Die ganze Wahrheit über 5G für Nutzer in Österreich

Der Mobilfunkstandard 5G kommt schnell nach Österreich. Was bedeutet das? Wir liefern die Antworten auf die wichtigsten Fragen zur neuen Technik.

Warum hört man derzeit wenig von 5G in Österreich?

5G steht in Österreich direkt vor der Tür. Schon jetzt läuft eher im Geheimen die Versteigerung der neuen Mobilfunkfrequenzen – im Geheimen deshalb, damit sich Bieter nicht über den Preis absprechen. Dementsprechend geheim ist auch, wer sich da eigentlich um die Frequenzen reißt und im 5G-Wettbewerb mitbietet.

Neben den großen Mobilfunkanbietern A1, Drei und T-Mobile dürften noch einige Überraschungskandidaten im Rennen sein. Seit Mitte 2018 sind auch schon 5G-Teststellungen im Einsatz. Die ersten Tests liefen dabei vielversprechend. Mit den Bietern fiebern auch die 5G-Technikanbieter, für die es um Millionen geht. A1 setzt dabei auf Technik aus dem Hause Nokia, Drei auf ZTE und T-Mobile auf Huawei.

Update: Die ersten Frequenzen wurden bereits versteigert. Knapp drei Wochen dauerte die Ermittlung des Marktwerts der Frequenznutzungsrechte. Rund 188 Millionen Euro beträgt er insgesamt. Die Bieter investieren zwischen 1,8 Millionen und 64,3 Millionen Euro. Geboten haben A1 Telekom (64.345.972 Euro), Hutchison Drei (51.910.054), T-Mobile (56.903.001), MASS Response (1.845.000), LIWEST (5.328.000), Salzburg AG (4.359.449) und Holding Graz (2.998.100).

Und wann kommt 5G zu mir?

Die 5G-Einführung in Österreich läuft in drei Phasen ab. Seit Mitte 2018 gibt es Versuche mit ersten vorkommerziellen 5G-Teststellungen.

Aktuell befinden wir uns schon kurz vor Phase 2: Bis Ende 2020 soll das Zwischenziel einer nahezu flächendeckenden Verfügbarkeit ultraschneller Breitbandanschlüsse (100 Mbit/s) verwirklicht werden. "Dadurch wird die Grundlage für einen flächendeckenden Ausbau von 5G geschaffen", heißt es in der 5G-Strategie des Bundeskanzleramts.

Gleichzeitig soll auch die Markteinführung von 5G in allen Landeshauptstädten erfolgen erfolgen. Daran knüpft die finale Phase 3 an: Bis Ende des Jahres 2023 sollen 5G-Dienste auf den Hauptverkehrsverbindungen Österreichs nutzbar sein und bis Ende 2025 soll das Ziel einer nahezu flächendeckenden

Verfügbarkeit von 5G verwirklicht werden.

Ich will mit 5G surfen. Brauche ich dafür ein neues Smartphone?

Ja. Derzeit gibt es zwar noch keine 5G-Smartphones auf dem österreichischen Markt, doch das dürfte sich bald ändern: Samsung hat soeben angekündigt, eine 5G-fähige Version seines Smartphones Galaxy S10 Mitte des Jahres auf den hiesigen Markt zu bringen.

Weitere Anbieter dürften folgen, denn am Mobile World Congress in Barcelona war 5G das Thema schlechthin. Huawei und Xiaomi haben auch bereits 5G-fähige Smartphone vorgestellt.

Was kann 5G mehr als 4G?

Simpel ausgedrückt: 5G ist einfach schneller. Das Netz kann effizienter benutzt werden, die Ladezeiten sind kürzer und es sind mehr gleichzeitige Verbindungen auf verschiedenen Geräten möglich. Für den einzelnen "Durchschnittskunden" bietet 5G kaum Vorteile.

Doch für die Industrie und Wirtschaft ist das Thema richtungsweisend. Es legt den Grundstein für autonomes Fahren, anspruchsvolle Augment-Reality- und Virtual-Reality-Anwendungen, ultrahochauflösendes Game- und Videostreaming, Robotik und anderer Bereiche, in denen Echtzeit-Datenübertagung mit enormen Datenmengen notwendig sind.

Bekomme ich jetzt eine Mobilfunkantenne aufs Dach?

Das ist gut möglich. 5G "funkt" in einem höheren Frequenzbereich und hat dadurch eine geringere Reichweite als das derzeit breitflächig eingesetzte 4G. Eine "Verdichtung der Standorte von Basisstationen" sei erforderlich, so das Strategiepapier, und: "Mit einer signifikanten Erhöhung der Anzahl von erforderlichen neuen Standorten" sei "zu rechnen". Eine genaue Zahl wurde bisher nicht genannt, nötig sind aber Tausende.

Die neuen Mobilfunkstationen werden aber kaum etwas mit den bisherigen gemein haben. Es handelt sich um sogenannte "Small Cells" ("Kleinsendeanlagen"), die deutlich kleiner sind als die bisherigen Mobilfunkantennen. "Diese Standorte sind überwiegend mit Glasfaser anzuschließen und werden in den dicht besiedelten Gebieten näher bei den Endkundinnen und Endkunden situiert sein", so das Strategiepapier.

Wie teuer werden 5G-Abos?

Das kann derzeit noch nicht gesagt werden, heimischen Anbieter haben noch keine 5G-Optionen im Programm. Dass die 5G-Tarife teurer werden als bisherige ist nicht ausgeschlossen, sondern wahrscheinlich. Ein Blick in die Schweiz, wo bereits erste 5G-Optionen angeboten werden, bestätigt das.

Bei Sunrise gibt es die 5G-Option für zusätzliche 10 Franken monatlich, umgerechnet 8,80 Euro zusätzlich. Bei Swisscom werden Kunden ebenfalls für 10 Franken zusätzlich zum Abopreis auf "den vollen Speed", geschaltet, wie eine Sprecherin gegenüber "20 Minuten" erklärt.

Muss ich mich wegen 5G vor vermehrter Strahlung fürchten?

Nein, sagt Strahlungsexperte Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut zu "20 Minuten": "Eine 5G-Antenne strahlt stärker als ein Handy, aber wir drücken weder unser Ohr an eine solche Antenne noch halten wir sie in der Hand." Deshalb stamme die vom Körper absorbierte Strahlenbelastung vor allem von Geräten, die eng am Körper betrieben werden.

Und was sagen 5G-Kritiker?

Kritisch gibt sich etwa die Ärztekammer, die davor warnt, dass man die Folgen der "hohen Strahlungsdichte" bisher nicht einschätzen könne. Piero Lercher, Leiter des Referats für Umweltmedizin der Wiener Ärztekammer, plädiert dafür, vor der 5G-Umsetzung wissenschaftlich die möglichen Gesundheitsfolgen zu erforschen. Die Weltgesundheitsorganisation wiederum erklärte bereits mehrmals, dass Funkstrahlung "möglicherweise krebserregend", so an Krebs zu Erkranken aber "unwahrscheinlich" sei. Dass es jedenfalls "Wechselwirkungen" zwischen Beschwerden und Strahlung gebe, betont wiederum die Europäischen Akademie für Umweltmedizin.

Das Verkehrsministerium unter Minister Norbert Hofer (FPÖ) pocht dagegen auf die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Strahlen-Grenzwerte, die auch bei einem Ausbau von 5G nicht überschritten würden. Von "Angstmache" spricht das Forum Mobilkommunikation (FMK). Die Funk-Technologie für Mobilfunkanwendungen habe sich in den letzten 40 Jahren nicht verändert, nur die die Übertragungsprotokolle. "Anders gesagt: Wenn man Musik hört – die 'Übertragungstechnologie' sind durch Lautsprecher erzeugte Schallwellen – und das Stück von einem Satz zum nächsten von "Lento" über "Allegretto" hin zu "Presto" wechselt, bleibt es die gleiche Übertragungstechnologie", so Gregor Wagner vom FMK. (vbl/rfi)

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