Bauen ausdrücklich erlaubt

Diese neue MAK-Ausstellung wird zum riesigen Spielplatz

Im MAK werden historische Baukästen ab 7. Oktober zum Mitmach-Erlebnis.
4.000 Filzbausteine, Spielstationen und VR laden zum Losbauen ein.
Heute Entertainment
17.08.2026, 14:02
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Stein auf Stein statt nur schauen: Ab 7. Oktober verwandelt das MAK mehrere Museumsräume in eine riesige Spielfläche. Bei der Ausstellung "Architekturbaukästen 1890–1990" dürfen kleine und große Baumeister selbst Hand anlegen – inklusive 4.000 Filzbausteinen und VR-Erlebnis.

Wer bei Bauklötzen sofort an Lego denkt, kann im MAK ab 7. Oktober eine völlig neue – oder besser gesagt: ziemlich alte – Welt entdecken. Die große Mitspielausstellung "Architekturbaukästen 1890–1990" zeigt, womit Kinder vor Lego ihre Traumhäuser, Wolkenkratzer und Kathedralen errichteten.

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Rund 70 historische Architekturbaukästen aus hundert Jahren sind zu sehen, viele davon als fertig aufgebaute Modelle. Doch nur Anschauen wäre hier ausdrücklich zu wenig: An acht Spielstationen können Besucher ab vier Jahren selbst losbauen.

4.000 Steine für eine Kathedrale

Spektakulärer Hingucker ist eine Kathedrale aus 4.000 Filzbausteinen in der Säulenhalle. Daneben warten unterschiedlichste historische Bausysteme darauf, ausprobiert zu werden.

Denn bevor Kunststoffsteine die Kinderzimmer eroberten, war die Auswahl enorm. Allein im deutschen Sprachraum stellten zwischen 1880 und 1960 rund 900 Firmen Bauspielsysteme her. Gebaut wurde mit Holz, Metall und künstlichen Ziegelsteinen, aber auch mit heute fast vergessenen Materialien wie Galalith, dem sogenannten "Milchstein", oder sogar Kautschuk.

Ausgangspunkt der Schau ist die rund 150 Objekte umfassende Privatsammlung des Grafikers Claus Krieger.

Wiener Baukasten war seiner Zeit voraus

Damit die wertvollen Originale nicht unter allzu enthusiastischen Baumeistern leiden, wurden ausgewählte Systeme eigens in größerem Maßstab nachgebaut. Prof. Andreas Kretzer von der Hochschule für Technik Stuttgart und seine Studierenden machten unter anderem die Baukästen "Ingenius", "Bâtiss" und "Skyline" wieder spielbar.

Besonders spannend für Wien: Der "Ingenius"-Baukasten von 1924 des Architekten Wilhelm Kreis wurde in Wien produziert. Seine Großstadtarchitektur erinnert bereits an die düstere Metropole aus Fritz Langs berühmtem Stummfilm "Metropolis" – der allerdings erst 1927 erschien.

Auch mit "Minibrix", "Tetek", "Dusyma" und dem in der DDR produzierten "Kleinen Großblockbaumeister" darf gebaut werden. Wer lieber digital konstruiert, kann mittels VR-Brille in eine virtuelle Modellwelt eintauchen.

Früher war Spielen echte Arbeit

Kurios sind auch die historischen Verpackungen. Darauf wirken die spielenden Kinder häufig alles andere als entspannt: hochkonzentriert sitzen sie vor ihren Bauwerken. Kein Wunder, denn manche der alten Bauanleitungen sind erstaunlich kompliziert.

Die Kästen behandelten Kinder regelrecht wie kleine Erwachsene. Sie sollten als "kleine Baumeister" oder "kleine Architekten" Geduld und Disziplin beweisen. Mädchen hatten dabei lange eine wenig ruhmreiche Rolle: Auf vielen Verpackungen durften sie lediglich zuschauen. Erst ab den 1960er-Jahren änderte sich das langsam.

Damit heutige Besucher nicht an den historischen Anleitungen verzweifeln, gibt es an den Spieltischen neu gezeichnete Schritt-für-Schritt-Anleitungen im vertrauten IKEA-Stil.

Der große Unterschied zu Lego

Auch die Idee hinter den alten Baukästen unterscheidet sich von vielen heutigen Sets. Das fertige Modell sollte nicht möglichst perfekt im Regal landen. Stattdessen waren die Systeme dafür gedacht, immer wieder zerlegt, verändert und neu aufgebaut zu werden.

Die vom Deutschen Architekturmuseum konzipierte und von Oliver Elser kuratierte Ausstellung erzählt deshalb nicht nur Spielzeuggeschichte. Sie zeigt auch, wie sich die Architektur ihrer jeweiligen Epoche im Kinderzimmer widerspiegelte – von den reich verzierten Gebäuden der Gründerzeit bis zur radikalen Moderne der 1920er-Jahre.

Und wer nach dem Museumsbesuch endgültig vom Baufieber gepackt ist, kann im begleitenden Workshop-Programm weiterkonstruieren: Bei kleinen Architekturwettbewerben und experimentellen Aufgaben wird gemeinsam geplant und gebaut. Dabei dürfen neben den historischen Systemen auch Lego und Bioblo zum Einsatz kommen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 17.08.2026, 14:02
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