Die Schweiz hat keine freien Intensivbetten mehr

Menschen mit Schutzmasken auf einer Straße in Genf, Schweiz
Menschen mit Schutzmasken auf einer Straße in Genf, Schweizpicturedesk.com/Keystone/Salvatore di Nolfi
Auch das letzte Intensivbett in der Schweiz ist belegt. Doch selbst Lokale sind weiter geöffnet. Die Rede ist von einem "politischen Totalversagen".

Die Aussendung der Schweizer Gesellschaft für Intensivmedizin klingt wie eine teilweise Kapitulation. 876 Intensivbetten gibt es im Nachbarland, 876 davon sind "aktuell praktisch belegt". 242 Reservebetten gibt es noch, insgesamt könne auf 1.200 aufgestockt werden, doch ein Rückgang der Infektionszahlen ist nicht abzusehen. Sogar Bars sind weiterhin geöffnet.

Eine eigens vom Bund eingerichtete Taskforce zum Coronavirus forderte deswegen eine Verschärfung der Maßnahmen. Bars und Restaurants müssten geschlossen werden. Passend erschien da eine Sitzung des Bundesrates (Ministerrat) am Mittwoch. Doch in dieser sind keine Maßnahmen geplant, stattdessen soll es Hilfspakete für die Wirtschaft geben.

"Politisches Totalversagen"

Ein Mitglied der Taskforce spricht an dieser Stelle von einem "Politisches Totalversagen" in der Schweiz. Den alarmierenden Bericht der eigenen Taskforce habe man zur Kenntnis genommen, verantwortlich fühlt man sich jedoch offenbar nicht. Das, obwohl mittlerweile 60 Prozent aller Intensivpatienten aufgrund einer Covid-Erkrankung hospitalisiert sind.

Generell ist die Schweiz sehr liberal und wirtschaftsorientiert geprägt, Eingriffe des Staates nicht gerne gesehen. Eine Maskenpflicht gab es deswegen schon während der ersten Welle nicht, erst im Juli wurde diese in den Öffis Pflicht, im September schließlich auch in Geschäften. Von 1. bis 28. Oktober waren sogar Großveranstaltungen mit bis zu 1.000 Personen erlaubt.

Seit knappen drei Wochen gilt immerhin eine Sperrstunde von 23 Uhr, auch Clubs und Diskotheken sind mittlerweile geschlossen. Der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset sieht darin einen "Mittelweg". Schärfere Einschränkungen gibt es nur teilweise auf kantonaler Ebene.

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