Braucht man einen 650-Euro-Staubsauger?

Dyson hat mit dem V11 eine neue Version seines kabellosen Staubsaugers auf den Markt gebracht. Er ist teuer, aber auch unglaublich stark.

Mit dem Dyson V10 hat das britische Unternehmen den kabelgebundenen Staubsaugern beinahe den Todesstoß versetzt, so das "Heute"-Fazit zu Dysons damaligem Sauger, ab dem der Konzern nur mehr auf kabellose Geräte setzte. Bemängelt hatten wir damals vor allem die Akku-Leistung. Ändert sich das nun mit dem V11? Und was kann der 649 Euro teure Dyson V11 Absolute sonst noch?

Am Papier soll der Akku länger durchhalten, ein Display den Nutzer über Akkustand und Saugleistung informieren, über einen Automatik-Modus selbstständig die beste Saugleistung finden und mit einer Bürste mehrere verschiedene Böden mit unterschiedlicher Beschaffenheit gleich gut reinigen können. Gleich geblieben ist das futuristische Design, der Sauger gleicht noch immer einer Laser-Pistole. Nur das Saugrohr erstrahlt nun statt in orange in blitzblau.

Neuer Sauger kommt mit Display

Das neue, farbige Display am Kopfteil des Saugers ist ein Segen. Musste man beim V10 noch hinnehmen, dass der Sauger während des Staubsaugens bei leerem Akku einfach abschaltete, hat man nun den Akkustand und eine Restzeitanzeige gleich im Blick. Auch beim Laden, denn hier zeigt der Dyson V11 den Ladestand in Prozent und nicht mehr über die dreistufige Ladeleuchte des V10 an. Auch wird die aktuelle Saugstufe – von Eco über Mittel bis Boost – angezeigt und ist über den Knopf unter dem Display jederzeit änderbar.

Ebenfalls toll ist, dass das Display auch mit kurzen Videoanleitungen zur Stelle ist, sollte ein Problem auftreten. Verklemmt sich etwas in der Bürste oder wackelt etwas (im mehrtägigen Test trat ein solcher Fehler nicht auf, weswegen wir ihn erzwingen mussten), wird am Display ein Clip eingeblendet, wie die Blockade behoben oder wie der Sauger richtig zusammengesetzt werden kann.

Bürste "spricht" mit dem V11

Auch der V11 kommt wie der V10 mit zwei großen Saugbürsten. Beim V10 waren das eine Elektrobürste mit Direktantrieb für Teppichböden und eine Elektrobürste mit Soft-Walze für Hartböden. Beim V11 ist zwar auch wieder die Soft-Walze im Einsatz, gänzlich neu ist aber die Torque-Drive Bodendüse. Sie ist eine Art Universalbürste, die auf sämtlichen Untergründen zum Einsatz kommen kann.

Das Besondere: Die Düse kommuniziert mit dem Chip des Saugers, um für jede Situation die perfekte Saugeinstellung zu finden. Steckt die Torque-Drive Bodendüse am V11, passt dieser die Saugleistung nämlich automatisch an, um einerseits Akku zu sparen und andererseits selbst kleinste Staubpartikel und Fasern sicher zu entfernen. Im Test funktionierte diese Erkennung tadellos, doch auch mit der Soft-Walze kamen einwandfreie Ergebnisse zustande.

Nicht ein Staubkorn bleibt zurück

Im Test (siehe Video) mit auf Teppich und Hartboden verteiltem Salz, Paprikapulver, Chiasamen, Mehl und Schnittlauch entfernte der V11 jegliche Verschmutzung ohne Rückstände. Ein solches Ergebnis konnten wir mit keinem kabelgebundenen Staubsauger erzielen – und das im Medium- und nicht im Boost-Modus. Sogar der V10 hatte da noch zumindest minimale Spuren übriggelassen. Zu diesem Ergebnis trägt bei, dass die Saugkraft des V11 zum Vorgänger um 20 Prozent gesteigert wurde, sie stieg von 151 auf 185 AirWatt.

Nicht geändert hat sich die Auswahl an Zubehör, das mit dem V11 Absolute geliefert wird. Hier stehen für die Einsätze in Autos, auf Sofas, in Ecken und Fugen sowie für Dutzende andere Anwendungsmöglichkeiten zur Verfügung. Teile wie eine Fugendüse, eine Mini-Elektrobürste, eine Extra-Soft- und Extra-Hartbürste oder eine Kombi-Zubehördüse gibt es. Der V11 kann auch wieder mit einer Wandhalterung an Mauern montiert und darin geladen werden.

Höheres Gewicht, längere Ladung

Bei allem Lob, es gibt auch wieder ein, zwei Kritikpunkte. Da wäre einmal das Gewicht des Saugers. Es stieg im Vergleich zum Vorgänger um 370 Gramm auf 3,05 Kilo. Das mag wenig erscheinen, fällt aber im Betrieb auf. Dennoch ist er noch leicht genug, dass keine Probleme beim dauerhaften Saugen auftreten. Mehr ins Gewicht fällt da die Ladezeit. Im komplett leeren Zustand braucht der Akku gute 4,5 Stunden, um wieder ganz voll zu sein. Der V10 war da noch um rund eine Stunde schneller. Und, es mag Jammern auf hohem Niveau sein, muss man zum Saugen noch immer den Saugschalter die ganze Zeit betätigt halten. Eine Einrastfunktion wäre hier wünschenswert.

Es überwiegen allerdings die Vorteile des V11. Die Saugleistung ist merkbar gestiegen und es gibt nun keine Situation mehr, mit der der V11 nicht zurechtkommen würde. Vor allem bei Fugen und Ecken merkt man das, hier bleibt nicht ein klein bisschen Schmutz zurück. Hauptvorteil ist aber die neue Akkulaufzeit. Im Boost-Modus, den man so gut wie nie brauchen wird und der sehr laut ist, schafft der V11 annähernd 20 Minuten. Die Maximallaufzeit liegt nun allerdings bei 1,5 Stunden, der V10 kam da nicht über eine Stunde hinaus.

Der Todesstoß für kabelgebundene Sauger

Beibehalten wurde die einfache und praktische Entleerung und Reinigung des Geräts. Ist der transparente Schmutzbehälter voll, schiebt man den Hebel am V11 nach vorne und entleert damit den Inhalt in den Mistkübel. Der Behälter lässt sich mit einem weiteren Knopfdruck einfach abnehmen und abwaschen. Ebenso der Staubfilter, der einfach abgenommen und unter fließendem Wasser ausgewaschen wird. Einfacher als so geht es nicht.

Insgesamt wurde der V11 genau an jenen Punkten verbessert, die beim V10 noch etwas gestört haben. Der Akku ist nun so stark, dass man selbst ganze Häuser in einem Durchgang saugen kann und die Leistung so gut, dass dabei keinerlei Schmutzrest zurückbleibt. Das Display gibt zudem besser Aufschluss darüber, wie lange der Akku noch durchhält und hilft auch bei Problemen weiter. Mit dem V11 versetzt Dyson dadurch den kabelgebundenen Staubsaugern endgültig den Todesstoß. Das hat aber auch seinen Preis, der mit 649 Euro sehr hoch ausgefallen ist. Dafür fallen aber weder Kosten für Staubsaugerbeutel, noch für irgendwelche Ersatzteile oder Services an. Um also die Frage "Braucht man einen 650-Euro-Staubsauger?" zu beantworten: Nein, keineswegs, aber man will ihn einfach haben.

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