Bildungsminister Heinz Faßmann präsentierte am Dienstag die Ergebnisse der Zentralmatura. 7,1 Prozent der AHS-SchülerInnen haben die Mathematikmatura nicht bestanden.
Bildungsminister Heinz Faßmann hat am Dienstagvormittag gemeinsam mit Sektionschef Andreas Thaller die Gesamtergebnisse der diesjährigen Maturaprüfungen präsentiert.
Ein erster Zwischenstand der Mathematik-Ergebnisse, der vor einem Monat präsentiert wurde, fiel bekanntermaßen ernüchternd aus. Nach jenen ersten Auswertungen von zehn Prozent der Arbeiten waren schon knapp 18 Prozent durchgerasselt.
Knapp 7 Prozent der AHS-Schüler haben Mathe nicht geschafft
Mit dementsprechend viel Spannung wurde die heutige Präsentation der Gesamtergebnisse erwartet. Demnach haben im heurigen Schuljahr 2017/18 nach den Kompensationsprüfungen im Fach Mathematik in der AHS 92,9 Prozent die Matura bestanden. Vor dem Kompensationsprüfungen waren es 77,5 Prozent. Im Vergleich dazu waren es im Schuljahr 2015/16 93 Prozent bzw. 76,8 Prozent. "Es gibt eine schmale Schwankungsbreite. Die Spanne ist gering", stellt Thaller fest. Nur das Jahr 16/17 sei etwas besser gewesen.
In Deutsch sind 0,9 Prozent der AHS-SchülerInnen durchgefallen, in Englisch waren es zwei Prozent. In Mathematik liegt die Durchfallsquote demnach bei 7,1 Prozent (Anm.: Zahlen nach den Kompensationsprüfungen). An AHS gab es gesamt rund doppelt so viele "Nicht genügend" wie noch 201516 und 2016/17.
Im BHS-Bereich sind 0,7 Prozent in Deutsch durchgefallen. 3,3 Prozent haben die Englisch-Matura nicht geschafft und 5,2 Prozent sind in Angewandter Mathematik nicht durchgekommen. Als ganz erfreulich bezeichnete Thaller, dass heuer "im AHS-Bereich rund 30 Prozent 'Gut' und 'Sehr gut' haben."
Anmerkung zu den Grafiken:
Ergebnisse der Zentralmatura 2018 in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch.
>>> Schüler mit "Nicht genügend" nach schriftlicher Klausur in % (in Klammer: Durchfallquote nach der mündlichen Kompensationsprüfung)
Quelle: APA/BMB
Auch wurden ein paar gesonderte Ergebnisse präsentiert, etwa Geschlechterunterschiede. Erstmals wurde auch explizit erhoben, wie es Schülern mit nicht deutscher Muttersprache ergangen ist. Thaller sagte dazu: "Man muss feststellen, es gibt einen Zusammenhang." Abgesehen davon wurden die zehn besten und schlechtesten Standorte erhoben. Demnach liegen zwei der zehn Schulen mit den besten Ergebnissen in Wien. Zugleich befinden sich auch acht der zehn schlechtesten Einrichtungen in der Bundeshauptstadt.
Wiener Schüler haben die größten Mathe-Probleme
Sieht man sich die Detailergebnisse nach den Bundesländern an, so gibt es im Fach Mathematik in Wien die schlechtesten Ergebnisse: 8,4 Prozent der AHS-SchülerInnen und 7,3 Prozent der BHS-SchülerInnen sind durchgefallen. In Deutsch haben AHS-SchülerInnen aus Niederösterreich die größten Probleme (Durchfallquote: 1,7 %). Im BHS-Bereich sind es jene aus Vorarlberg (2,3 Prozent). In Englisch gibt es die größte Durchfallquote – sowohl in AHS als auch in BHS – in Voralberg (2,9 bzw. 4,5 %).
"Wir wollen Fairness"
Faßmann versprach eine Reform der Zentralmatura. "Wir wollen Fairness herstellen und andererseits eine einheitliche Beurteilung." Inhaltlich wolle man sich insbesondere im Bereich der Mathematik auf die Grundkompetenzkataloge konzentrieren. Textangaben sollen verkürzt bzw. überarbeitet werden. "Längere Texte stellen eine zusätzliche Herausforderung für SchülerInnen mit nicht-deutscher Erstsprache dar. Das müssen wir uns genauer anschauen", so Faßmann. Außerdem sollen das Beurteilungsschema und die organisatorischen Rahmenbedingungen nochmals überarbeitet werden.
Bei der Evaluierung helfen soll der ehemalige Präsident des Wiener Stadtschulsrats, Kurz Scholz. Er wird von September bis Dezember eine "Zuhör-Tour" durch die Bundesländer unternehmen und Feedback von Lehrern, Direktoren, Schülern und Eltern einholen sowie Verbesserungsvorschläge einbringen. Faßmann betonte: ""Wir sind bereit zur ernsthaften Reflexion.Wir wollen ein faires System." Eine Umsetzung der Reform soll bestenfalls im zweiten Halbjahr 2019 erfolgen.
Evaluierung im Nationalrat vereinbart
Der Nationalrat hatte sich in einer Sitzung vor knapp zwei Wochen (13.6.) einstimmig für eine Evaluierung der Zentralmatura ausgesprochen. Zwar gibt es zwischen den Fraktionen unterschiedliche Meinungen, was den notwendigen Umfang der Reform betrifft, die Abgeordneten sind sich aber darin einig, dass Faßmann einen genaueren Blick auf die Praxistauglichkeit der Prüfungsaufgaben richten und dabei auch die Besonderheiten der verschiedenen Schularten berücksichtigen soll. Besonderes Augenmerk soll dabei auf die Mathematikmatura sowie auf die Beurteilungskriterien gelegt werden.
Angestoßen wurde die Debatte von den NEOS, die einen Dringlichen Antrag eingebracht hatten. In diesem forderten sie die Reform der Zentralmatura. Bisweilen hätte sie lediglich Pannen hervorgebracht. Gefordert wird unter anderem, die Zentralmatura abzuschlanken und zu vereinheitlichen und die Prüfungsarbeiten extern auszuwerten.
Lesen Sie hier: 21 % halten Benotungen für unfair >>>
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(red)