Ende des Lockdowns wäre viel zu gefährlich

Kein Lockdown-Ende in Sicht? Experten sind gegen ein vorzeitiges Ende.
Kein Lockdown-Ende in Sicht? Experten sind gegen ein vorzeitiges Ende.HANS PUNZ / APA / picturedesk.com
Kanzler Kurz muss über eine Lockdown-Verlängerung entscheiden. Nach einer Krisensitzung stellen Experten klar: Eine Öffnung wäre zu gefährlich.

Die Corona-Situation in Österreich ist prekär, eine Verlängerung des Lockdowns und eine weitere Verschärfung der Maßnahmen steht im Raum. Für Sonntag hat Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) eine Entscheidung angekündigt, am Samstag beriet er sich intensiv mit Experten aus Wissenschaft und Medizin. Offenbar gab es viel zu diskutieren, denn das im Anschluss angekündigte Pressegespräch konnte erst mit rund einer Dreiviertelstunde Verspätung starten. 

Oswald Wagner, Vize-Rektor für klinische Angelegenheiten der MedUni Wien, machte den Anfang mit einer dramatischen Schilderung: Nach Wochen im harten Lockdown sind die Patienten-Zahlen auf den Intensivstationen der österreichischen Spitäler wieder zurückgegangen und befinden sich noch in einem beherrschbaren Ausmaß.

Einer der Virus-Experten: Oswald Wagner (AKH Wien).
Einer der Virus-Experten: Oswald Wagner (AKH Wien).HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com

Die 7-Tages-Inzidenz – sie pendelt derzeit zwischen 130 und 150 – macht dem Experten aber Sorge. Diese ist laut Wagner "viel zu hoch", um jetzt den Lockdown zu beenden. Aus seiner Sicht brauche es jetzt schärfere Maßnahmen, um den Wert deutlich unter 50 zu senken. Wagner betont, dass man das Vorgehen in Österreich mit den anderen Ländern in der EU koordinieren müsse, um ein "Infektions-Ping-Pong" über die Grenzen hinaus zu verhindern.

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Jetzt aufzusperren sei gefährlich, warnt der Mediziner. Die letzten Monate hätten gezeigt, dass Länder, die bei einer zu hohen Inzidenz-Zahl aufgesperrt hatten, nach zehn Tagen wieder eine Vollbremsung einlegen mussten. Die britische Virus-Mutation verschärfe die Gefahr zusätzlich.

Wagner fordert weitere Einschränkungen

Wagners erklärtes Ziel: Nach dem Ende des Lockdowns dürfe es bis zum Greifen der Impfung und der Durchimpfung der vulnerablen Gruppen keinen weiteren Lockdown mehr geben. Er sprach sich für eine FFP2-Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, einer Ausweitung des Sicherheitsabstandes auf zwei Meter und die weitere Durchführung von Massentests aus.

"Die Bevölkerung trägt die Maßnahmen nicht mehr ausreichend mit", klagte der MedUni-Experte. Er wünsche sich deshalb einen "generellen Lockdown ohne Ausnahme", bis der 7-Tages-Inzidenzwert von 50 unterschritten wurde. Erst danach solle es eine schrittweise Öffnung geben. Und: Home Office solle verpflichtend werden: "Es ist jetzt wirklich wichtig, dass wir die Reduktion der Bewegung der Menschen von derzeit minus 30 Prozent auf unter 50 Prozent drücken wie im ersten Lockdown." Mehr dazu HIER >

Virologe Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM)
Virologe Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM)HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

Mutiertes Virus breitet sich aus

Virologe Andreas Bergthaler fügte im Gleichklang hinzu: "Wir haben's mit einer neuen Situation zu tun". Die neue Corona-Mutation B.1.1.7 sei um ein Vielfaches ansteckender und könne zu einer Explosion der Fallzahlen führen. In Slowakei gehen schon 50 Prozent der Neuinfektionen auf das Konto der Mutante. "Es ist eine Herausforderung, vor der ganz Europa steht".

"Wir haben schon viele verschiedene Hinweise, dass sich diese Variante in Österreich befindet", so der Experte weiter. Bisher gibt es 100 Verdachtsfälle, doch es könnten weit mehr sein, da der Nachweis nur mit sehr spezifischen PCR-Tests möglich ist: "Von 30.000 Buchstaben in seinem Genom hat die englische Variante 17 geändert". Weil sich der Großteil des Virus aber nicht vom sogenannten "Wildtyp" unterscheide, seien die bisherigen Schutzmaßnahmen immer noch genauso wirksam dagegen. Wie hoch die Dunkelziffer in Österreich ist, hofft Bergthaler in den nächsten Tagen herausfinden zu können. 

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