Die unmögliche Affäre mit der jungen Schönheit

Sie ist bildschön, das sieht ein jeder. Aber sie ist Baujahr 2017, ich bin Baujahr 1959. Können wir gemeinsam glücklich werden?

Ok, das kann jetzt sexistisch klingen: Aber das junge Ding ist wirklich gut gebaut, die Körperform ist inspirierend. Schon sehr geil, offen gesagt. Doch hier geht es nicht um niedrige Gelüste. Es geht um die neue Vespa 125 GTS Super, ein Edelroller.

Innere Werte

Die 125er Vespa ist nicht nur fesch, sie hat wie ihre Ahnen auch starke innere Werte: Eine selbsttragende Karosserie aus Stahlblech. Die grüne Schönheit läuft auf schwarzen 12 Zoll Alufelgen. Der Einspritzmotor leistet entzückende 12,2 PS und ist aber so etwas von umweltfreundlich, dass man schon fast von einer Bio-Vespa reden kann.

Treue Begleiterin

Im Alltag ist die Vespa eine treue Begleiterin. Ein Knopfdruck, ihr Motor summt. Das zählt. Ihr Verbrauch lässt jeden Tankstellenbesitzer verzweifeln. Und dann erst ihr Vespa-Hintern: Darunter ein einstellbarer hydraulischer Doppelstoßdämpfer, das federt. Egal ob man um die Milch oder in den Job fährt, die Vespa passt. Sie ist schmal genug, um an Autokolonnen vorbei zu flitzen. Sie ist breit genug, um bequem zu sitzen. Sie ist einfach urcool, wie wir Älteren sagen.

Die Automatik

Bekanntlich hat die Vespa eine Automatik mit stufenloser Variomatic. Das heißt, dass man nur mehr Gas geben und nicht mehr Kuppeln muss – hier unterscheidet sich der Roller vom Kraftrad. Das heißt aber auch, dass links vorne nicht die Kupplung, sondern die Vorderbremse betätigt wird. Und die beißt bei der Vespa. Das ABS sorgt für einprägsame Momente im Fließverkehr, wenn man unbedacht hochschalten will.

Die "Start/Stop"-Automatik

Ein weiteres Zuckerl ist die "Start/Stop"-Automatik zum Sprit sparen. Der Motor stirbt einfach ab, wenn die Fuhre still steht. Oft erntet man deshalb mitleidige Blicke von anderen Verkehrsteilnehmern. Doch die Ohnmacht ist nur vorgetäuscht. Ein leichter Zug am Gas und die Vespa erwacht ruckzuck zum Leben. Man kann diese Automatik auch ausschalten.

Die Gewichtsfrage

An der Kreuzung ist man mit 12,2 PS Motorleistung dabei, aber mehr nicht. Für ein Kräftemessen an der Ampel ist die flüssigkeitsgekühlte 125er nicht ausgelegt. Allerdings hat die junge Vespa auch meine eher mittig verteilten 90 Kilo zu schleppen. Ok, 95. Der Edelroller bringt aber selbst auch schon 158 Kilo auf die Waage, man braucht sich also gewichtsmäßig nicht zu genieren. Laut Werk kann sie stolze 340 Kilo schleppen.

Der Topspeed

Das Werk verspricht für die 125er auch einen Topspeed von 104 km/h, aber die waren für die kleine Grüne und mich illusorisch. Wenn ich mit der 125er schnell fahren will, gibt es nur einen Weg: Eine strenge Diät über mehrere Monate. Jedes Körperkilo, das die zarte 125er weniger schleppen muss, macht sie sicher lebendiger. Wahrscheinlich bringen zehn Kilo weniger zehn Stundenkilometer mehr – das ist bei Rollern eine ganze Welt.

Zum Gernhaben

Aber auch wenn sie nicht die Schnellste ist, schön ist sie trotzdem. Einfach zum Gernhaben. Wer immer sich eine Vespa vom Faber holen will, sollte mindestens 5.000 Euro einstecken.

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Maria Theresia von ÖsterreichTestMotorsportVerkehr

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