"Erholen ist wichtig": Virologe fordert EU-Reisekonzept

Kein seltener Anblick: leere Strände in Zeiten von Corona.
Kein seltener Anblick: leere Strände in Zeiten von Corona.Eibner / EXPA / picturedesk.com
Im Puls 24-Interviewsprach der Virologe Hans-Peter Hutter über die aktuelle Corona-Lage und schilderte, wie wieder Normalität einkehren kann.

Drei Bundesländer Österreichs befinden sich im Lockdown. Angesichts der aktuellen Zahlen werden bereits Forderungen nach einem bundesweiten Shutdown laut, um die Situation in den Griff zu bekommen. Im Puls 24-Interview mit Alina Marzi sprach der Virologe Hans-Peter Hutter über die aktuelle Corona-Lage und schilderte, wie wieder Normalität einkehren kann.

 "Lage auf Intensiv dramatisch"

"In den Intensiv-Stationen und den Spitälern ist es dramatisch, da braucht man nicht herumreden", so Hutter gleich eingangs. Die derzeitigen Zahlen beweisen dies. Mittlerweile komme es einem vor, als gäbe es keinerlei Besserung im Vergleich zum Vorjahr. Es sei jedoch ein Unterschied festzustellen. Man habe im Laufe der vergangenen Monate Erfahrungen gesammelt, die man nun nützen könne, um besser auf entsprechende Situationen zu reagieren.

 Ansteckungen

Momentan sei es so, dass die meisten Ansteckungen im Rahmen privater Treffen passieren, "mit Freunden und Bekannten". Es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass Ansteckungen andernorts geschehen, merkte der Virologe an. Doch bei den privaten Treffen handele es sich "sicher um Hotspots". Aus diesem Grund versuche man nun, mit entsprechenden Maßnahmen genau diese Kontakte zu unterbrechen. 

"Wichtig ist, dass man die Bevölkerung stärkt, in der Bereitwilligkeit, die drei Kernmaßnahmen - um mehr geht es ja gar nicht - tatsächlich einzuhalten."

 Geschützte Sozialräume für Treffen

Dass soziale Kontakte aber immer wichtiger seien, sei Hutter klar. Daher setzt er sich für die Zukunft für "geschützte Räume" ein, in denen man sich mit anderen treffen kann. "Genau so, wie wir es einmal gehabt haben - plus Eintrittstests." So könnte es wieder zur Öffnung von Kultur, Sport und Gastronomie kommen -  allerdings unter der Voraussetzung, dass Tests eingesetzt und Konzepte umgesetzt werden. Letztere müsse man  an die ansteckenderen Corona-Varianten anpassen. "Ich gehe davon aus, dass man bisherige Konzepte überarbeitet und noch einmal schaut. Dazu kommt, dass die Bevölkerung das auch schon gewohnt ist." Entsprechende Öffnungsschritte wurden bereits angekündigt. "Ich denke das ist sehr notwendig. Es gibt den Wunsch nach sozialen Kontakten. Wichtig ist jetzt, dass man diese Zeit überbrückt - wie lang sie auch dauert - und dann aber rasch zurückkehrt wieder vereinzelt, dass man eben offiziell Räume für soziale Kontakte bereitstellt."

 Lockerungen mit Tests 

Mit Öffnungen mache man einen Schritt in ein gewisses Risiko hinein, ist sich Hutter im Klaren. Andererseits sei es aber "nicht nur die Infektion, die uns derzeit bewegt, sondern es sind sehr viele begleitende Maßnahmen, begleitende Beeinträchtigungen, denn die sind auch nicht mehr wegzudenken". Es müsse daher ein Gleichgewicht hergestellt werden - Lockerungen seien notwendig und wichtig. 

Klarerweise müsse man aber die Infektionszahlen im Auge behalten. Dennoch "braucht man den Blick auch auf alle sehr, sehr üblen, negativen Beeinträchtigungen". Zu jenen zählt der Virologe unter anderem die Schließung der Schulen, die Überforderung der Eltern, das Homeoffice. "Da braucht es eine Balance, einen Blick auf das Ganze." 

 Planungshorizont wichtig

Es sei "enorm wichtig" in eine Realität mit mehr Freiheiten zurückzukehren. Natürlich sei die Bevölkerung gefordert, die ihnen auferlegten Aufgaben zu erfüllen, sprich, sich an die "drei Kernmaßnahmen zu halten". Doch auch die Regierung sei gefordert, ihren Teil dazu beizutragen. Hier spricht Hutter etwa von den Impfungen, bzw. der Bereitstellung selbiger, damit sich die Bevölkerung auch impfen lassen kann. 

Auch Lockerungsschritte müssten "früh genug" angekündigt werden, da es hier einer Vorlaufzeit bedarf. Der Planungshorizont sei für viele Betriebe von großer Wichtigkeit. Auch aus Sicht eines Virologen sei dies schwer umzusetzen, doch dringend notwendig. Als Beispiel führte Hutter etwa die Freibäder an. "Der Sommer kommt, es wird heiß. Da braucht man schon einmal ein bisschen Vorausdenken, wie denn die Entspannung und Erholung bei uns aussehen wird."

Europäisches Konzept für Sommer

"Erholen ist enorm notwendig", für die psychische Gesundheit, aber auch für das Immunsystem, so der Virologe. Es sei unbedingt notwendig, dass die Menschen "hinaus gehen, spazieren gehen. Das ist ein wesentlicher Punkt."

Im Hinblick auf den Sommer sei es unabdingbar, ein europäisches Konzept zu entwickeln, wie der Sommer aussehen solle. "Wo ist die Möglichkeit zu reisen, was kann ich tun, damit die Leute reisen. Es braucht Konzepte, wie man von einem Land in ein anderes kommt, wenn man das möchte. Nichts ist Schlimmer, als wenn diese Erholung nicht stattfindet."

Daher pocht er auf eine europäische Lösung, "weil sonst wird es sehr schwierig von Land zu Land" Nicht nur die Unterschiede bei den Reiseregeln der einzelnen Länder könnten Probleme bereiten, sondern auch die Unterschiede von "Bundesland zu Bundesland". 

"Da braucht es wirklich starke und gute Konzepte - aber jetzt schon. Anders wird's nicht gehen" so Hutter abschließend.
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