Er macht aus dem Tesla ein Spionagefahrzeug

Ein Sicherheitsforscher hat eine spezielle Software für das Model 3 von Tesla geschrieben. Damit kann er das Auto für ganz andere Zwecke nutzen.
Ein Fahrzeug, das Gesichter von Passanten und Nummernschilder der anderen Autos in Echtzeit erkennt und alle Informationen speichert. Was sich nach einer beängstigenden Zukunftsvision anhört, hat der Sicherheitsexperte Truman Kain, der für die amerikanische IT-Firma Tevora arbeitet, tatsächlich gebaut.

Dazu hat er eine Software geschrieben, mit der er auf die verschiedenen Kameras der Tesla-Modelle S, 3 und X zugreifen und diese zweckentfremden kann. Der Prozess ist relativ einfach. Denn Kain schließt dafür einfach einen Computer per USB-Kabel an das Tesla-Modell an und schon kann es losgehen.

Totale Überwachung

Fährt man danach herum, werden andere Verkehrsteilnehmer, denen man begegnet, automatisch im System erfasst. In einer Suchmaske in der Software können anschließend die Fahrzeuge, die von den Kameras erfasst wurden, beispielsweise nach Modell oder dem Hersteller durchsucht werden.

Auch wer leicht paranoid ist oder das Gefühl hat, verfolgt zu werden, dürfte sich an den neuen Möglichkeiten erfreuen. Denn die Software informiert den Fahrer automatisch, falls einem ein anderes Auto in den letzten Tagen ungewöhnlich oft gefolgt ist, inklusive einer Karte mit dem jeweiligen Standort.

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Wie Wired.com berichtet, steht für Kain nicht die Überwachung an sich im Fokus. Er habe eher an eine Art Spionageabwehr gedacht, zum Beispiel wenn sich ein Journalist mit einer geheimen Quelle treffe und die Begegnung nicht ausspioniert werden sollte.

Dasselbe Prinzip funktioniert auch, wenn das Auto parkt und eine Person darum herum schleicht. Wenn ein Gesicht mehrmals erkannt wird, erhält der Nutzer eine Benachrichtigung auf dem Smartphone: "Die Frontkamera hat die unbekannte Person #38 zum dritten Mal entdeckt. Geben Sie ihr einen Spitznamen."

Kommerzielle Interessen

Kain ist sich der Gefahr, die ein solches System darstellen kann, durchaus bewusst. Er bemerkt jedoch, dass eine neue Ära der allgegenwärtigen Datenerfassung über Kameras von selbstfahrenden Autos sowieso zu erwarten sei. Und vieles davon könnte zusammengeführt und in zentralisierten Datenbanken abgespeichert werden, so seine Warnung.

Er wollte jedoch nicht darauf warten, bis eine zwielichtige Firma so ein System entwickelt und damit Geld verdient. Deshalb wurde er selbst aktiv. Und zudem sagte er im Interview mit "Wired": "Wenn die Technik anderen hilft, sicher zu bleiben, finde ich das gut ... und auch wenn ich darüber informiert werde, wenn jemand um mein Auto schleicht."

Wie der auf digitales Recht spezialisierte Anwalt Martin Steiger auf Anfrage erklärt, ist eine Videoüberwachung des öffentlichen Raumes – wie dies in diesem Fall geschieht – für private Sicherheitszwecke in der Schweiz grundsätzlich nicht zulässig. Es sei zudem für betroffene Personen gar nicht erkennbar, dass sie von einem Auto gefilmt würden. Und auch die oben beschriebene Gesichtserkennung hält er – ob mit oder ohne Tesla-Kameras – in der Schweiz ebenfalls grundsätzlich für nicht zulässig.

(swe)

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