Nach dem überraschenden WM-Aus Deutschlands gegen Paraguay fordert Rekordnationalspieler Lothar Matthäus einen umfassenden Neustart beim DFB. In seiner Sky-Kolumne spart der Weltmeister von 1990 weder mit der Mannschaft noch mit Bundestrainer Julian Nagelsmann.
"Julian muss ehrlich zu sich selbst sein: Hat er das Letzte aus der Mannschaft herausgeholt? Ich sage klar: nein!", schrieb Matthäus und stellte die Zukunft des Teamchefs offen infrage. Zum dritten Mal in Folge verpasste Deutschland bei einer Weltmeisterschaft das Viertelfinale. Nach den Vorrunden-Aus 2018 und 2022 war diesmal bereits im Sechzehntelfinale gegen Außenseiter Paraguay Endstation.
"Gefühlt geht es uns nicht besser als Italien. Die Italiener waren dreimal gar nicht dabei", zog Matthäus einen drastischen Vergleich.
Der 65-Jährige kritisierte nicht nur die Leistung auf dem Platz, sondern auch das Umfeld der Mannschaft. Gegen Paraguay habe ihm eine klare Spielidee gefehlt. Zudem stellte er den Umgang mit Familienbesuchen während des Turniers infrage.
"Die Familie ist wichtiger als jedes Fußballturnier. Aber wenn du bei einer WM bist, sollte der Fokus darauf liegen. Wenn du vier Tage nach dem 1:2 gegen Ecuador gegen Paraguay spielst, brauchst du Zeit, um Dinge aufzuarbeiten. Man sollte erst einmal Erfolge vorweisen können. Wenn man das Achtelfinale übersteht, kann die Familie gerne kommen", erklärte Matthäus.
An einen Verbleib Nagelsmanns glaubt der Rekordnationalspieler nur bedingt. Zwar könne er nachvollziehen, dass der Bundestrainer nicht selbst zurücktrete, dennoch zieht Matthäus ein klares Fazit: "Nagelsmann hat die Mannschaft ergebnismäßig nicht nach vorne gebracht. Nicht bei der Heim-EM und auch nicht im Final Four der Nations League."
Abschließend richtete Matthäus einen Appell an DFB-Sportdirektor Rudi Völler: "Ich hoffe, dass Völler intern genauso Klartext spricht, wie er es mit uns Experten macht. Es muss jeder kleine Stein umgedreht werden. Man muss genau hinschauen und sehen, was gut war und was schlecht war."