Die Game-Exzentriker mit dem Penis-Spiel

Mit dem Game
Mit dem Game "Genital Jousting" ist das südafrikanische Studio Free Lives für einen IGF-Award nominiert. (Quelle: Free Lives)
Mit "Broforce" wurde das südafrikanische Studio Free Lives berühmt. Jetzt ist das Studio mit "Genital Jousting" für einen IGF-Award nominiert.
Diese Geschichte beginnt im Frühling 2012. Während eines Online-Game-Jams entwickelt ein Team von begeisterten, aber unerfahrenen Spielentwicklern aus Kapstadt innerhalb von 72 Stunden einen Prototyp mit dem Titel "Rambros". Die Zutaten: dicke Waffen, doofe Gegner, amerikanischer Hurra-Patriotismus, nostalgische Pixelgrafik und eine zerstörbare Umgebung. Angespornt von einer wachsenden Fangemeinde macht das Team weiter. In der kleinen, aber enthusiastischen Gameszene Südafrikas unterstützt man sich gegenseitig.

Monate später heißt das Game "Broforce" und wird auf Steams "Early Access" zum Verkaufserfolg. Die Freunde, die aus purem Vergnügen am Game Jam teilgenommen haben, gründen das Studio Free Lives und stellen das Game fertig. Darin teilen sich bis zu vier Spieler den Bildschirm und räumen ihn unter den Klängen martialischer Musik von den Feinden Amerikas frei. Zum überdrehten Spielprinzip gesellt sich eine kritische Perspektive, denn "Broforce" ist auch eine bissige Parodie auf machohafte Hollywood-Actionfilmhelden der 80er- und 90er-Jahre. Das kommt so gut an, dass sich der Titel bis heute mehr als 1,5 Millionen Mal verkauft hat.

Villa mit Wasserfall

Während der Entwicklung leidet die Work-Life-Balance akut. "Wenn wir schon so lange arbeiten, dann wenigstens an einem schönen Ort", sagt Studiogründer und Creative Director Evan Greenwood rückblickend. Gesagt, getan: Ausgestattet mit dem fürstlichen Vorverkaufserlös von "Broforce" bezieht das Team ein großzügiges Anwesen in den Hügeln von Kapstadt inklusive Wasserfall, Pool und Sauna. Ein Koch sorgt sich um das kulinarische Wohlergehen, und während die Arbeitstage weiterhin lang sind, leitet manches Feierabendbier auch direkt in eine lange Partynacht über.

Seit der Fertigstellung von "Broforce" ist es ruhiger geworden um das Studio. Es ist gewachsen, die Entwickler sind erfahrener und besser organisiert. Zudem wurde die Villa aufgegeben und ein kleineres Haus bezogen. Längst wohnen auch nicht mehr alle da. Doch weiterhin wird das Free-Lives-Team jeden Mittag bekocht oder zieht mal eben für einen Monat nach Bali um und tüftelt am anderen Ende der Welt an neuen Ideen.

Broforce

"Broforce" ist ein schneller, lauter, actiongeladener Side-Scroller, in dem mehrere Spieler gemeinsam vorrücken. Die Level strotzen vor Gegnern, Fallen und Hindernissen, die dank der zerstörbaren Umgebung auf unterschiedlichsten Wegen bezwungen werden können. Vor dem Hintergrund einer 80er-Jahre Retroästhetik macht sich das Game über das patriotisch aufgeladene Narrativ vieler amerikanischer Actionfilme lustig, die eine simple Zweiteilung der Welt in Gut und Böse behaupten: "Bromerica" halt.


CommentCreated with Sketch.0 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Das Team von Free Lives. (Foto: zVg)

Penis sucht Date

Dabei kann ein Free-Lives-Mitglied jede noch so ausgefallene und im trunkenen Traum erschienene Idee einbringen: Wenn sie Anklang findet, wird sie gemeinsam zum fertigen Spiel entwickelt. Sarkasmus und humorgetriebene Provokation liegen dem Studio offensichtlich in den Genen. Und so ist das nächste ziemlich verrückte Spiel entstanden: "Genital Jousting" (deutsch: genitale Rangelei).

Im Einzelspielermodus sucht ein Penis namens John nach einem Date für ein anstehendes Klassentreffen, im Multiplayermodus balgen sich bis zu acht Penisse gleichzeitig in einer Art surrealen Penetrationssimulation. Der Mut zur Exzentrik zahlt sich für Free Lives ein weiteres Mal aus, denn "Genital Jousting" ist für den "Excellence in Narrative"-Award des renommierten Independent Games Festival IGF nominiert, der Ende März in San Francisco verliehen wird.

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