Die Instagrammisierung der Wohnungsanzeigen

Aussehen ist alles – zumindest, wenn Profis eine Wohnung verkaufen wollen. Daraus kann man einiges lernen.

Seit Bilder auf Social Media in kurzer Zeit viralgehen können, hat sich im Immobilienmarkt einiges geändert. Kam die klassische Wohnungsannonce noch mit "2 Zi. ELW mit Terr. und schöner Aussicht" aus, schlägt ein passendes Bild inzwischen fast jede Information über Lage, Aufteilung und Quadratmeterzahl.

Interessant ist, was gut aussieht und von vielen gesehen wird, nicht nur bei teuren Immobilien. Auch eine Airbnb-Unterkunft wird nicht ohne Bild vermittelt.

Bild schlägt Information

Ein Hotel auf den Malediven beschäftigt gar Instagram-Butler, die Gästen Tipps geben, wie sie Hotel und Umgebung am besten fotografieren – und damit für Gratiswerbung sorgen. Es geht nicht mehr darum, dass der Kunde die Wohnung in ihren Details sieht, sondern darum, dass er sich vorstellen kann, wie er sich darin fühlen wird. In den blumigen Worten der Werbung, darum, "die Essenz eines Ortes" festzuhalten.

Das kann so aussehen wie im österreichischen Wintersportort Kühtai, wo ein Makler ein ganzes Kamerateam bei Sonnenaufgang losschickte, um statt der Einrichtung die Aussicht zu fotografieren. Der neueste Trend sind Drohnenfotos, die bei großen oder außergewöhnlich gelegenen Orten einen Überblick über Grundstück und Umgebung geben.

Mit fremden Augen sehen

Für Normalverbraucher ist das eher zu viel des Guten. Wer selbst inseriert, kann aber einiges daraus lernen: Selbst wenn die Wohnung kein Instagram-Hit ist, sollte sie ansprechend, hell und gemütlich wirken. Alte, verwackelte oder schlecht belichtete Bilder auf Onlineportalen braucht niemand.

Es lohnt sich, alle Lampen einzeln und in der Kombination auszuprobieren, es zu verschiedenen Tageszeiten zu versuchen, auf Blitzlicht der kühlen Wirkung wegen eher zu verzichten und verschiedene Kameras auszuprobieren. Die Weitwinkelfunktion ist bei der Handykamera zum Beispiel meist besser, die Räume wirken etwas größer.

Die Flecken im Teppich zu entfernen, die Betten zu machen und darauf zu achten, dass die Katze nicht durch das Bild läuft, sollte selbstverständlich sein. Besser, als jeden Raum einzeln zu fotografieren, ist es, einen guten Eindruck zu vermitteln oder die schönsten Details herauszupicken.

Vorsicht beim Kleinkram

Persönliches, das man oft selbst schon gar nicht mehr wahrnimmt, sollte jedoch unsichtbar bleiben, zum Beispiel das Foto des Partners oder der Partnerin auf der Kommode, genauso wie die Kleinigkeiten, die sich in den Ecken ansammeln, weil sie nirgends anders Platz finden.

Falls ein Interessent nach mehr Information fragt, sollte sie verfügbar sein – also ruhig ein paar Bilder mehr machen, die aber nicht unbedingt online erscheinen müssen. Nicht infrage kommt "Lügen" mit Bildern. Das fliegt spätestens dann auf, wenn jemand die Wohnung ansehen will. (Daniela Gschweng / 20Min)

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