Eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art sorgt derzeit im Nordosten Frankreichs für reichlich Gesprächsstoff: Eine 44-jährige Frau aus Straßburg behauptet, in einer Beziehung mit einer Straßenbahn zu leben – genauer gesagt mit der Bim Nummer 3 013 der städtischen Verkehrsbetriebe CTS.
Was zunächst kurios klingt, hat für Sandra Rahm eine lange Vorgeschichte. Gegenüber der Zeitung Les Dernières Nouvelles d’Alsace erzählt sie, dass ihre Faszination für Straßenbahnen bis in die Kindheit zurückreicht. Während des Corona-Lockdowns im Jahr 2020 habe sich diese Verbindung intensiviert. Sie habe damals versucht, "die Seele" einer Tram zu "rufen" – und dabei eine ganz besondere Nähe zur Linie 3 013 gespürt.
Seither teilt sie ihre Gefühle offen in sozialen Netzwerken, vor allem auf Instagram. Dort beschreibt sie eine tiefe emotionale Bindung und berichtet von Momenten, in denen sie die Ankunft "ihrer" Tram regelrecht gespürt habe. Für sie geht diese Beziehung weit über Symbolik hinaus.
Besonders ungewöhnlich: Die Frau lebt seit 14 Jahren auch mit einem Partner zusammen – und sieht darin keinen Widerspruch.
"Ich habe eine Beziehung mit einem Mann und einer Straßenbahn. Wir sind zu dritt", erklärt sie selbstbewusst. Ihr Partner akzeptiere diese Konstellation, auch wenn sie durch ihre Offenheit bereits Freundschaften verloren habe.
Unterstützung erhält sie ausgerechnet von einem Straßenbahnfahrer, der ihr zu einem engen Vertrauten geworden ist. Er soll sie sogar symbolisch mit der Tram "verheiratet" haben – ein weiterer Beleg dafür, wie ernst sie ihre Gefühle nimmt.
Mit einem geplanten Buch will die 44-Jährige nun für mehr Verständnis werben und zeigen, dass Liebe viele Formen annehmen kann. Dabei ist ihr bewusst, dass ihre Geschichte polarisiert: "Für manche bin ich verrückt", sagt sie. "Aber eine starke Verbindung zu einem Objekt bedeutet nicht, dass man krank ist."