Entlassene AMS-Trainerin beklagt Sozial-Kahlschlag

Die Regierung plant massive Einsparungen beim AMS. Nun rollt eine Kündigungswelle durch die Institute der Erwachsenenbildung.

Frau Maria (52) lehrt Business-Management in AMS-Kursen. Sie hat die höchste Trainerqualifikation, die es in ihrem Bereich gibt. Ihre Karriere zeigt, dass sie Weiterbildung immer sehr persönlich genommen hat. Mit 15 Jahren begann sie eine Einzelhandelslehre, machte mit 39 Jahren die HTL Matura und schaffte danach neben ihrem Beruf noch zwei Uni-Abschlüsse. Sie war jahrelang als Trainerin für österreichische Vereine im Ausland tätig. Ihre Aufgaben und Kompetenzen waren vielfältig, Frau Maria war erfolgreich.

Die Kündigung



Bei ihrem Wiener Kursinstitut, das vom AMS finanziert wird, war sie zuletzt für 32 Wochenstunden unbefristet angestellt, Ende Juli wurde sie nach 3,5 Jahren gekündigt - "Heute.at" hat berichtet. "Jetzt muss ich mich wieder neu orientieren", sagt Frau Maria zu "Heute". "Das wird nicht leicht, ist aber selbstverständlich möglich", die Lage am Arbeitsmarkt sei angespannt, besonders für ältere Arbeitnehmer.

Dass die Regierung das Geld für AMS-Kurse streichen will, trifft sie hart: "Die sind zu weit von den Menschen entfernt". Die AMS-Kursteilnehmer seien "ausgesprochen dankbar" für die Inhalte, die die Trainer ihnen vermitteln, das Feedback sei hervorragend. "Geschäftskorrespondenz und Business Tools, Buchhaltung, Personalverrechnung, Projektmanagement, aber auch das Einzelcoaching, das viel zu kurz kommt, helfen den Kursteilnehmern wirklich weiter", betont Frau Maria.

Der offene Brief

Deshalb schrieb die Trainerin einen offenen Brief an die Regierung: "Ich ersuche Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, in meinem Namen und im Namen der vielen ArbeitnehmerInnen im Erwachsenenbildungsbereich, die bald ohne Job dastehen werden, die bevorstehenden drohenden Kürzungen im AMS-Förderbudget zu überdenken". Trotzdem gehe es ihr nicht nur um ihren Job, sondern vor allem um die Menschen, die von den qualitativ sehr guten Kursangeboten profitierten, meint die 52-Jährige.

Natürlich hat Frau Maria Verständnis für Einsparungsmaßnahmen, wenn schlicht das Geld fehlt. "Aber den Rotstift überall ansetzen und einfach alles zu streichen, finde ich nicht in Ordnung", sagt sie. Der Kahlschlag ärgert die Trainerin, die Politik müsse hochqualitative Kurse weiter finanzieren.



Tausende betroffen


Frau Maria gründete eine Facebook-Gruppe, bei der sie von Kollegen erfuhr, dass derzeit mindestens 604 Kollegen ein ähnliches Schicksal blüht – allein in Wien – nicht mitgerechnet jene Trainer, deren befristete Verträge auslaufen und nicht verlängert werden. Österreichweit werden es wohl einige Tausend Trainer sein.

Nur noch 50 Euro im Monat zum Leben

AMS-Leistungen muss die AMS-Trainerin künftig selbst in Anspruch nehmen. Frau Maria hat sich auch schon ausgerechnet, dass sie nur rund 900 Euro Arbeitslosengeld bekommen wird, da sie keine Vollzeit-Angestellte war, was in diesem Bereich auch nicht üblich ist. Nach Abzug aller Fixkosten werden ihr rund 50 Euro im Monat zum Leben bleiben. "Über die Diskussion, ob man mit 150 Euro im Monat auskommt, kann ich nur lachen", meint sie traurig.

Eine Abgeordnete hilft



Die Regierung überlege ihren Sparkurs viel zu wenig, ärgert sich die Trainerin: "Es gibt für uns nicht einmal eine Arbeitsstiftung". Weder die Gewerkschaft noch andere Organisationen würden sich um sie und ihre Kollegen kümmern. Nur die Abgeordnete Daniela Holzinger-Vogtenhuber von der Liste Pilz würde sie unterstützen.

Holzinger-Vogtenhuber hat auch schon einen Schuldigen ausgemacht: Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Sie schaffe Arbeitslose, statt sinnvolle Qualifizierungsmaßnahmen zu erhalten. "In Niederösterreich müssen die mobilen Sozialmärkte schließen. Hochqualifizierte Trainerin und Trainerinnen aus der Erwachsenenbildung – von der überbetrieblichen Lehre bis hin zu Deutschlehrenden – schildern ihren vollkommen berechtigten Frust über diese Regierungspolitik."

Forderung nach Arbeitsstiftung

"Im April dieses Jahr habe ich eine Arbeitsstiftung für die Betroffenen gefordert. Dann hieß es, das machen wir schon. Auch in dieser Angelegenheit ist bis heute genau nichts passiert. Von daher unterstütze ich auch diese Forderung nach einer Arbeitsstiftung aus dem offenen Brief", ärgerte sich Holzinger-Vogtenhuber gegenüber "Heute".

(GP)

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