Die WM-Enttäuschung mit dem frühen Aus gegen Paraguay im WM-Sechzehntelfinale hat Coach Julian Nagelsmann den Posten als deutschen Teamchef gekostet. Er ist zurückgetreten. Seither ist freilich Klopp in der Pole Position um die Nachfolge. Der deutsche Kult-Coach soll nun endgültig zum Teamchef werden. Und das will der 59-Jährige auch. Seit dem Wochenende gibt es eine "Verständigung über wesentliche Eckpunkte eines potenziellen Vertrages", erklärte Deutschlands Fußballverband, nachdem zuvor Präsident Bernd Neuendorf und dessen Vize und Hans-Joachim Watzke, einst Dortmund-Vorstand, als Klopp beim BVB coachte, extra nach New York geflogen waren, ein vierstündiger Gipfel die grundsätzliche Einigung auf einen Vertrag bis 2030 bedeutet hatte.
Doch nun gibt es noch eine Baustelle: Klops aktuellen Arbeitgeber Red Bull. Dort steht der Kult-Trainer als "Head of Global Soccer" bis 2029 unter Vertrag. Da muss nun eine Lösung gefunden werden. Ein Gespräch steigt laut "Sportschau" am Dienstag in München. Dabei wird verhandelt, unter welchen Voraussetzungen Klopp aus seinem noch drei Jahre laufenden Kontrakt aussteigen könne.
Die könnten sich aber durchaus schwierig gestalten. Anfangs stand im Raum, dass der 59-Jährige ohne Ablösesumme gehen könnte, dafür aber weiterhin als Werbebotschafter für das Energydrink-Imperium auftreten könnte. Auch eine Rolle als Berater des Unternehmens stand im Raum. Beides ist aber äußerst heikel und hat bei unseren Nachbarn zuletzt Kritik aufgerufen. Einige deutsche Landesverbände hätten jedenfalls Bedenken, wenn es um eine Klopp-Doppelrolle geht – Stichwort Unabhängigkeit.
Und genau hier kommt eine weitere große Sorge unserer Nachbarn ins Spiel: Bei Red Bull hat nämlich ein thailändischer Milliardär das letzte Wort, nämlich Chalerm Yoovidhya, der Mehrheitseigentümer des Energydrink-Giganten. Seit dem Tod von Markengründer Dietrich Mateschitz im Oktober 2022 trifft er die letzten Entscheidungen. Und das könnte eben zum Problem werden. Es ist eben nicht Erbe Mark Mateschitz oder Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, ein Deutscher, die über die Klopp-Zukunft final entscheiden.
"Was will er mit zehn Millionen Ablöse? Da lacht der drüber", soll laut "Focus" ein Verbandsfunktionär das DFB-Problem auf den Punkt gebracht haben. Klopp "freizukaufen" könnte schwierig werden, wenn Yoovidhya andere Ideen habe. Für Deutschlands Verband wäre dies obendrein viel Geld.
Dass Milliardär Yoovidhya durchsetzungsstark ist, hatte sich in der Formel 1 gezeigt, wo der Thailänder am umstrittenen Teamchef Christian Horner lange festgehalten hatte, obwohl der Salzburger Bullen-Flügel diesen nach den schweren Anschuldigungen einer engen Mitarbeiterin vor die Tür setzen wollte. Es dauerte, bis Yoovidhya Mitte 2025 das Vertrauen in die Qualitäten Horners verloren hatte, bis dessen Rauswurf erfolgte.
All das sorgt für Kopfschmerzen bei unseren Nachbarn. Yoovidhya könnte es nämlich vor allem um Akzeptanz, um Wertschätzung für Red Bull gehen. Gerade begeisterte Fußballfans lehnen das "Konstrukt" RB Leipzig ab, feinden das Energydrink-Imperium immer wieder an. All das ist kaum mit einer Klopp-Ablösesumme aufzuwiegen.
Welch wichtiger Botschafter Klopp auf der anderen Seite für Red Bull ist, zeigte sich gerade bei der WM, wo der Kult-Coach als TV-Experte tätig ist. Weltstars wie Lionel Messi oder Kylian Mbappe klatschten nach Spielen mit dem Deutschen ab. Er ist ein populäres Gesicht, ein begehrter Markenbotschafter, ein Sympathieträger. Den auch die Bullen nicht so einfach verlieren wollen.
Klar ist: Den nächsten deutschen Teamchef kürt auch Red Bull mit. Geschäftsführer Mintzlaff soll in den nächsten Tagen nach New York reisen, um finale Details mit Klopp zu besprechen.