Versteckt unter der Wiener Zelinkagasse (City) liegt eine von 16 Fernkältezentralen der Wien Energie. Vor hier aus werden 26 Prachtbauen mit "kühler Frische" versorgt.
Kaum jemand, der am Treppelweg beim Wiener Donaukanal (Innere Stadt) vorbeischlendert ahnt, was sich hier unter seinen Füßen versteckt. Im Bereich der sogenannten Kaiserbadschleuse und in unmittelbarer Nähe zum Szenelokal "Flex" befinden sich drei Einlaufbauwerke der Wien Energie, von wo aus Wasser vom Donaukanal in die nur wenige Meter entfernte Fernkältezentrale in der Zelinkagasse geleitet wird.
Etwa zehn Meter unter Straßenniveau wird hier Fernkälte für derzeit 26 Bauten erzeugt. Zu den Abnehmern zählen vor allem Gebäude entlang der Ringstraße, wie beispielsweise das Hotel Kempinsky (Schottenring 20-26), der Ringturm der Wiener Städtischen (Schottenring 30) oder die Hauptuni Wien (Universitätsring 1). Aber auch im 9. Bezirk versorgt Wien Energie Kunden, wie beispielsweise die Österreichische Nationalbibliothek mit Kühle.
Die Fernkältezentrale unter der Zelinkagasse ist eine von insgesamt 16 Kältezentralen der Wien Energie. Hier wird in unterschiedlichen Verfahren Fernkälte produziert.
Kompressionskältemaschine ist eine Kältemaschine, die den physikalischen Effekt der Verdampfungswärme beim Wechsel des Aggregatzustandes von flüssig zu gasförmig nutzt. Diese sehr häufige Bauform kommt auch in den meisten Kühlschränken zum Einsatz.
Eine Absorptionskältemaschine ist eine Kältemaschine, bei der die Verdichtung durch eine temperaturbeeinflusste Lösung des Kältemittels erfolgt. Man bezeichnet dies auch als thermischen Verdichter. Das Kältemittel wird in einem Lösungsmittelkreislauf bei geringer Temperatur in einem zweiten Stoff aufnimmt und bei höheren Temperaturen wieder abgibt. (Quelle:Wikipedia)
Wärme aus Müllverbrennung kühlt Ringstraße
Ein Großteil der Kühlenergie bei Fernkälte stammt aus der Abwärme von Verbrennungsprozessen. Im Sommer ist Wärme aus der Müllverbrennung in Wien der wichtigste Energieträger für die Kühlung. Als Antriebsenergie wird Wärme anstelle von Strom verwendet und so Strom und Treibhausgasemissionen eingespart werden. Geliefert wird die Wärme direkt aus der Müllverbrennungsanlage Spittelau (Alsergrund).
In der 2013 eröffneten Fernkältezentrale Schottenring wird sie in Absorptionskältemaschinen (quasi eine Wärmepumpe) oder Kompressionskältemaschinen (wie in Kühlschränken) geleitet. Hier wird die Wärme durch Kältemittel auf eine höhere Druckstufe gebracht, die so abgewonnene Kälte wird dann per Pumpen und Rohrsysteme zu den Endkunden transportiert. Neben der Nutzung von Verbrennungswärme kann Fernkälte auch durch die Nutzung elektrischer Energie durch Kompressoren erzeugt werden.
Donaukanal kühlt Maschinen
Zur Kühlung der Maschinen setzt die Wien Energie auf das Wasser des benachbarten Donaukanals.Von den Einlaufbauwerken wird das Wasser nach einem dreistufigen Filtersystem in die Zentrale gepumpt und nach der Rückkühlung der Kältemaschinen wieder in den Kanal rückgeführt. Im Durchschnitt fließen pro Sekunde rund 1.000 Liter Wasser durch die Rohre der 700 Quadratmeter großen Fernkältezentrale Schottenring.
"Free Cooling" durch Donaukanalwasser
Als zweite Variante setzt Wien Energie auf das "Free Cooling", wobei ebenfalls das Wasser des Donaukanals genutzt wird. Im Winter, wenn der Donaukanal durchschnittlich acht Grad Celsius "warm" ist, wird das Wasser direkt zur Kühlung verwendet.
So funktioniert die Fernkältezentrale Schottenring
(Quelle: Wien Energie)
Schottenring drittgrößte Kältezentrale Wiens
Das auf etwa fünf Grad Celsius gekühlte Wasser wird über ein verzweigtes unterirdisches Rohrnetz von rund 3,3 Kilometer Länge an die derzeit 26 Abnehmer transportiert und hier in die jeweiligen Kühlsysteme eingespeist. Bei Vollauslastung werden rund 10.000 Menschen "gechillt". Die Fernkältezentrale Schottenring erbringt eine Kälteleistung von 15 Megawatt (entspricht der Leistung von rund 100.000 Kühlschränken) und ist damit die drittgrößte Kältezentrale Wiens. Mehr Leistung erbringen nur die Kältezentrale beim Hauptbahnhof (20, 8 Megawatt) und Spittelau (17 Megawatt). Derzeit wird die Zentrale bei der Spittelau erweitert, ab 2019 soll die neue Kälteleistung dann 24 Megawatt betragen.
"Kühlbedarf steigt ständig"
"Der Bedarf an Kühlung steigt kontinuierlich an", erklärt Projektleiterin Natalie Stanke. Laut Experten würde in Europa in 20 Jahren gleich viel Kühlenergie benötigt, wie Heizenergie. Neben dem Klimawandel – in den letzten Jahren ist die Anzahl an Hitzetagen stetig gestiegen – mache auch die neue Architektur, die stark auf Leichtbauweise und Glasflächen setze sowie die höheren Anforderungen an Komfort mehr Kühlung notwendig.
Die 16 Anlagen der Wien Energie würden derzeit den Bedarf decken, erst heuer wurde eine neue Anlage beim Austria Campus eröffnet. In Zukunft könnte die Fernkältezentrale Schottenring auch für die Kühlung Parlaments sorgen. Dann wäre die Kapazitätsgrenze aber erreicht, so Stanke.
(lok)