Was nach einem entspannten Sommertag am Badesee klingt, entwickelt sich schnell zu einem ungewöhnlichen Kriminalfall.
In seinem Antikrimi (!) "Giovanni, du stinkst!" (Kremayr & Scheriau) schickt der Wiener Autor Christian Klinger seinen etwas auffälligen Ermittler Giovanni Sinovats an einen idyllischen See im Burgenland. Doch die Ruhe endet abrupt, als am Ufer eine Leiche entdeckt wird.
Dabei steht nicht nur der Mord im Mittelpunkt. Klinger zeichnet das Bild einer eng verbundenen Eigentümergemeinschaft einer kleinen Feriensiedlung, die sich das Paradies am Wasser nennt, in der jeder jeden kennt – und fast jeder ein Geheimnis mit sich trägt. Dazu bekommt auch die burgenländische Provinz- und Landespolitik kräftig ihr Fett weg.
„Die Neugier ist eben nicht nur ein Hund, sie ist vor allem allgegenwärtig“
Zwischen Affären, Nachbarschaftsstreit, Immobiliendramen, einem kiffenden "Indianer" und gescheiterten Ehen entfaltet sich eine Geschichte, die bewusst mit den Regeln klassischer Krimis bricht. HIER findest du eine Leseprobe.
Schon der Einstieg macht klar, wohin die Reise geht: "Doch bevor wir uns diesem bald die Idylle störenden Objekt zuwenden wollen, dringen wir zunächst ein wenig in die Intimsphäre einer der ansässigen Familien ein. Es ist doch oft so, dass man ganz gern in die Häuser hineinschauen möchte. Warum dann nicht auch ein wenig hineinhören? Die Bewohner beobachten, heimlich, damit sie sich ganz natürlich geben, ganz ohne Geheimnisse. Die Neugier ist eben nicht nur ein Hund, sie ist vor allem allgegenwärtig."
Auch der Ermittler selbst entspricht nicht dem üblichen Bild des smarten Kommissars. Giovanni Sinovats kämpft weniger mit spektakulären Verfolgungsjagden als mit der Sommerhitze und seinen eigenen Eigenheiten. Das beschreibt Klinger mit viel Selbstironie: "Sinovats spürt, wie eine Hitzewallung durch seinen Körper schießt, als hätte jemand in seinen Venen Zündschnüre entfacht, so schnell steigt sie auf. Im geröteten Gesicht treten kleine Schweißtröpfchen durch die Poren, sein Shirt klebt am Körper. Das ist der Moment, in dem seine Mutter zuhause sagen würde: 'Giovanni, du stinkst, geh duschen!'"
Der 1966 in Wien geborene Klinger zählt seit mehr als 20 Jahren zu den bekannten Namen der österreichischen Krimiszene. Bekannt wurde er unter anderem mit seinen in Triest spielenden Krimis ("Marco Martin ermittelt", "Die Liebenden von der Piazza Oberdan").
Er erhielt 2005 den Luitpolt-Stern-Förderungspreis, 2011 war Klinger auf der Auswahlliste des Agatha-Christie-Krimipreises. Seit diesem Jahr gehört er zum Autorenteam der deutschsprachigen "Triester Zeitung"
Mit "Giovanni, du stinkst!" kehrt der Wiener nun wieder – inhaltlich, kriminalistisch – in seine Heimat zurück. Wer sich auf einen klassischen Whodunit freut, wird überrascht sein: Im Mittelpunkt stehen die Menschen, ihre Beziehungen und die kleinen Abgründe des Alltags.
Dass Giovanni Sinovats aber nicht nur diesen einen Fall lösen wird, steht bereits fest – weitere Ermittlungen des unkonventionellen Kommissars sind zum Glück bereits angekündigt.