3.400 Euro ist ein durchschnittliches E-Bike wert, ein "normales" Fahrrad rund 1.300 Euro, berichten BKA-Chefinspektor Peter Seidl und KFV-Experte Armin Kaltenegger. Durch den hohen Preis gerieten E-Bikes in das Visier von Kriminellen. "17.595 Fahrraddiebstähle wurden im Jahr 2021 zur Anzeige gebracht. Verschoben hat sich das Täterverhalten und der Tatort“, so Seidl.
Immer öfter werden Fahrradräume und Kellerabteile auf der Suche nach teuren Zweirädern aufgebrochen. "Über 50 Prozent der gemeldeten Tatorte sind nicht öffentlich zugänglich. Zudem schauen sich die Täter aktiv nach teuren Geräten um, die leicht und schnell wieder verwertbar sind." Wie groß der Anteil von E-Bike- bzw. E-Scooter-Diebstählen ist, lässt sich erst ab dem Jahr 2022 benennen: von Jänner bis April 2022 wurden rund 5.000 Fahrräder, 500 E-Bikes und 400 E-Scooter bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Genaue Zahlen für die jeweiligen Bundesländer wurden leider nicht ausgewertet. Die meisten Räder werden aber in Wien gestohlen.
Eine Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) mit 500 Befragten ergab, dass 11 Prozent der E-Bike- und/oder E-Scooter-Besitzer bereits zum Opfer eines Diebstahls wurden. Dabei werden E-Bikes deutlich häufiger gestohlen als E-Scooter: Auf einen gestohlenen E-Scooter kommen drei gestohlene E-Bikes. 51 Prozent der Befragten gaben an, den Fahrradpass nicht zu kennen. "Im Fahrradpass können alle wesentlichen Informationen des Fahrrads erfasst werden. Damit wird die Anzeigenerstattung sowie Schadensmeldung erleichtert. Zudem kann die Polizei nur mit diesen Informationen auch erfolgreich nach dem gestohlenen Gut fahnden. Der Fahrradpass verhindert damit zwar keinen Diebstahl an sich, ist jedoch im Ernstfall von großer Bedeutung", so Seidl.
Laut der Befragung werden Kabelschlösser (Spiralschlösser) am häufigsten zur Sicherung von E-Bikes und E-Scooter verwendet. Gleichzeitig werden Fahrzeuge mit dieser Sicherung aber auch am häufigsten gestohlen, da es sehr leicht zu knacken ist. "In fünf Sekunden ist ein solches Schloss mit dem Bolzenschneider geknackt", so Kaltenegger. Mit einer sehr geringen Anzahl an Diebstählen schnitten Falt- und Bügelschlösser am besten ab. "Das wirksamste Maßnahmenbündel besteht aus der Beschaffung eines hochwertigen Schlosses und der Wahl einer qualitativ hochwertigen Abstellanlage in einer sicheren Umgebung", so Kaltenegger. Auch den Akku bei einem E-Bike abzunehmen, bringe Sicherheit. "Ein Dieb wird dann eher ein anderes Fahrrad nehmen, da der Akku rund 800 Euro kostet", so Seidl. "Ohne Akku ist das Rad für den Dieb wertlos."
Wenn das Rad im Innenraum abgestellt ist, sollte es zusätzlich an einem fix verankerten Objekt angehängt werden. Ein gutes Mittel, um gestohlene Räder wiederzufinden, sind GPS-Tracker. Die versteckten Sender alarmieren den Besitzer, wenn das abgestellte Rad bewegt wird. Zudem übermitteln sie laufend den aktuellen Standort des Fahrrades.