Eiszeit auf der Piste: Kein Ski-Urlaub bis Jänner?

Vor wenigen Tagen ist ein Streit über einen europaweiten Ski-Lockdown entbrannt.
Vor wenigen Tagen ist ein Streit über einen europaweiten Ski-Lockdown entbrannt.picturedesk.com
Seit Tagen wird heftig über die Öffnung der Skigebiete diskutiert. Einige Länder wollen bis Jänner geschlossen halten. Österreich will Entschädigung.

Italien hatte vor wenigen Tagen den Vorschlag erstmals unterbreitet. Mit einer vorübergehenden Schließung von allen Skipisten in ganz Europa soll eine dritte Covid-19-Welle verhindert werden.

Auch Deutschland, Frankreich und Belgien haben sich dafür ausgesprochen. Angela Merkel ist der Meinung, dass die Skigebiete bis 10. Jänner geschlossen bleiben sollten.

"Nicht Ski fahren zu dürfen, ist kein Opfer"

Für den italienischen Außenminister Luigi Di Maio ist die Diskussion über ein Skiurlaubsverbot während der Weihnachtszeit "surreal". "Nicht Ski fahren zu dürfen, ist kein Opfer. Wir müssen die letzten Opfer bringen, um die Epidemie zu besiegen. Wir schließen die Skianlagen, um Menschenansammlungen zu vermeiden", so der Spitzenpolitiker.

Die Grenzen sollen allerdings nicht geschlossen werden. Wer nach Österreich oder in die Schweiz zum Skiurlaub fährt, muss allerdings in Quarantäne.

Blümel will Geld von der EU

In Österreich ist man von dem Vorschlag alles andere als begeistert. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger betonte bereits vor wenigen Tagen, dass der Skiurlaub in den österreichischen Skigebieten sicher sei. Ein Lockdown würde finanziell schwere Folgen für den Tourismus haben. Finanzminister Gernot Blümel fordert daher Geld aus Brüssel.

"Der aktuelle Vorschlag bedeutet für Österreich empfindliche wirtschaftliche Einbußen", erklärte Blümel in der "Welt". Konkret gehe es um zwei Milliarden Euro. "Wenn die EU eine Vorgabe macht, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, erwarten wir Kompensation", so der Finanzminister.

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Neben Österreich sprechen sich auch Slowenien, Tschechien und Finnland gegen eine europaweite Sperre aus. In Deutschland hingegen befürwortet die Mehrheit laut einer repräsentativen Umfrage den Ski-Lockdown. 73,8 Prozent gaben an, dass dieser Schritt "eindeutig" oder "eher richtig" sei, um die Pandemie einzudämmen.

Der Streit mit dem deutschen Nachbarland ist bereits eskaliert. Vor wenigen Tagen titelte die "Bild"-Zeitung: "Ski-Schlacht zwischen Kurz und Söder". In Bayern herrscht große Sorge, dass die Deutschen wieder zum Skifahren nach Österreich aufbrechen und dann, bei der Heimkehr, das Virus mit einschleppen.

Ischgl sorgte im März für weltweite Negativ-Schlagzeilen. Von diesem Image will man sich in Österreich nun losreißen. Sogar Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel schaltete sich in der Diskussion ein und erklärte, dass ein Urlaub in Österreich sicher sei.

Kurz: "Wir treffen selbst die Entscheidung"

Auch in der Schweiz, selbst kein EU-Mitglied, wird betont, das eine Schließung der Skigebiete in diesem Winter kein Thema sei. "In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg – für den Moment – richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann", sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus, am Donnerstag.

Nun bleibt abzuwarten, wie sich die anderen Länder positionieren. Von der EU wird es kein Machtwort geben. Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärte am Freitag nach einer Videokonferenz mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass die Diskussion über eine Schließung der Skigebiete in dieser Wintersaison "kein Thema" war. "Es gibt auch keinen Druck auf Österreich. Wir treffen selbstverständlich selbst die Entscheidung, wann wir wie öffnen." Diese hänge von den Corona-Zahlen in Österreich ab.

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