Dieser geflüchtete Iraker ist unser 76. Olympia-Athlet

Aker Al Obaidi
Aker Al ObaidiGEPA
Ringer Aker Al Obaidi kämpft bei Olympia für das Flüchtlings-Team. Mit "Heute" sprach er über die Flucht, Leben in Tirol und die Staatsbürgerschaft.

Er flüchtete 2015 vor dem IS aus dem Irak nach Österreich. Heute lebt er in Tirol – und kämpft bei Olympia in Tokio um Edelmetall. "Es ist unglaublich, dass ich hier sein darf. Sowas habe ich noch nie erlebt", freut sich Ringer Aker al Obaidi im "Heute"-Talk.

Der 21-Jährige steht zwar für das Olympische Flüchtlings-Team auf der Matte, sieht sich aber als rot-weiß-roter Kämpfer. "Ich habe schon bei der WM und EM für Österreich gekämpft und hoffe, bald die Staatsbürgerschaft zu bekommen." Österreichs Sportler hat er im Olympischen Dorf schon getroffen. "Alle haben mich gegrüßt und mich gekannt. Ich fühle mich als Teil der Mannschaft. Es war großartig, wie ich hier aufgenommen wurde."

Al Obaidis Familie ist Teil der christlichen Minderheit im Irak. "Mit 14 bin ich aus Mossul geflohen", berichtet er. "Ich habe in dem Alter schon drei Kriege erlebt, wollte einfach in Frieden leben." Wie es ihn nach Österreich verschlug? "Ich war nie weiter weg von zu Hause, als die Strecke zu meiner Schule und zurück. Meine Nachbarn kannten Wien, ich bin mit ihnen aufgebrochen."

Die Flucht führte Al Obaidi über Traiskirchen und die Steiermark in die Tiroler Ringer-Hochburg Inzing. "Heimweh habe ich nicht. Aber ich vermisse meine Mutter und meine Geschwister." Er wuchs bei Pflege-Eltern auf. "Sie haben sich gut um mich gekümmert. Ich bin gut integriert, habe die Schule abgeschlossen. Die Mahlerlehre musste ich abbrechen, ich war allergisch auf die Dämpfe. Ich will eine andere Ausbildung beginnen, bin gerade auf der Suche nach etwas passendem."

Im Griechisch-Römisch-Bewerb wartet am Dienstag die Reifeprüfung. "Dabei sein ist nicht genug. Ich habe mir viel vorgenommen. Ich habe zwar weniger Erfahrung als viele meiner Gegner. Aber alle haben nur zwei Arme und zwei Beine", stellt Al Obaidi klar. Nachsatz: "Schön wäre es, bei der Siegerehrung die österreichische Nationalhymne zu hören. Vielleicht ja bei den nächsten Spielen."

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