Politik

Druck für Erhöhung der Mindestlöhne und -gehälter

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:11

In Österreich verdienen immer noch knapp 12 Prozent der Vollzeitbeschäftigten, das sind ca. 270.000 Menschen, unter 1.500.-Euro brutto. Netto entspricht das 1.161.- Euro und damit ziemlich genau dem Grenzwert, mit dem Armutsgefährdung definiert wird. Nun will die Gewerkschaft der Privatangestellten (GpA) Druck für weitere Erhöhungen machen.

"Wir sind überzeugt, dass es höchste Zeit ist, die Mindestlöhne- und Gehälter stärker anzuheben. 1.700 Euro brutto bei Vollzeitbeschäftigung, das sind ca. 1253.- Euro netto und nach der von den Gewerkschaften erfolgreich durchgesetzten Steuerreform ab 1.1.2016 1.311.- Euro netto, ist keine Utopie sondern eine unabdingbare Voraussetzung um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können“, erklärt Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GpA die Motivation für eine am Montag startende, bundesweite Aktion, bei der Kollegen der GPA-djp mit Unterschriftenkärtchen in Betrieben und im öffentlichen Raum möglichst viele Menschen auffordern, die Forderung nach einem Mindestlohn und-gehalt von 1.700.- Euro und somit einem selbstbestimmten Leben zu unterstützen. 

Die Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne ist schon viele Jahre ein zentrales Anliegen der Gewerkschaften in Österreich. Im Jahr 2008 einigten sich die Sozialpartner auf einen kollektivvertraglichen Mindestlohn von 1.000 Euro. Im Jahr 2010 konnte die wichtige Etappe von 1.300 Euro überschritten werden und im so großen und wichtigen Bereich des Handels wurde im Jahr 2014 bei den Kollektivvertragsverhandlungen ein Mindestgrundgehalt von 1.500 Euro erkämpft.

Österreich weise eine sehr hohe Abdeckungsrate durch Kollektivverträge auf. Etwa 98 Prozent der Arbeitsverhältnisse unterliegen in Österreich einem Kollektivvertrag. „Wenn man die Mindestnormen nun gesetzlich festlegen würde, sind sie den politischen Mehrheitsverhältnissen ausgeliefert. Eine Regierung könnte mit einfacher Mehrheit diese Mindestnormen sogar absenken, ohne dass die Gewerkschaften die Möglichkeit hätten, dies zu verhindern. Dass dieses Sorge nicht unbegründet ist, zeigen Beispiele aus den Krisenländern, wo im Zuge von Sparmaßnahmen auch in gesetzliche Mindestlöhne eingegriffen wurde", erklärt der GPA-djp Vorsitzende.

IFES-Daten bestätigen Forderung

Das Meinungsforschungsinstitut IFES hat für die GPA-djp eine Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex durchgeführt und sowohl Betroffenheit von Mindestlöhnen und -gehältern sowie die Wirkung einer Erhöhung dieser untersucht. Die Daten bestätigen, dass eine Erhöhung für die Lohn und –gehaltsgruppen im Bereich unter 1.700.-Euro massive Auswirkungen auf ihre Lebensgestaltung hat.

Wichtiger Schritt für  Schließung der Einkommensschere

Frauen sind im viel größeren Ausmaß von niedrigen Vollzeiteinkommen betroffen als Männer. Während weniger als 9 Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer weniger als 1.500 Euro brutto verdienen, sind es bei den Frauen 18 Prozent. Auch die Erhebung von IFES bestätigt diese Zahlen. Eine Anhebung der Mindestlöhne und –gehälter auf 1.700.- ist somit ein wirksamer Schritt für mehr Einkommensgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern und zum Schließen der Einkommensschere. Auch Teilzeitbeschäftigte, von denen ja besonders viele weiblich sind, würden von einer Erhöhung profitieren, da auch sie dem Kollektivvertrag unterliegen und ihre Stundenverdienste im Schnitt um 22 Prozent unter jenen der Vollzeitbeschäftigten liegen.

In Ertappen zum Ziel 1.700.- Euro brutto

Deshalb wird die GPA-djp das Ziel von 1.700 Euro Mindestgehalt bei allen anstehenden Kollektivvertragsrunden konsequent verfolgen. Deutlich unter dieser Schwelle liegen etwa noch die Angestellten bei Ärzten, Rechtsanwälten und Notaren. In der Metallindustrie konnte der Mindestlohn und –gehalt von 1.700 Euro schon überschritten werden. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in Etappen in den nächsten fünf Jahren 1.700 Euro in allen Kollektivverträgen im Bereich der GPA-djp erreichen können“, so Katzian.

Derzeit haben etwa 25 Prozent der Beschäftigten in Österreich einen Bruttostundenverdienst von weniger als 9,30 Euro. Das entspricht einem Brutto-Monatsgehalt von 1.700 Euro. Insgesamt würden also fast 800.000 unselbständig Beschäftigte von einer Erhöhung des Mindestlohns und -gehalts profitieren.

 

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