigentlich schreibt sich Deutschlands Nationalteam den Klimaschutz auf die Fahnen. Doch auf die Worte folgen bei der WM keine Taten.
Heute Redaktion
18.07.2022, 18:49
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
olympia live
olympia live

Bei der WM in Katar ist sowieso alles ungewöhnlich und anders. Erstmals wird im Winter gespielt, erstmals in einem arabischen Land, noch nie standen so große Stadien so nahe beieinander – und selten zuvor wurde so viel über Menschenrechte und Klimaschutz diskutiert.

Dafür sorgt nun auch Deutschland, aber nicht gerade in einer rühmlichen Weise. Worum geht es? Wie bei jeder WM organisiert der DFB ein Fan-Camp. Diesmal findet es jedoch nicht im Gastgeberland statt, sondern in Dubai, was in den Vereinigten Arabischen Emiraten liegt. Luftlinie beträgt die Entfernung 408 Kilometer, über Land beläuft sich die Fahrstrecke sogar auf 724 Kilometer.

News aus dem internationalen Fußball im Video:

Um bei den Spielen dabei sein zu können, sollen die Fans jedes Mal extra eingeflogen werden. Laut Fan-Club Nationalmannschaft können "bis zu 300 Fans im Vier-Sterne-Hotel La Quinta by Wyndham Dubai Jumeirah unterkommen". Es gebe "sechs unterschiedliche Reisepakete" mit Economy-Flügen von und nach Dubai ab Frankfurt, München, Düsseldorf oder Hamburg. Weiters sind die Flug- und Bustransfers vom Hotel zu den Spielorten in Katar inkludiert.

Billig ist der Spaß auch nicht. Das Gesamtpaket für alle Vorrundenspiele und zwölf Übernachtungen inklusive Frühstück im billigsten (Dreier-)Zimmer plus Anreise zu den Spielen kostet 2.839 Euro. Für ein Einzelzimmer sind 3.849 Euro fällig. Tickets für die Spiele sind da allerdings noch nicht inbegriffen.

News aus dem heimischen Fußball:

Doch warum ist das Fan-Camp nicht in Katar? Laut DFB sei "die Umsetzung eines Fan-Camps im WM-Austragungsland Katar organisatorisch nicht möglich." Im Netz gibt es jedenfalls viel Kritik daran, dass Fans bei der WM zu Vielfliegern werden. Noch dazu, wo der DFB am Montag einen "Aktionsspieltag Klimaschutz" verkündete, der "gemeinsam mit den Amateur- und Profivereinen im DFB-Pokal der Frauen und Männer, der FLYERALARM Frauen-Bundesliga und der 3. Liga umgesetzt wird."

Was es damit auf sich hat? DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärt: "Mit dem Potenzial, Millionen von Menschen zu erreichen, sie zu sensibilisieren und zu mobilisieren, bietet sich hier eine große Chance, die wir gemeinsam mit den Amateur- und Profivereinen in den kommenden Jahren nutzen wollen. Mit vielen kleinen und kreativen Ideen kann jeder Fußballverein Umwelt, Klima und oftmals auch die Vereinskasse schonen – dafür wollen wir mit dem Aktionsspieltag Klimaschutz den Anstoß geben." Welche Rolle Umwelt, Klima und die Kasse für den DFB bei der WM spielen, sei dahingestellt.

Jetzt E-Paper lesen