"So viel Liebe hier...", schreibt ORF-Moderator Armin Wolf auf seinem Twitter-Profil – und veröffentlicht dazu einen Screenshot eines Kommentars, der sich gegen ihn richtet. Ein Nutzer fragt dabei, ob man "so überflüssigen Links-Populisten" nicht "einfach die Fresse polieren" könne. Auslöser der Hass-Attacke: Wolf kündigte nur die Vorstellung seines Buchs, das sich an den Erfolgs-Podcast "Der Professor und der Wolf" (gemeinsam mit Peter Filzmaier), für den 13. April 2023 an. Oder, wie es der Hass-Nutzer nennt: "Journalistenrotz".
Zeitgleich soll den ORF-Moderator auch ein wüstes Mail eines "Groupies" erreicht haben, das Wolf ebenfalls öffentlich macht. Unter dem Betreff "Elende S**" und in gebrochener deutscher Sprache wird Wolf darin als "Drecksamih***" und "elende Drecks**" beschimpft. Früher habe der Schreiber Wolf eigenen Angaben zufolge "gemocht, ehrlich", heute aber "hasse ich dich". Kotz-Smiley inklusive. Für seine "Hater" hat Wolf aber einen "einfachen Trick" parat: "Drücken Sie auf 'Entfolgen' und Ihr Problem ist gelöst. Ich verspreche, ich werde Sie nicht verfolgen. Und derweil twittere ich, was mir lustig ist, ok?"
„"Das echt Öde und auch Erschreckende"“
Generell beklagen aktuell Dutzende prominente Twitter-Nutzer, dass das Gesprächsklima in den sozialen Netzwerken und vor allem auf Twitter Richtung Hass gekippt sei. Erst im Februar lief die Internet-Debatte nach einer von Wolf moderierten "ZiB2" vollkommen aus dem Ruder. Politikwissenschaftler Hajo Funke und der Militärstratege Walter Feichtinger hatten in der Sendung über ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges und die Petition "Manifest für den Frieden" diskutiert. Letztere fordert eine Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine und Friedensverhandlungen mit Wladimir Putin.
Das trotz brisantem Themas sachlich geführte Gespräch sorgte aber ihm Nachgang offenbar für so viel Emotionen, dass sich Moderator Armin Wolf schließlich auf Twitter zu Wort meldete. "Das echt Öde und auch Erschreckende an Twitter und vielen öffentlichen Diskursen der letzten Zeit ist der totale Unwille so vieler, sich auch mal andere Meinungen anzuhören. Wie aggressiv kann man auf eine total zivilisierte Ukraine-Diskussion reagieren?", so Wolf. Es sei "ja nicht unwidersprochen und unhinterfragt" ein Manifest verlesen worden, sondern "zivilisiert und durchaus differenziert" debattiert worden.
„"Social Media haben wirklich den Diskurs versaut"“
"Dieser fast schon religiöse Fundamentalismus in immer mehr Debatten ist zunehmend schwer zu ertragen. D.h. nun wirklich nicht, dass man andere Meinungen nicht kritisieren soll oder darf, im Gegenteil, aber dazu müsste man sie doch erst mal anhören. Damit meine ich nicht reine Aggro-Polemiken anonymer Trolle, offensichtlichen Agitprop und Verschwörungs-Unfug (QAnon etc.), das interessiert mich auch nicht, sondern sachlich und zivilisiert argumentierte Gegenpositionen in politischen Debatten. Social Media haben wirklich den Diskurs versaut", zeigte sich der Moderator über das Feedback entsetzt.