Die Toten Hosen schenken Schweiß, Lärm und Freude

Ein Bandporträt fernab von Selbstbeweihräucherung und Schönfärberei.
Bilanz zu ziehen, schreibt Philipp Oehmke in der Hosen-Biografie "Am Anfang war der Lärm", sei ein Schwerpunkt im Schaffenswerk der Band. Diesmal kommt die Bestandsaufnahme nicht in Form eines Songtexts, sondern als Konzertfilm und Tour-Doku.

Der Trailer von "Weil du nur einmal lebst":



Die Toten Hosen auf Tour
Die Toten Hosen auf Tour


CommentCreated with Sketch.3 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Gleichzeitig ist "Weil du nur einmal lebst" ein Geschenk für die Fans. Ein selbstgebasteltes, ehrliches Geschenk, nicht der übliche Ramsch, der auf den Markt geworfen wird, um eine altersschwache Kuh zu melken. Keine aus dem Archiv gebuddelte, digital herausgeputzte B-Seite, die aus gutem Grund nie veröffentlicht wurde. Keine zum x-ten Mal aufgelegte Biografie, die sich aus Wikipedia-Einträgen und vergessenen Interviews zusammensetzt.

"Für die Fans" lautet die billige Rechtfertigung für diesen Schund. Bei den Hosen aber hat man das Gefühl, dass sie die Message nicht nur ernst nehmen, sondern nach über 35 Jahren im Geschäft noch immer leben. Der neue Film gibt gar nicht vor, weltbewegend Neues zu präsentieren, er liefert lediglich ein Update, eine Ergänzung zur bestehen Hosen-Folklore.

Vorwissen gefragt



Dass "Weil du nur einmal lebst" für die Fans ist, merkt man auch daran, dass er ein enormes Wissen voraussetzt. Wer die Band noch nicht kennt (oder gerade mal "Tage wie diese" mitgrölen kann), wird des öfteren ins Grübeln kommen. Warum steht da ständig eine Tischtennisplatte im Bild herum? (Sie ist fixer Bestandteil im Tour-Gepäck.) Warum fühlt sich Drummer Vom nach zwei Jahrzehnten bei der Band noch immer als Außenseiter?

(Er ist kein vollwertiges Mitglied, sondern quasi ein Angestellter der Band.) Und wer ist eigentlich "Der wahre Heino"? (Der ehemalige Support-Act der Hosen kostete sie in den Achtzigern einen Plattenvertrag, die Freundschaft war trotzdem nicht in Gefahr.)

Auch thematisch knüpft der Film an Bekanntes an. Es geht um den Brückenschlag zwischen Punk und Stadionrock, um den oft langweiligen Probenalltag der Band, um Campinos mitunter zuwidere und herrische Art. Das Ältergewordensein zieht sich als roter Faden durch die Doku, die früher zelebrierte Berufsjugendlichkeit blitzt nur in der Freibadszene auf. Das Nachspiel des nächtlichen Einbruchs ist den Fans der Toten Hosen natürlich bekannt, ebenso wie die Konzertabsagen nach Campinos Hörsturz und der #WirSindMehr-Auftritt in Chemnitz.

Fazit:



"Weil du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour" ist kein aufregender Film, aber ein schöner. Für die Fans. Und das bedeutet hier endlich mal wieder etwas Gutes.

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"Weil du nur einmal lebst" startet am 28. März 2019 in den österreichischen Kinos.

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