Ärzte wollen die telefonische Krankmeldung zurück

Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK)
Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK)Ernst Weingartner / picturedesk.com
"Es ist nun amtlich, dass es kein Argument gegen die Beibehaltung der telefonischen Krankschreibung gibt", unterstreicht ÖÄK-Vizepräsident Steinhart.

Die Regelung, sich telefonisch krankschreiben zu lassen, wurde Mitte März eingeführt, um das Ansteckungsrisiko in den Arztpraxen zu minimieren. Nach knapp einem halben Jahr wurde diese Möglichkeit der Krankschreibung aber wieder zurückgerufen. Seit dem 1. September muss jeder, der sich krankschreiben lässt, wieder persönlich eine Arztpraxis aufsuchen.Arbeitgebervertreter in der ÖGK hatten nämlich befürchtetet, dass es einen Missbrauch durch Arbeitnehmer, die sich krankschreiben lassen, ohne wirklich krank zu sein, geben werde.

Wie zuletzt berichtet, wurde die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung aber offenbar nicht häufig genutzt. Die Anzahl der Krankenstände stieg während der ersten Coronavirus-Welle nämlich nicht an, sondern ging sogar deutlich zurück.

Weder Beschwerden, noch Missbrauchsfälle

In einer Pressemitteilung unterstreicht der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer Johannes Steinhart, dass es "kein Argument gegen die Beibehaltung der telefonischen Krankschreibung gibt". Er erläutert, dass es weder Beschwerden, noch Missbrauchsfälle oder -versuche gab.

"Das Argument des Missbrauchs, das unserer Ansicht nach immer schon auf tönernen Füßen stand, ist nun völlig entkräftet – es spricht weiterhin nichts dagegen, die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung für alle Patientinnen und Patienten sofort wiedereinzuführen und mindestens bis Jahresende beizubehalten", fordert Steinhart. Zudem ergänzt er, dass es der ÖGK "bei der Einführung der telefonischen Krankschreibung [...] noch sehr wichtig [war], dass Menschen auch im Falle einer anderen Erkrankung möglichst wenig Außenkontakt haben, um ein weiteres Risiko zu reduzieren." Er wisse nicht, "was sich daran grundlegend geändert hätte."

Telefonischen Krankschreibung sei wesentliches Hilfsmittel

Zuvor hatte sich auch der ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer medial für einen Abbau von Bürokratie ausgesprochen. Dies sei durchaus lobend zu erwähnen, so Steinhart, der weiter erklärt: "Wenn es ihm wirklich ernst mit dem Abbau von Bürokratie ernst ist - wir sind dabei. Wir können mit der telefonischen Krankschreibung gleich anfangen."

Besonders in den kommenden Monaten sei die telefonische Krankschreibung laut Steinhart ein "bewährtes Instrument" und "wesentliches Hilfsmittel", um die Ordinationen, Patienten und Ärzte zu schützen – insbesondere im Hinblick auf die "verschiedene[n] Krankheiten mit ähnlichen Symptomen", die gerade kursieren. Damit könne verhindert werden, dass Ordinationen wegen Infektionsfällen schließen müssen, appelliert Steinhart: "Und wir werden in diesem Herbst jede Ordination brauchen."

Ob die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung tatsächlich ein Comeback erlebt, bleibt abzuwarten.

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