So rührte die Ministerin, "die nicht hier geboren ist"

Vom Flüchtlingskind zur Justizministerin. Alma Zadic hielt eine berührende Rede am Grünen Bundeskongress. "Es wird einen Unterschied machen, dass es eine Ministerin gibt, die hier nicht geboren wurde", versprach sie.
Grüner Bundeskongress in Salzburg. Erwartungsgemäß winken die 276 Delegierten den türkis-grünen Koalitionspakt am Samstagnachmittag durch, stimmen per Handzeichen zu 93 Prozent für eine Koalition mit der ÖVP von Sebastian Kurz. Die grünen Ministerinnen und Minister können sogar ein Votum von 99 Prozent Zustimmung für sich verbuchen. Der Spannungsbogen ist überschaubar an jenem Samstagnachmittag. Beinahe ist man schon geneigt, im TV auf Netflix zu zappen. Doch dann kommt sie. Doktor Alma Zadic, 35. Sie ist eine der neuen Spitzenrepräsentantinnen der Republik. Und sie hat eine spannende Geschichte und keine Scheu davor, sie zu erzählen. Allen Hasspostern zum Trotz.

Zadic mit 10 Jahren aus Krieg geflohen

Im Jahr 2020 bekommen nun auch all jene Menschen, die nach Österreich zugezogen sind, eine Vertretung in der mehrheitlich weiblichen Bundesregierung. Nämlich die im bosnischen Tuzla geborene Alma Zadic, die in der Salzburger Congresshalle eine berührende Rede hielt. Sie nahm auf ihre Herkunft und den schwierigen Start ins Leben Bezug – als sie 10 Jahre alt war, flüchteten ihre Eltern mit ihr nach Österreich.

"Mein Leben war nicht immer einfach"

Zadic ist bewusst, dass sie und ihre Grünen vor einer schwierigen Aufgabe stehen. Angst davor hat sie nicht, wie sie erklärt: "Ich habe es gelernt, zu kämpfen. Mein Leben war nicht immer einfach. Viele von euch wissen, dass ich damals, 1994, nach Österreich gekommen bin. Aus einem kriegsgebeutelten Land kommend, habe ich hier eine neue Heimat gefunden und wurde herzlich aufgenommen."

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Zadic zeigt sich dankbar über das damals in Österreich gewährte Asyl, weist aber auch auf Schattenseiten hin: "Es hat viel Unterstützung gegeben. Aber auch wir hatten damals Angst. Haider war in diesen Jahren am Aufsteigen. Meine Familie hatte Angst, ob wir nicht, wenn Schwarz-Blau kommt, zurückkehren müssen. Aber es kam anders. Wir sind immer noch da. Auch heute gibt es Menschen, die Angst haben. Es macht einen Unterschied, wer regiert. Es wird einen Unterschied machen, dass es eine Ministerin gibt, die nicht in Österreich geboren ist."

Doktorin der Rechtswissenschaften

Eines ist gewiss: Die erst im Frühsommer von der implodierten Liste Pilz zu den Grünen übergetretene Alma Zadic hat Ahnung von der Materie, die sie künftig beackern wird. Österreichs jüngste Justizministerin aller Zeiten ist promovierte Juristin. Sie arbeitete einst als Praktikantin beim Internationalen Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien, studierte später an der Columbia University in New York und arbeitete schließlich in der international verzweigten Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.

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