Politik

Deutschtest: 70 % der Volksschüler mit Grammatikprob...

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:44

Im Frühling 2015 haben gut 75.000 Schüler an den rund 3.000 österreichischen Volksschulen an der Standardüberprüfung im Fach Deutsch auf der 4. Schulstufe teilgenommen. Fazit: Weniger als ein Drittel der Volkschüler erreichen oder übertreffen die vorgegebenen Bildungsstandards in Deutsch in allen Bereichen. 70 Prozent kämpfen mit Grammatik-Problemen!

Im Schnitt erreichen die Schüler aus dem Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg die meisten Punkte, während Wien und Vorarlberg unter dem Österreich-Schnitt liegen. Die Ergebnisse der Bundesländer weichen max. um 14 Punkte nach oben bzw. 12 nach unten vom Österreich-Schnitt ab.

32 Prozent der Volksschüler hat Deutsch-Probleme

Insgesamt haben 29 % der Volkschüler mit ihren Leistungen die vorgegebenen Bildungsstandards in Deutsch in allen Bereichen erreicht bzw. sogar übertroffen. Weitere 25 % erreichen die Bildungsstandards großteils. Während 17 % die Bildungsstandards in allen Bereichen zumindest noch überwiegend teilweise erreichen, beenden 15 % der Kinder mit schlechten Ergebnissen.

Geschlechtsunterschiede. Die Mädchen schneiden im Fach Deutsch insgesamt etwas besser ab als die Buben, wobei die Unterschiede im mündlichen Bereich eher klein ausfallen (10 bzw. 14 Punkte zugunsten der Mädchen beim Hören und Sprechen) und im schriftlichen Bereich deutlich größer sind (bis zu 33 Punkte Vorteil für Mädchen in Rechtschreiben).
Schüler mit Migrationshintergrund weisen im Schnitt niedrigere Kompetenzen auf als Kinder ohne Migrationshintergrund. Die Mittelwertdifferenzen liegen zwischen 39 Punkten beim Rechtschreiben und 77 Punkten beim Hörverstehen. Wird der Mittelwertunterschied zwischen Kindern mit und jenen ohne Migrationshintergrund um den Sozialstatus korrigiert, beträgt der Vorsprung der einheimischen Kinder zwischen 15 Punkten in Rechtschreiben und 51 Punkten in Hören. Der besonders große Unterschied im Hörverstehen bedeutet für Kinder mit Zuwanderungshintergrund eine systematische Benachteiligung im Unterricht insgesamt, der ja primär sprachlich vermittelt wird.
Elternhaus. Insgesamt gibt es einen starken Zusammenhang zwischen dem Bildungsabschluss der Eltern und den Leistungen ihrer 10-jährigen Kinder. Am stärksten kommt dieser beim Lesen zum Ausdruck. In Punktwerten beträgt der mittlere Abstand zwischen Kindern mit tertiär gebildeten Eltern und Eltern, die maximal Pflichtschulabschluss haben, 126 Punkte. Wenn man beim Lesen in der Grundschule von einem Lernzuwachs von etwa 40 Punkten pro Schuljahr ausgeht, so belaufen sich die Unterschiede zwischen Kindern aus bildungsfernen und aus akademisch gebildeten Haushalten in Leseverstehen auf bis zu drei Lernjahre.


Lesen Sie weiter: Die Aufgaben im Detail

Die Aufgaben

Die Schüler mussten einen Text verfassen. Jeder Schreibauftrag bezog sich auf eine bestimmte Schreibhaltung (Erzählen/Unterhalten, Informieren oder Appellieren). Die Texte der Schüler  wurden in vier Dimensionen bewertet: Inhalt, Aufbau, sprachliche Angemessenheit und sprachliche Richtigkeit.

70 % mit Problemen bei Grammatik

Insgesamt hat nur rund ein Fünftel der Schüler die vorgegebenen Bildungsstandards in Verfassen von Texten in allen Dimensionen erreicht bzw. übertroffen! Am ehesten werden die Anforderungen beim Kriterium Aufbau erreicht oder übertroffen (45 Prozent), gefolgt von Inhalt und sprachlicher Angemessenheit (43 % bzw. 42 %). Die sprachliche Richtigkeit (Grammatik) wurde von 30 % der Kinder erreicht oder übertroffen, 70 Prozent der Kinder haben damit Schwierigkeiten.

Beim Rechtschreiben wird überprüft, inwieweit Schüler Regeln für normgerechtes Schreiben kennen und anwenden sowie entsprechende Rechtschreibstrategien und Arbeitstechniken verwenden können. Der Mittelwert beträgt 500 Punkte und beträgt nun 504 Punkte.

Lesen. 62 % der Schüler erreichen oder übertreffen am Ende der 4. Schulstufe die für Leseverständnis definierten Lernziele und verfügen über ein sicheres Leseverständnis. 25 Prozent der Kinder erreichen die Standards teilweise und verfügen über elementare Lesefähigkeiten. 13 Prozent erreichen die Standards nicht und weisen Schwächen auf. Seit der Messung im Jahr 2010 verbesserte sich die Lesekompetenz im Schnitt um 23 Punkte.

Der Kompetenzbereich Sprachbetrachtung beschreibt, inwieweit Schüler über Einsichten in die Funktion und den strukturellen Aufbau von Sprache sowie über Wissen hinsichtlich grammatikalischer Strukturen und einen Grundbestand an Fachbegriffen verfügen und Fertigkeiten zum Untersuchen von Sprache besitzen.

Etwas mehr als zwei Drittel (68 %) erreichen die Lernziele. 7 % der Schüler übertreffen die beschriebenen Anforderungen. 13 % der Schüler erreichen die Bildungsstandards in diesem Bereich teilweise und 12 % erreichen sie nicht. Im Vergleich zur Untersuchung im Jahr 2010 haben sich die Fähigkeiten der Schüler im Bereich des Sprachbewusstseins verbessert. (Mittelwert 2010 lag bei 500 Punkten, jetzt bei 524 Punkten)

Die Bildungsstandards für den Bereich Hören legen fest, dass Schüler altersangemessene monologische wie dialogische Hörtexte verstehen und beurteilen sowie wichtige Detailinformationen entnehmen können sollen. 60 % der Schüler erreichen und 3 % übertreffen in Hören die in den Regelstandards beschriebenen Kompetenzen. Ein Viertel erreicht die Bildungsstandards teilweise. Etwa jedes 10. Kind erreicht die Bildungsstandards in diesem Bereich nicht und hat Schwierigkeiten bei der Rezeption der gesprochenen deutschen Sprache.

 
Insgesamt haben die Volksschüler eine positive Einstellung zur Schule: 36 % gehen sehr gern, weitere 34 % gern in die Schule. 18 % der Schüler sind noch unentschlossen. Positiv ist ihre Assoziation zur Klasse: 53 % sind mit ihrer Klasse sehr zufrieden, weitere 30 % sind zufrieden und weitere 12% haben eine neutrale Haltung zur Klasse.

 

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