Donaustadt ist ein guter Fang für Fisch-Freunde

Das Wiener Start Up-Unternehmen "Blün" verbindet Fischzucht und Gemüseanbau in einem geschlossenen Kreislauf. Der erste österreichische Aquaponik-Betrieb züchtet Fische in und für Wien.
Österreich ist ein Land der Fleischtiger: Laut der Versorgungbilanz der Statistik Austria konsumierten die Österreicher im Jahr 2016 fast 100 Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr. Fisch spielt mit rund 7,9 Kilogramm Jahresverbrauch pro Kopf hingegen nur eine untergeordnete Rolle.

Das könnte sich jedoch bald ändert. Das Wiener Start Up-Unternehmen "Blün" (ein Kunstwort aus den Worten Blau für das Wasser und Grün für die Pflanzen) ist der erste heimische Aquaponik-Betrieb und hat sich lokaler, transparenter und öokoeffizienter Fisch- und Gemüseanzucht verschrieben.

"Blün" wurde im Oktober 2016 von den vier Land- und Forstwirten Gregor Hoffmann, Michael Berlin, Bernhard Zehetbauer und Stefan Bauer gegründet. Seit Anfang 2017 teilen sich die Fischzüchter mit Blün-Gesellschafter Stefan Bauer dessen Gartenbauanlage in der Schafflerhofstraße 156 (Donaustadt).

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Aquaponik in der Donaustadt

Das besondere an dem Aquaponik-Unternehmen ist, dass hier Techniken der Aufzucht von Fischen in Aquakultur und der Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur verbunden werden.

Bei dieser Art der Hydrokultur sind Fisch- und Gemüseanbau in einer geschlossenen Kreislaufanlage angeschlossen. Konkret heißt das, dass das Wasser der Fische nicht ausgegossen, sondern zur Bewässerung der angeschlossenen Glashäuser weiterverwendet wird. Die, im Gewächshaus erzeugte Wärme wird wiederum zum Erwärmen der Fischbecken genützt.

Herzstück der Anlage ist der Biofilter, über den das Wasser in einem ständigen Kreislauf fließt. An den Plastikkuben siedeln sich mit der Zeit Algen und Bakterien an, die auch als Bio-Reiniger fungieren und das Wasser sauber halten. "Pro Tag geben wir rund zehn Prozent Frischwasser dazu und pumpen genauso viel Wasser ab. Dieses wird dann zum Bewässern und Düngen unseres Gemüses verwendet", erklärt Bauer.

Durch die Verwendung des Fischwassers und die aufgearbeiteten Exkremente benötigen die Pflanzen im 400 m² großen vegetarischen Teil der Anlage rund 70 Prozent weniger Dünger. "Dadurch können wir auch zur Gänze auf Herbizide und Fungizide verzichten", betont Bauer.

"Kaum heimische Fische im Supermarkt"

"Die Menschen interessieren sich immer mehr dafür, wo ihre Lebensmittel eigentlich herkommen", betont Zehetbauer. Der Trend zu Fisch sei im Steigen begriffen, aber die Meere zunehmend leergefischt.

Wenn die Menschen weiterhin Fisch essen wollen, dann führe an der Aquakultur kein Weg vorbei. Zudem gebe es auch in den österreichischen Supermärkten kaum noch heimische Fischsorten. "Der 'Equal Day' für heimischen Fisch ist Mitte Jänner, ab dann wird alles importiert", erklärt Berlin.

Genau hier setzt "Blün" mit ihrem Konzept an. "Wir wollen das Angebot an hochwertigen österreichischen Fisch erweitern und neben den Waldviertler Karpfen auch andere Sorten stärken", erklärt Berlin.

Die Fische kommen als "Setzlinge" nach Wien und werden in getrennten Becken mit einer konstanten Wassertemperaturen von rund 25 Grad Celsius großgezogen. Derzeit tummeln sich in der Anlage afrikanische Raubwelse und Buntbarsche. "Diese Fischarten sind beides Schwarmfische und vom WWF für Kreislaufanlagen freigegeben. Wir testen aber auch heimische Fischarten, zum Beispiel wäre die Schleie eine Möglichkeit", erklärt Berlin.

Pro Jahr werden in der Blün-Aquaponik-Anlage zwölf Tonnen Fisch und acht Tonnen Gemüse, wie etwa Paradeiser, Paprika oder Melanzane, produziert.

Transparenz und Nachhaltigkeit

"Uns war Transparenz von Anfang an wichtig", erklärt Bauer. In der Aquaponik-Anlage fänden fast täglich Führungen für Interessierte statt, die sehen wollen, wie Aquaponik funktioniert.

Daneben setzen die Unternehmer stark auf Nachhaltigkeit. "Für uns ist eine weitgehende Unabhängigkeit von großen Handelspartnern und Lieferanten wichtig. Deshalb vertreiben wir nur zu 30 Prozent über große Handelsketten".

Weil die Geschäftsidee voll eingeschlagen hat und die Nachfrage ständig steigt, überlegt man bei Blün bereits eine Expansion. Als Ziel nennen die Jungunternehmen mehrere kleine City-Farmen in Wien.

Lokaler, umweltfreundlicher Vertrieb

Der Großteil der Fische und der Gemüsesorten erfolgt über Ab-Hof-Verkauf (jeden Donnerstag von 9 bis 17 Uhr, Freitag von 9 bis 19 Uhr und am Samstag von 9 bis 13 Uhr). Dazu gibt es ausgesuchte Handelspartner sowie einige Wiener Märkte und Gastronomie-Partner, die "Blün" anbieten.

Neu ist ab sofort auch der Blün-Webshop, über den bequem frischer Wiener Fisch und Gemüse nach Hause geholt werden kann. Die Lieferung erfolgt über eigene Kühlboxen im Pfandsystem, die Fische können aber auch an bestimmten Standorten wie dem Rochusmarkt abgeholt werden.

Für ein Kilogramm entgrätetes Welsfilet fallen 35 Euro zu Buche, ein ganzer Barsch kostet pro Kilogramm 24 Euro. Alle Informationen dazu gibt es hier.

(lok)

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