Die rekordverdächtigen Wanderrouten von Wölfen

"Nicht nur Menschen gehen aus Liebe bis ans Ende der Welt." Ein paar erstaunliche Wolfsfakten von Kurt Kotrschal.

(Wöchentliche Kolumne von Kurt Kotrschal – Wolfsexperte, Verhaltensforscher und Biologe.)

Wölfe und Menschen sind Weitwanderer

Welche Landtiere wandern am weitesten? Eine eben erschienene Arbeit internationaler Wildbiologen zeigt, dass zwar die die wildlebenden amerikanischen Rentiere, die Karibus, die weitesten jährlichen Wanderungen unternehmen. Aber es sind manche Wölfe, die übers Jahr die weitesten Strecken aller Landtiere zurücklegen, auf der Suche nach Nahrung oder Partnern.

Folge "HeuteTierisch" auf
Facebook
Instagram

Mongolische und nordamerikanische Rekordhalter auf Suche nach Beute...

So wanderten mongolische Wölfe auf Such nach ihrer Hauptbeute, den Wildeseln und den baktrischen Kamelen pro Jahr fast 8000 Kilometer und manche nordamerikanische Wölfe ziehen jährlich etwa 6000 Kilometer mit den Karibus. Bei den eher territorialen kanadischen Grauwölfen können es immerhin noch 2000 Kilometer werden. Das weiß man von Wölfen, die ein Halsband mit Telemetriesender tragen. Ihre Wege können so auf Meter und Minute genau per Satellit verfolgt werden

...aber am weitesten treibt die Sehnsucht

Nicht nur Menschen gehen aus Liebe bis ans Ende der Welt. Den bisherigen Weitwander-Weltrekord stellte eine amerikanische Timberwölfin auf. Sie stammt aus einem Rudel aus Oregon und wurde dort 2017 mit einem Halsbandsender versehen. OR-54 war übrigens eine Tochter des ersten Wolfsrüden, der seit 100 Jahren nach Kalifornien einwanderte.

Nach der Besenderung verließ OR-54 ihr Rudel und lief zwei Jahre lang kreuz und quer durch den Norden Kaliforniens, offenbar auf erfolgloser Suche nach einem Partner.

Seit Jänner 2018 legte sie dabei 14000 Kilometer zurück.

Sie lief also in diesen zwei Jahren mehr als viermal die Distanz von Wien zum Nordkap. Oder etwa täglich mehr als 20 Kilometer.



Eine recht erstaunliche Leistung, wenn man bedenkt, dass sie in dieser Zeit auch noch jagen, fressen und ruhen musste. Dagegen nehmen sich die paar hundert bis etwa tausend Kilometer, die ein europäischer Wolf auf Partnersuche zurücklegt eher bescheiden aus.

Wurde Wölfin OS-54 ermordet?

Leider war sie nicht erfolgreich. Mit Dezember 2019 bewegte sie sich nicht mehr und wurde kurz danach tot aufgefunden, wahrscheinlich gewildert. OS-54 teilt also das Schicksal der Wölfe in Österreich. Der Fall wird gerade untersucht und mit einiger Wahrscheinlichkeit kann der Täter ausgeforscht werden. Die Wölfin wird dadurch aber leider auch nicht wieder lebendig.

+++ Der Wolfsblog von Kurt Kotrschal. Jede Woche neu! Nur hier bei "HeuteTierisch". +++

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account red Time| Akt:
KolumneWolfsblogTierwissenWolfKurt Kotrschal

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen