Eine Neujahrsbilanz zur Rückkehr der Wölfe

Kurt Kotrschal zieht zum Jahresende Bilanz zur Rückkehr und Verbreitung des Wolfes in Europa. In Österreich werden es heimlich weniger, statt mehr...

(Text von Kurt Kotrschal; Wolfsexperte, Verhaltensforscher und Biologe.)

Es ist das alte Lied: Kaum erholt sich ein Beutegreifer in Österreich, geht's ihm schon wieder an den Kragen.

Was die Rückkehr der Wölfe nach Europa betrifft, kann man zum Jahreswechsel eine positive Bilanz ziehen. So zählte man 2019 in Deutschland 105 Rudel, was nahezu tausend Wölfen entspricht. Sie erholen sich auch in Italien, Frankreich und anderen europäischen Ländern.

Leider ist die Bilanz in Österreich weniger positiv. Gab es 2018 drei Rudel im nördlichen Niederösterreich und geschätzte 25 Wölfe, ließ sich 2019 nur noch das am Truppenübungsplatz in Allentsteig feststellen.

Wilderei, statt Herdenschutz

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So darf seit Ende November in Niederösterreich ganz legal auf Fischotter geschossen werden, Wölfe tötet man offenbar ungeniert illegal. Taucht ein durchziehender Wolf in den Alpen auf, ist das Geschrei groß, der Wolf bald verschwunden.

Die Rückkehr der Wölfe freut die meisten, aber nicht alle Mitteleuropäer. Viele Leute mit Schafen, Rindern und Pferden auf der Weide fühlen sich von Wölfen in ihrer Existenz bedroht. Noch ist man beim Herdenschutz zögerlich, obwohl der aus den EU-Landwirtschaftstöpfen gut unterstützt wird. Säumig ist in Österreich die gesamte Politik in Bund und Ländern.

Man lässt die betroffenen Bauern im Regen stehen und setzt insgeheim immer noch auf Abschuss.

In Österreich schützt man weder Wölfen, noch Schafe

Es wurde zwar im Herbst eine „Koordinationsstelle Wolf" im steirischen Gumpenstein gegründet. Bislang eine reine Alibiaktion. Die Koordinationsstelle ist personell inkompetent besetzt, unterfinanziert und in der Unterstützung der Schafhalter in Sachen Herdenschutz überfordert. Bislang also eine Nullnummer.

Weil in Europa mit Ausnahme von Österreich die Wolfszahlen steigen, beschloss man unlängst in der Schweiz und in Deutschland den Abschuss von jenen Wölfen zu erleichtern, die Probleme mit Weidetieren machen. Das muss für die Wölfe insgesamt nicht unbedingt schlecht sein und kann helfen, Konflikte zu verringern. Alles wird aber davon abhängen, wie es gehandhabt wird.

Pervers wäre allerdings, auch in Österreich bereits über eine „Regulierung", also Bejagung der Wölfe zu diskutieren. Es gibt ja noch so gut wie keine. Wäre es so gelaufen, wie in Deutschland, dann gäbe es heute hierzulande 10 Rudel und 100 Wölfe, was immer noch kein „guter Erhaltungszustand" wäre. Den schätzen Experten allein in den österreichischen Alpen auf über 40 Rudel. Davon sind wir noch meilenweit entfernt.

Ein frommer Neujahrswunsch

In der Rückkehr der Wölfe gibt es in Europa also viel Licht, in Österreich leider vor allem Schatten. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Darum wünsche ich uns allen fürs Neue Jahr, dass es besser als bisher gelingen wird, auch mit den großen Beutegreifern, Wolf, Bär und Luchs, aber auch mit Otter, Biber und Greifvögeln zu leben.

Prosit Neujahr! Leute mit einem Herz für Tiere lassen übrigens vor allem die Sektkorken knallen und verzichten auf Kracher, Böller und Raketen!

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