Diese AUA-Ladys gehen seit 300 Jahren in die Luft

Sie bauten für den Präsidenten den Flieger um und flogen unzählige Male um die Erde. Nun feiern acht AUA-Veteraninnen ihr Jubiläum. In der Luft.
Flughafen Wien-Schwechat, sieben Uhr morgens: Als das "Heute"-Team eintrifft, strahlen acht Flugbegleiterinnen bereits mit der Frühlingssonne um die Wette. Auch das typische Rot ihrer Uniform leuchtet satter als sonst – so scheint's zumindest.

"Viele gingen, aber wir blieben. Immer."

Der freudige Anlass der Zusammenkunft: Acht Veteraninnen feiern ihren 300. Bord-Geburtstag. Vor mehr als drei Jahrzehnten haben sie zusammen die Ausbildung zur Stewardess abgeschlossen. "Viele, die nach uns begonnen haben, sind schon lange wieder weg. Wir aber sind geblieben."

Das gehört natürlich gefeiert. Seit August planten die Ladys in Red einen gemeinsamen (Arbeits-)flug nach Miami. "Das war gar nicht so einfach. Dienst- und Urlaubspläne mussten aufeinander abgestimmt werden – und natürlich die Erlaubnis eingeholt werden." (Siehe dazu auch Infokasten)

AUA-Chef an Bord von Jubiläumsflug überzeugt

Silvia Lax ("Schreibt man L-A-X – wie den Three-Letter-Code für Los Angeles") hat sich und ihren sieben Kolleginnen die Freigabe höchstpersönlich von oberster Stelle geholt. Lax: "Vor ein paar Monaten hatte ich am Flug von Frankfurt nach Wien unseren Vorstand Kay Kratky an Bord. Da habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt, ihn über unseren Wunsch, noch einmal gemeinsam auf Langstrecke zu gehen, zu informieren. Er hat es beachtlich gefunden, nach 30 Jahren noch zu fliegen und uns grünes Licht gegeben." (Zusatzfoto: Sabine Hertel)
Miami calling



CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Mitte letzter Woche war es so weit. Die acht Damen, mittlerweile alle Führungskräfte an Bord, brachen gemeinsam nach Florida auf. "Das hat einen einfachen Grund: Auf der Route Wien-Miami benötigt man acht Flugbegleiter. Nach New York etwa wären es nur sieben gewesen", erklärt Getraud Flemming, die zuvor für das "Heute"-Foto in ein altes, blaues Dienstoutfit geschlüpft war.

Sommer, Sonne, Strand: Die AUA-Crew genoss den "300-Jahres-Ausflug" in den Sunshine State der USA sichtlich.
Sommer, Sonne, Strand: Die AUA-Crew genoss den "300-Jahres-Ausflug" in den Sunshine State der USA sichtlich.
"Für den Präsidenten bauten wir den Flieger um"



Im Bus, der die Besatzung zu einer eigenen Sicherheitskontrolle und dann zur Boeing 777 aufs Vorfeld kutschiert, blicken die Frauen auf ihre Karriere zurück. Anno 2004 betreute Ursula Mittag den bereits sichtlich gezeichneten Thomas Klestil auf seiner letzten Auslandsreise. "Der Altpräsident war schon ziemlich krank, aber sehr tapfer. Wir bauten an Bord eigens für ihn ein bisschen um, damit er bequem fliegen konnte und servierten sein Lieblingsgetränk."

Hochzeiten und in 18 Tagen um die Welt



Auch geheiratet wurde an Bord, dazu Dutzende Durchsagen, wenn Passagiere runden Geburtstag oder Hochzeitsreise feierten. Getraud Flemming war beim Erstflug nach New York (Ostern 1989) dabei und reiste "wie bei einer Kreuzfahrt mit Passagieren in 18 Tagen um die Welt".

Nun, mehr als drei Jahrzehnte nachdem sie gemeinsam ausgebildet worden waren, erlebten die "Kurskolleginnen" gemeinsam den Anflug auf Florida ("Es war wie im Film – man sah die Everglades und die Keys") und genossen vier Tage im Sunshine State Amerikas. "Mit Kulturpogramm, Restaurant- und Strandbesuchen", wie Ulrike Preuler ausführt.

"Auf 6G fehlen die Kopfhörer"



Den Spaß musste sich die Crew dennoch erst verdienen. Für die 8.400 Kilometer nach Florida waren sie über elf Stunden unterwegs. Da muss jeder Handgriff sitzen – und tut es auch. "Heute" war dabei, als die geballte AUA-Power vor dem Abflug die Triple-seven entert. Nur 15 Minuten vor den Passagieren. Mit der Erfahrung von 300 Jahren in der Luft, springt Ihnen sofort ins Auge: "In der Business-Class fehlen auf 6G die Kopfhörer." Schließlich letzte hilfreiche Infos – wie die Anzahl mitfliegender Babys – via Bordmikro an alle Crewmitglieder: "3 Infants in der Economy", ehe die Türen geöffnet und die Reisenden zusteigen.

Dann tun die Jubilarinnen das, was sie seit über drei Jahrzehnten machen: lächeln und – untermalt vom Donauwalzer – freundlich "Servus" sagen.

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