Dieser Mann wollte Affe und Mensch kreuzen

Biologe Ilja Iwanowitsch Iwanow gilt als Wegbereiter der künstlichen Befruchtung. Doch in seiner Karriere taten sich auch Abgründe auf.
Biologe Ilja Iwanowitsch Iwanow gilt als Wegbereiter der künstlichen Befruchtung. Doch in seiner Karriere taten sich auch Abgründe auf.Wikimedia Commons/PD
Der Biologe Ilja Iwanowitsch Iwanow versuchte 1927 erst Schimpansen mit Menschensperma zu besamen, dann Frauen mit Affenspermien zu befruchten.

Mit dem Kreuzen von Tieren kannte sich Ilja Iwanowitsch Iwanow, Professor an der Universität Charkiw (heutige Ukraine) und hochrangiger Wissenschaftler am Zoologischen Institut in Moskau, bestens aus. Der russische Biologe hatte im Laufe seiner Karriere schon Rinder mit Wisenten gepaart, Pferde mit Zebras und Mäuse mit Meerschweinchen und sogar Antilopen mit Kühen. Doch am 28. Februar 1927 ging er einen bis dahin nicht gewagten Schritt: Er wollte ein Mischwesen aus Mensch und Affe erzeugen.

Erstmals davon gesprochen hatte Iwanow schon im Jahr 1910 während eines Vortrags auf dem Internationalen Zoologenkongress in Graz. Damals, schreibt Iflscience.com, habe er zum ersten Mal öffentlich erwähnt, dass er es für möglich halte, Mensch-Affen-Hybride zu schaffen. Mit der Umsetzung musste er sich jedoch gedulden, weil ihm der Erste Weltkrieg (1914-1918) und die Russische Revolution (1917-1923) dazwischen kamen.

"Alter unbekannt, nicht älter als 30"

1927 war es dann so weit. In Guineas Hauptstadt Conakry, wo das Pariser Institut Pasteur damals eine auf Menschenaffen spezialisierte Forschungsstation betrieb, besamte Iwanow gemeinsam mit seinem Sohn drei Schimpansenweibchen mit menschlichem Sperma. Woher dieses stammte, wollte der Biologe nicht preisgeben. "Es wurde von einem Mann gewonnen, dessen Alter nicht genau bekannt ist. Auf jeden Fall nicht älter als 30" – das ist laut Spiegel.de alles, was er dazu notierte.

Auch sonst hielt sich der Biologe eher bedeckt: Wenn die örtliche Bevölkerung vom Experiment erfahre, könne das "sehr unerfreuliche Folgen" haben, zitiert Spiegel.de weiter aus den Notizen.

Unethische Überlegungen

Doch trotz aller Vorbereitung: Das Experiment scheiterte. Zwei der Tiere starben kurz nach dem Eingriff, wohl aufgrund der schlechten Bedingungen im Labor. Trächtig waren sie nicht, ebensowenig das dritte Weibchen. Iwanow gab laut dem deutsch-französischen Sender Arte den äußeren Bedingungen die Schuld und kündigte an, unter anderen Bedingungen weiter zu forschen.

"In Afrika ist Iwanow, ich würde sagen, monomanisch geworden", so der Wissenschaftshistoriker Kiryl Rossijanow laut dem Sender. Dabei soll er auch nicht vor weiteren unethischen Schritten zurückgeschreckt sein: "Er wusste, dass er wenig Zeit hatte, wenig Geld. Und deshalb musste er an eine Alternative denken. Er hat geplant, die afrikanischen Frauen im Spital zu befruchten, ohne dass sie davon wussten." Umsetzen habe er sein Vorhaben aber nicht können: Der Gouverneur von Guinea lehnte den entsprechenden Antrag ab.

"Heldinnen des Vaterlandes"

Daraufhin verlagerte Iwanow seine Forschung in die sowjetische Stadt Sochumi am Schwarzen Meer – ob freiwillig oder ob er Afrika verlassen musste, ist nicht überliefert. Dort, so heißt es, wollte er weiterhin Frauen mit dem Sperma von Primaten befruchten. Historischen Aufzeichnungen zufolge sollen sich auch tatsächlich fünf Freiwillige dafür gemeldet haben. Sogar Fotos von diesen "Heldinnen des Vaterlandes" seien im Umlauf gewesen.

Trotzdem missglückte auch dieser Versuch einer Mensch-Affen-Kreuzung – und das noch bevor Iwanow überhaupt ans Werk gehen konnte: Die aus Afrika mitgebrachten Affenmännchen und angedachten Samenspender starben. Iwanows Träume waren damit gescheitert. Eine weitere Chance bot sich ihm nicht. Im Jahr 1930 fiel er den Stalinschen Säuberungen zum Opfer. Er wurde wegen "konterrevolutionärer Aktivitäten" nach Kasachstan verbannt.

Verschwörungstheorien über seinen Verbleib

Danach, so besagt es eine historische Quelle, landete Iwanow in einem Arbeitslager, während er laut einer anderen Quelle seine Experimente unter strengster Geheimhaltung in der Stadt Alma-Ata (dem heutigen Almaty) fortsetzte, wo er 1932 starb.

Die unklaren Angaben über den Verbleib des Forschers befeuerten Verschwörungstheorien. Eine der am häufigsten kolportieren Theorie war, dass Iwanow gar nicht von Stalins Schergen verschleppt worden sei, sondern mit dem Diktator gemeinsame Sache machte. In dessen Auftrag soll er in einem Geheimlabor an der Schaffung eines neuen, besseren Menschen gearbeitet haben. Mancherorts war sogar von Stalins Frankenstein die Rede.

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