Es gibt viele Faktoren, die den Verlauf einer Coronavirus-Infektion beeinflussen. Mediziner haben mehrere Umstände herausgefunden, die einen schweren Krankheitsverlauf begünstigen.
Rund 80 Prozent der der Corona-Patienten weisen keine oder sehr milde Symptome auf. Etwa zehn bis elf Prozent müssen im Krankenhaus behandelt werden. 20 bis 25 Prozent davon zeigen einen sehr schweren oder lebensgefährlichen Verlauf.
Die Patienten leiden an schwerer Atemnot oder an einer Lungenentzündung. In lebensbedrohlichen Notfällen kommt es zu Lungenversagen oder multiplem Organversagen.
Doch welche Faktoren beeinflussen den Krankheitsverlauf? Liegt es wirklich am Alter oder an den Vorerkrankungen? Medizinier konnten mehrere Umstände für die Ausprägung der Lungenkrankheit festmachen.
Wie der deutsche Pneumologe Michael Barczok vom Lungenzentrum Ulm im "Münchner Merkur" erklärt, kann die Menge der Viren im Körper über Leben und Tod entscheiden. "Handelt es sich nur um einige wenige Erreger, kann der Körper diese lokal abfangen und Abwehrstoffe bilden", so der Facharzt.
Es kommt dann eher zu einem leichten Verlauf. "Wenn Ihnen jedoch ein Infizierter ins Gesicht niest, atmen Sie sofort eine extrem hohe Virusmenge ein. Und die können selbst das beste Immunsystem überrennen".
Es macht also einen Unterschied, ob man aus nächster Nähe angehustet wird oder ob man nur wenige Viren in der Luft eines kleinen Raumes einatmet, in dem sich zuvor ein Corona-Patient aufgehalten hat.
"Unmittelbar nach der Übertragung beginnt ein Wettlauf zwischen sich vermehrenden Viren und Antikörpern, die das Immunsystem als Reaktion darauf bildet", sagt der Wiener Lungenfacharzt und Intensivmediziner Gernot Rainer in der "Presse".
Wenn sich weniger Viren im Körper befinden, ist die Chance höher, dass rechtzeitig ausreichend Antikörper produziert werden, um diese zu zerstören. Mehr Viren können sich schneller vermehren und behalten gegenüber den Antikörpern die Oberhand. Ein schwererer Verlauf ist die Folge.
Dies war auch der Grund, dafür warum sich das Coronavirus in Après-Ski-Bars so rasant verbreitet hat. Die Gäste stehen auf engstem Raum beisammen und mussten sich bei lauter Musik anschreien, um sich zu unterhalten.
Auch Ärzte oder Pflegekräfte in China und Italien sind ohne Vorerkrankung verstorben. Aufgrund fehlender Schutzausrüstung nahmen sie eine hohe Dosis der Viren durch die Patienten auf.
Die ACE2-Rezeptoren befinden sich vor allem entlang der Atemwege und des Magen-Darm-Traktes und dienen als Andockstation für das Virus. Von dort können sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.
Die Dichte und Ausprägung dieser Rezeptoren ist ebenfalls ausschlaggebend für den Krankheitsverlauf, berichtet "Die Presse". Sie kommen bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Altersklassen in unterschiedlich hoher Anzahl vor.
So wird davon ausgegangen, dass Kinder weniger dieser Rezeptoren zur Verfügung haben, was erklären würde, warum sie häufiger milde oder gar keine Symptome zeigen als Erwachsene.
Auch die Stärke des eigenen Immunsystems spielt bei der Ansteckung eine Rolle. Es gibt Leute, die häufiger krank sind als andere, obwohl sie in derselben Altersgruppe sind und einen ähnlichen Lebensstil pflegen.
Dies hat mit dem angeborenen Immunsystem zu tun. Manche sind von Natur aus gut ausgestattet, andere nicht. Bei älteren Menschen bzw. bei jenen mit Vorerkrankungen ist es nicht mehr ganz intakt.
Menschen ab 65 Jahren zählen zur Risikogruppe, aber auch jene, die an Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen leiden sind besonders gefährdet.
Die meisten Todesfälle litten an Vorerkrankungen. "Dabei zeigte sich mit zunehmendem Wissensstand über das Virus und seine Auswirkungen, dass es sich dabei um keine reine Lungen-, sondern vielmehr um eine Multisystemerkrankung handelt", sagt Gernot Rainer. "Zwar ist die Lunge immer noch das Organ, das am häufigsten versagt, aber in rund 30 Prozent der Fälle ist es ein Herzstillstand, der zum Tod führt."
Auch wie tief das Virus in die Lunge eindringt, bestimmt maßgeblich den Verlauf der Krankheit: "Warum er bei manchen Menschen tiefer in die Lunge eindringt als bei anderen, das wissen wir bislang nicht genau", sagt der Lungenfacharzt Michael Barczok.
Der Zustand der Flimmerhärchen in den Bronchien könnte dafür entscheidend sein. Sie haben die Aufgabe Krankheitserreger wie Viren, Pollen und Dreck aus den Lungen zu befördern. Deshalb sind beispielsweise auch Raucher stärker gefährdet.
Auch schlechte Luftqualität kann zu schweren Krankheitsverläufen führen. Stickstoffdioxid ist ein Schadstoff in der Luft, der die Atemwege schädigt. Vor allem in Norditalien ist die Feinstaubbelastung hoch. Dies könnte ein Grund sein, warum diese Region besonders stark betroffen war und ist.
Eine Studie der Universität Halle-Wittenberg hat herausgefunden, dass Regionen und Städte mit dauerhaft hoher Schadstoffbelastung (neben Norditalien auch der Großraum Madrid und die chinesische Provinz Wuhan) mehr Corona-Todesfälle verzeichnen.