"Putin hat seine Ziele klar formuliert", sagt Gerhard Mangott, Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck mit dem Schwerpunkt Osteuropa und Russland. "Er möchte eine Ukraine, die ihre Souveränität verliert, die sich unterwirft, die einen neutralen Status akzeptiert, die akzeptiert, in der russischen Einflusszone zu sein, die sich demilitarisiert." Der russische Präsident "ist offensichtlich dazu entschlossen, dies mit jedem Mittel, das dazu notwendig ist, zu erreichen."
Eine militärische Reaktion der NATO sei "völlig ausgeschlossen". Nicht nur, weil das Militärbündnis selbst abgewunken hat, sondern auch, weil Putin selbst gesagt hat, "dass er auch bereit ist, nuklear zu eskalieren, wenn irgendjemand die russischen Truppen aufhalten möchte". Er will eine militärische und politische Kapitulation der Ukraine.
Das bedeutet, "dass es eine neue Teilungslinie in Europa gibt, an der Westgrenze der Ukraine" und jener Weißrusslands: "Das ist eine Zäsur für die europäische Geschichte." Die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland werden "für viele Jahre" einfrieren, erklärt Mangott.
Putin schadet sich aber selbst: "Für Russland bedeutet das massive wirtschaftliche, finanzielle und soziale Kosten, die politische und diplomatische Isolation des Landes." Mangott fasst den Einmarsch Russlands pessimistisch zusammen: "Es gibt nichts, was der Ukraine im Augenblick helfen könnte. Sie ist völlig auf sich allein gestellt."