Dieser angebliche "Fakt" zum Amazonas ist falsch

Die Waldbrände in Südamerika sind verheerend. Doch manche Ängste werden zu sehr aufgeblasen.
Die Bilder und Videos die sich derzeit im Netz aus dem Amazonas verbreiten sind schockierend. Die Flammen, die den Regenwald mit jeder Sekunde mehr und mehr zerstören, scheinen unaufhaltbar zu sein. Ohne Zweifel: Die Welt sieht gerade einem ökologischen Desaster zu. Das Problem betrifft uns alle. Das ist sicher. Darüber hinaus wird die Heimat und das Land von indigenen Ureinwohnern zerstört.

"Amazonas liefert 20 Prozent des Sauerstoffs"



Dennoch verbreiten sich auch derzeit rasend schnell Falschmeldungen im Bezug auf den Amazonas. Besonders in sozialen Netzwerken werden Ängste geschürt, die so nicht so ganz stimmen. So wird oft davon gesprochen, dass der Regenwald 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs generiert.

CommentCreated with Sketch.8 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Auch hohe Staatsschefs haben diesen vermeintlichen "Fakt" bereits aufgegriffen. So zum Beispiel Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er twitterte: "Unser Haus brennt. Wortwörtlich. Der Amazonas – die Lunge, die 20 Prozent unseres Sauerstoffs produziert – steht in Flammen."

Das ist aber ganz klar falsch. Es besteht Grund zur Sorge, das ist korrekt. Jedoch müssen wir keine Sorge vor dem Ersticken haben. Zumindest noch nicht. Denn einer der führenden Klima-Wissenschaftler, Professor Michael E. Mann, twitterte: "Die 20 Prozent sind zu hoch!" Er geht davon aus, dass der Amazonas "nur" sechs Prozent des Sauerstoffs auf der Erde produziert. Seiner Ansicht nach sei aber auch diese Zahl bereits zu hoch angesetzt, "denn es wird nicht wirklich um sechs Prozent weniger Sauerstoff geben, wenn man den Amazonas abholzt".

Luft für mehrere Millionen Jahre vorhanden



Auch wenn Wälder wichtig für den Sauerstoff sind, sind sie nicht alleine für dessen Produktion verantwortlich. Konkret nehmen Bäume Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre auf und wandeln diesen durch Photosynthese in Sauerstoff und Zucker um. In der Nacht wird der Prozess umgekehrt. Das bedeutet: Der Sauerstoffüberschuss ist sehr gering.

In Wahrheit steckt viel mehr Sauerstoff in den Meeren. Niklas Höhne Professor für Treibhausgasminderung an der Universität Wageningen in den Niederlanden erklärt gegenüber "dw.com": "Die Wälder und Böden absorbieren weltweit insgesamt ungefähr ein Drittel der menschengemachten CO2-Emissionen. Davon ist der Amazonas wiederum zu einem zu einem Sechstel beteiligt. Der Amazonas nimmt also fünf Prozent der vom Menschen verursachten Emissionen wieder auf."

Auch Scott Denning, Professor der Atmosphärenwissenschaften in Colorado, erklärt in einem Artikel: "Wenn wir alles Organische auf der Welt gleichzeitig verbrennen würden, würde es nur einen Prozent des Sauerstoffs betreffen." Er führt aus, dass bereits genug Sauerstoff in der Luft ist, um für mehrere Millionen Jahre für Leben zu sorgen.

Probleme dennoch verheerend



Entwarnung gibt es aber keine. Denn die Brände und Abholzungen bringen andere Probleme mit sich: Bereits jetzt sind 20 Prozent des Regenwaldes gerodet worden. Bei einer Größe von ursprünglich 5,3 Millionen Quadratkilometern spricht man hier von einer Fläche, die größer als die gesamte Europäische Union ist. Das führte zu einer Erwärmung von knapp einem Grad in der Region. Auch die Trockenzeit wurde verlängert.

Wird die Rodung nicht gestoppt, so kann sich das Klima unwiederbringlich ändern, so Höhne. Regenperioden könnten komplett wegfallen. Die Region würde austrocknen. Damit steht die Wasserversorgung von rund 20 Millionen Menschen an der Kippe. Denn die Einwohner um Sao Paulo sind direkt vom Amazonas abhängig.

(slo)

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