Eiweißmangel trotz proteinreichem Essen?

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Nicht nur zu wenig, auch zu viel Proteine können zu einem Eiweißmangel führen. Vor allem bei Frauen, die Kohlenhydrate meiden.
Viele Frauen kennen diese Symptome: Die Beine übersäuern sehr schnell, nach jedem intensiveren Training folgen ein Muskelkater oder gar heftige Druckschmerzen. Immer mehr Wasser lagert sich ein, insbesondere in den Beinen, und wenn frau sich an irgendetwas stösst, entstehen schnell blaue Flecken. Dünnhäutigkeit und innere Unruhe können ebenfalls Begleiterscheinungen sein. Dies hat oft eine einfache Ursache, nämlich Eiweißmangel.

"Oft müssen wir diesen Befund in der Beratung Frauen mitteilen. Wir ernten dann erstaunte Blicke. Die Kundinnen erklären, dass dies kaum möglich sei, sie würden sich vor allem von Eiweiß ernähren. Fleisch stehe täglich auf dem Speiseplan, und nach dem Sport gebe es immer einen Proteinshake", so Ernährungswissenschaftler Jürg Hösli, der das Dilema auch gleich erklärt.

Je größer der Stress, desto mehr Kohlenhydrate

Genau bei dieser Ernährungsweise liegt das Problem. Je nach Körpertyp, Regenerationsfähigkeit des Körpers und täglichem Stress verbrennt der Körper einen höheren Anteil Kohlenhydrate. Je höher der psychologische Stress und je intensiver das Training, desto mehr werden Kohlenhydrate gebraucht. Wer sich nun vor allem eiweißlastig ernährt und hofft, dass aufgrund fehlender Kohlenhydrate der Körper vor allem Fett verbrennt, der täuscht sich leider.

Geben wir ihm statt der Kohlenhydrate, die er eigentlich brauchen würde, Eiweiß, verbrennt er eben diese und lernt dies mit der Zeit immer besser. Aber es macht null Sinn, dass wir unseren Körper lehren, Baustoffe statt Energie zu verbrennen. Das wäre, wie wenn wir unserem Auto statt Benzin Schrauben und Muttern in den Tank füllen würden und es lernen müsste, diese zu verbrennen.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Mit Pasta den Eiweißmangel wegessen

Eiweiß oder deren Bestandteile haben eine wichtige Funktion in unserem Körper. Es hält Wasser in der Zelle oder hilft als Schutz bei einer Übersäuerung. Zudem sind Eiweiße sehr wichtig für unser Immunsystem, übernehmen einen Anteil der Säurepufferung im Blut, Blutgerinnung und vieles mehr.

Wir sehen in unserer täglichen Arbeit in der Praxis, dass vor allem Frauen einen Eiweißmangel entwickeln, die um Kohlenhydrate einen großen Bogen machen. Je größer zudem der Stoffwechsel ist, desto ausgeprägter kann der Eiweißmangel sein. Es mag nun viele erstaunen, aber: Wir müssen unbedingt die Kohlenhydrate heben und auch Eiweiß zuführen. Mehr Pasta, Reis und Kartoffeln helfen deutlich, den Eiweißmangel zu verringern.

Mehr Muskelbenzin

Dies erklärt dann auch der Umstand, warum wesentlich weniger Frauen mit einer veganen Ernährung einen Eiweißmangel entwickeln, im Vergleich zu all jenen, welche Pasta, Reis und andere Stärkebeilagen von ihrer Speiseliste fast vollständig verbannt haben.

Doch es ist gut möglich, dass diese Ernährungsumstellung noch nicht hilft. Wer, wie erwähnt, einen besonders schnellen Stoffwechsel hat, hat oft auch einen eher hohen Muskelanteil, insbesondere in den Beinen. Hier hilft es, die Trainingshäufigkeit und Intensität zu senken, damit weniger Energie in der Muskulatur verbrannt wird und somit weniger Eiweiß als Muskelbenzin verloren geht.

Ein paar einfache Tipps

Wer die Symptomatik, wie sie im Eingang beschrieben wurde, kennt, sollte folgende einfache Tipps umsetzen:

Zu jeder Mahlzeit, auch zum Abendessen, ein Drittel des Tellers mit einer Kohlenhydratbeilage wie Reis oder Kartoffeln decken.

Zu jedem intensiven Training ein kohlenhydratreiches Sportgetränk mit Kalium und Natrium.

Nicht zu viele intensive Trainings pro Woche durchführen. Wenn der Oberschenkel brennt, wird nicht hart trainiert. Mit einem Sonnenbrand würde auch niemand ins Solarium gehen. Macht keinen Sinn. (Red)

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