Die Känguru-Chronik aus Schönbrunn

Tierpflegerin Kiva erzählt euch heute mehr über die bekannten und weniger bekannten australischen Tiere. Auch sie hat ihr halbes Gehalt beim Australien-Aktionstag gespendet.

( Heutiger Tagebuch-Eintrag von Tierpflegerin Kiva aus dem Tiergarten Schönbrunn)

Ich halte es für wichtig, auch auf die weniger bekannten Arten Australiens aufmerksam zu machen...

Die Känguru-Chronik

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Ich arbeite in meiner Abteilung nicht nur mit Pandas und Giraffen, sondern auch mit australischen Tieren, unter anderem mit Bennett-Kängurus. Wir halten fünf Bennett-Kängurus, eine reine Männergruppe. Aufgrund der roten Färbung im Nacken werden sie auch Rotnacken-Wallabys genannt. Sie kommen an der Ostküste Australiens vor, genau dort, wo die Buschfeuer verheerende Schäden angerichtet haben.

Botanik-Wissen gefragt

Bennett-Kängurus sind reine Pflanzenfresser und ernähren sich von Gräsern und Kräutern. In Australien ist ihre Nahrungsgrundlage abgebrannt. Die Tiere, die überlebt haben, finden nun in der Wildbahn nur mehr sehr wenig Futter. Hier bei uns bieten wir ihnen neben Kräutern auch Blätter und Äste an.

Für mich als Tierpflegerin ist es ganz wichtig zu wissen, welche Pflanzen man füttert, damit man den Tieren nichts Giftiges anbietet. Zum Beispiel muss man überprüfen, ob die giftige Herbstzeitlose dabei ist, die sich beim angelieferten Grünfutter mitunter einschleicht. Grundsätzlich gilt: Wenn ich eine Pflanze nicht kenne, verfüttere ich sie auch nicht. Aber auch die Verletzungsgefahr muss bedacht werden.

Wenn ich den Kängurus einen Rosenzweig gebe, achte ich darauf, dass keine Stacheln daran sind.

Die Tiere nagen zuerst das Blattwerk ab und machen sich dann über die Rinde her. Manche Baumarten mögen sie nicht so sehr, wie zum Beispiel Buche. Aber bei Feldahorn und Weide können sie sich nicht zurückhalten. Weide wächst hier in der Anlage, wo wir sie für die Kängurus auch direkt schneiden können. Im Sommer ist es möglich, den Tieren eine große Auswahl an Grünfutter anzubieten. Sie fressen gern Löwenzahn und Schafgarbe. Wir geben ihnen aber auch Taubnessel. In anderen Gehegen der Abteilung kann ich diese Kräuter ernten.

Wenig bekannt, dennoch spannend

Ich kümmere mich nicht nur um die bekannten australischen Tiere wie Kängurus oder Koalas, die hier im Tiergarten beliebte Tiere sind und für Australien wichtige Repräsentanten der dortigen Fauna. Andere interessante, aber leider oft übersehene Vertreter der australischen Fauna sind die Gespenstschrecken, die wir im Infocenter neben dem Koalahaus halten. Diese australische Insektenart ist super getarnt und fällt im Blätterdickicht der Eukalyptusbäume kaum auf. Wie unsere Koalas ernähren auch sie sich hauptsächlich von Eukalyptus.

Das Wissen aus meiner privaten Skink-Haltung kann ich in der Arbeit bei der Pflege der Blauzungenskinke einfließen lassen. Außerdem halten wir hier auch Kragenechsen. Sie sind dafür bekannt, dass sie einen wunderschönen Kragen haben, den sie bei Gefahr aufstellen – ähnlich den Blauzungenskinken, die mit ihrer blauen Zunge versuchen, Fressfeinde abzuschrecken. Den Kragen unserer Kragenechsen kontrollieren wir regelmäßig auf Schädlinge und Parasiten. Bei unserem recht handzahmen Männchen ist das ein Leichtes.

Eine weitere Aufgabe von mir als Tierpflegerin ist, unsere Reptilien zu begutachten, ob sie sich gleichmäßig häuten. Wenn Rückstände der Haut beispielsweise an den Schwanzspitzen hängen blieben, könnte das gefährlich für die Tiere werden, weil Körperteile absterben könnten.

Stolz auf Aktionstag

Ich halte es für wichtig, auch auf die weniger bekannten Arten Australiens aufmerksam zu machen und generell den Besuchern Verhalten und Lebensweise unserer australischen Tiere nahezubringen. Vielleicht erzeugt es bei manch einem dieselbe Empathie, die ich empfinde, wenn ich die verheerenden Bilder aus Australien sehe und daran denke, was den Artgenossen unserer Tiere in ihrer Heimat passiert.

Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, am 11. März die Hälfte meines Gehalts zu spenden

– Geld, das unseren Kollegen in Australien zugutekommt, die Wildtiere versorgen, die verletzt sind, sich verirrt haben oder gar keinen Lebensraum mehr haben. Ich bin stolz auf diese Aktion des Tiergartens. Es ist eine dringend notwendige Soforthilfe und auch ein tolles Signal.

+++ Das Tierpfleger-Tagebuch aus Schönbrunn. TierpflegerInnen berichten aus ihrem Alltag mit den Tieren. Nur hier bei "HeuteTierisch". +++

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