Elternverein läuft gegen 3G-Regel für Kinder Sturm

Für Kinder ab 6 Jahren gelten in Wien seit Donnerstag die 3G-Regel in Bädern und Lokalen.
Für Kinder ab 6 Jahren gelten in Wien seit Donnerstag die 3G-Regel in Bädern und Lokalen.istock
Gestern kündigte Wiens Bürgermeister Ludwig überraschend Corona-Verschärfungen in Wien an. Besonders Kinder sind betroffen – und viele Eltern sauer.

Während in ganz Österreich heute massive Erleichterungen der Corona-Regeln in Kraft traten, zog Wien die Zügel in manchen Bereichen weiter an - "Heute" berichtete. Besonders für Kinder ab 6 Jahren und deren Eltern brachte der 1. Juli einige einschneidende Neuerungen: So gilt die 3G-Regel (Getestet, Geimpft, Genesen) jetzt an manchen Orten auch schon Volksschulkinder. Konkret müssen Sechsjährige nun auch beim Badbesuch und in Lokalen ihre epidemiologische Unbedenklichkeit belegen.

"Kurzfristige Änderungen der 3-G-Regelung sind für Familien mit Kindern unzumutbar!"

Das und vor allem die Kurzfristigkeit der Verschärfungen – Wiens Bürgermeister Michael Ludwig kündigte sie gestern, Mittwoch, an gültig sind sie schon ab heute, Donnerstag – treibt vielen Eltern die Zornesröte ins Gesicht. Tanja Sonnenberg, Vorsitzende des Elternvereins Volksschule Vorgartenstraße und Elternvertretung des städtischen Hortes Vorgartenstraße 208 in der Leopoldstadt, richtete daher nun einen offenen Brief an den Wiener Stadtchef. Sie ist überzeugt, dass diese "kurzfristige Änderungen der 3-G-Regelung für Familien mit Kinder unzumutbar" sind.

Vor allem, dass die zu Hause gemachten Antigen-Selbsttests nicht für für den 3G-Nachweis gültig sind, stößt bei der Elternvertreterin auf Unverständnis. Kaum seien die Schulen zu und der Staat damit "aus dem Schneider" werden die Daumenschrauben von einem Tag auf den andern drastisch angezogen" , so Sonnenberger. Den "durch Lockdowns und Distance-Learning eh schon schwer gebeutelten Familien" würde das Leben "noch mehr erschwert!". Wenn Ludwig die Verschärfungen so schnell einführen konnte, könne er sie ja auch ebenso schnell wieder "auf ein familienverträgliches Maß korrigieren bzw. anpassen", schließt sie.

Der offene Brief an Bürgermeister Ludwig im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Ludwig,

als Vorsitzende des Elternvereins Volksschule Vorgartenstraße, der gleichzeitig auch die Elternvertretung des städtischen Hortes Vorgartenstraße 208 darstellt, möchte ich zumindest gegen die Kurzfristigkeit der Bekanntgabe der Änderungen in Bezug auf die nun in Wien verschärften 3-G-Regelungen gerade für Kinder schärfstens protestieren!

Ich kann zwar grundsätzlich nachvollziehen, dass die Antigen-Selbsttest - selbst wenn sie über die Homecare-App der Stadt Wien entsprechend für 24h zertifiziert wurden - eine recht hohe Ungenauigkeit haben und zudem über die Fotos auch kein wirklicher Nachweis erbracht wurde, dass man sich tatsächlich in der EIGENEN Nase gebohrt hat. Trotzdem hat man diese Testmöglichkeit vor kurzem ja erst online eingeführt.

Tatsächlich werden dieselben Test weiterhin in den Apotheken und Teststraßen verwendet. Es wird lediglich der mögliche Betrug und eine falsche Anwendung ausgeschlossen, nicht aber die Unsicherheit des Testergebnisses.

Und wenn Sie jetzt argumentieren möchten, dass die Test in den Apotheken und Teststraßen ja aber auch nur von FACHPERSONAL durchgeführt werden, und damit ein Falsch-Negativ-Ergebnis durch falsche Anwendung bei der Selbstdurchführung weiter reduziert wird, dann kann ich nur erbost feststellen, dass man sich bisher mit dieser erhöhten Ergebnisungenauigkeit durch Laienanwendung in den Schulen auch zufrieden gegeben hat! Wenn die Selbstanwendung denn so ungenau ist, dann hätte schon längst jede Schule ihre eigene, professionelle Teststraße gekommen müssen!

Aber kaum hat die Schule wegen Ferien zu und der Staat ist damit "aus dem Schneider", werden die Daumenschrauben von einem Tag auf den andern DRASTISCH angezogen: was Testalter wird in Wien nicht angehoben sondern GESENKT und leicht zugängliche Testanerkennungsmöglichkeiten gestrichen! Ich selbst habe als Elternverein noch vor 2 Wochen für die Home-care-Zertifizierung der Selbsttest bei allen Eltern geworben und geraten, sich rechtzeitig mit genügend Selbsttests einzudecken, weil sie ja nur 24h gültig sind, man aber auf E-Card gar nicht genügend kostenlose bekommt! Wie stehe ich jetzt da bei den Eltern, die sich für ihre Kinder für die Ferien für jeden Tag der Woche mit teuren Selbsttest eingedeckt haben?

Wenn die zu Hause durchgeführten Test denn so unsicher sind, warum ist dann nicht schon lange zumindest ein vergleichbarer Erlass über die MA10 an alle Kindergärten und Horte ergangen, wie der, der den Schulen ( MA56) ermöglicht hat, dass sich die Kinder dort unter KONTROLLE selbst testen und der dann für die 3-G-Regel anerkannt wurde?!

Statt dessen wird den durch Lockdowns und Distance-Learning eh schon schwer gebeutelten Familien das Leben noch mehr erschwert! Eltern müssen nun teilw. in den Ferien durchgängig arbeiten gehen, weil sie ihren Jahresurlaub schon für die Betreuung der Kinder an o.g. Maßnahmen aufgebraucht haben! Und da muss man jetzt auch noch alle 2 Tage gurgeln (der erste Tag fällt schließlich unter den Tisch, weil man das Testergebnis noch nicht hat!) oder sich zu einer Teststraße begeben mit den Kindern, nur, damit diese den Hort besuchen können, während man selber arbeiten muss und sich am Abend noch eine gute Stunde im Freibad nach Feierabend ausgeht!

Erschwerend kommt dann ja auch noch hinzu, dass man die von Ihnen so gerne beworbenen Gurgel-Test-Ergebnisse nur digital übermittelt bekommt. Unserem Hort kann man diese Testergebnisse aber nur direkt an die Leitung per E-Mail weiterleiten. Wenn diese im Urlaub ist, hat außer Ihrer Vertretung allerdings niemand mehr Zugriff auf dieses Emailpostfach. Wenn die Vertretung folglich gerade nicht zum Arbeiten eingeteilt ist, kann niemand anderer überprüfen, ob ein gültiges Testergebnis für dieses Kind digital übermittelt worden ist!

Daran, dass die Hortgruppen-Diensthandys "smart-fähig" wären, brauchen wir in diesem Zusammenhang natürlich auch gar nicht erst zu denken! Somit muss ein Kind sein Testergebnis folglich entweder AUSGEDRUCKT mitbringen, allerdings haben nicht alle Familien einen Drucker zu Hause, oder aber man muss als Elternteil sein Kind persönlich am Hort übergeben, um das entspr. Ergebnis am Handydisplay vorzeigen zu können.

Für die Familien ganz selbstverständlich die Nutzung der online-Angebote fordern - aber im eigenen Stall die entsprechenden, technischen Vorkehrungen für die Umsetzung der eigenen Regeln nicht schaffen! Das gibt ein absolut peinliches Bild ab!

Wenigstens die (ja noch gar nicht so alte Möglichkeit) 24h-online-Zertifizierung der Selbsttests für Kinder, die den richtigen Gebrauch der Test aus dem Schulbetrieb faktisch im Schlaf beherrschen, hätte man zur Erleichterung des Familienalltages in den Ferien wenigstens beibehalten können! Denn wie gesagt, was für die Schulen in den letzten Monaten gut genug war, dass sollte dem Hort doch bei den sommerlichen Temperaturen auch reichen!

Wenn Sie von gestern auf heute Testregelungen verschärfen können, dann können Sie diese von heute auf morgen auch noch auf ein familienverträgliches Maß korrigieren bzw. anpassen!

Ich erwarte, die Ergebnisse Ihres entsprechenden Überdenkens kurzfristig aus den Medien zu erfahren!

Mit freundlichem Gruß

Tanja Sonnenberg

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