Welt

Erneut Tote bei Explosion in Linienbus in Wolgograd

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:29

Bei einer Explosion in einem Linienbus in der südrussischen Stadt Wolgograd sind etwa vierzehn Menschen ums Leben gekommen und 28 verletzt worden. Die Detonation trage eine ähnliche Handschrift wie der Selbstmordanschlag auf ein Bahnhofsgebäude am Tag zuvor. Die beiden Explosionen könnten laut Experten nur der Auftakt einer Terrorserie gewesen sein.

Nach der Explosion in einem voll besetzten Linienbus in der südrussischen Stadt Wolgograd gehen die Ermittler von einem erneuten Terroranschlag aus. "Im Fahrzeug lag vermutlich ein Sprengsatz", sagte am Montag ein Mitarbeiter des Nationalen Anti-Terror-Komitees NAK laut der Agentur Interfax. Bei der Detonation wurden auch mindestens 28 Menschen verletzt.

Zum Zeitpunkt der Explosion sei der Bus der Linie N15, die von einer Plattenbausiedlung in das Stadtzentrum führt, voll besetzt gewesen, sagte ein Mitglied der Rettungskräfte. Die Detonation habe das Fahrzeug völlig zerstört. "Der Knall war kilometerweit zu hören." Fernsehbilder zeigten die Überreste des Oberleitungsbusses. Die Wucht der Detonation hatte sein Dach weggerissen und Trümmer über die ganze Straße verstreut.

Zusammenhang nicht ausgeschlossen

Den Ermittlern zufolge trägt der Vorfall eine ähnliche Handschrift wie die Anschläge vom Sonntag und von Ende Oktober in der Stadt. "Wir schließen einen Zusammenhang der beiden Fälle nicht aus", sagte der NAK-Mitarbeiter. Zu beiden Anschlägen bekannte sich zunächst niemand.

Kremlchef Wladimir Putin beauftragte den Inlandsgeheimdienst FSB, sich in die Ermittlungen einzuschalten. Der Präsident habe sich dazu mit FSB-Chef Alexander Bortnikow beraten, teilte der Kreml mit. Putin traf sich auch mit Regierungschef Dmitri Medwedew. Beide Politiker bekräftigten, dass die Terrorakte nicht ungesühnt bleiben dürften.

Erst am Vortag waren bei Sotchi nicht in Gefahr

Trotz der jüngsten Terroranschläge sieht Russland die Sicherheit der Olympischen Winterspiele in knapp sechs Wochen in Sotschi nicht gefährdet. "Was die Wettkämpfe betrifft, sind alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Zusätzliche Schritte werden nicht unternommen", sagte der Chef des Nationalen Olympischen Komitees Russlands, Alexander Schukow, am Montag der Agentur Interfax. In Sotschi werde es erstmals in der Olympia-Geschichte einen speziellen Zuschauerpass geben. "Dadurch wird jeder Besucher genau identifiziert", sagte Schukow.

Auch das Internationale Olympische Komitee sieht keine Gefahr für die Sicherheit bei den Winterspielen in Sotschi. Die russischen Behörden seien für die Sicherheit während der Olympischen Wettkämpfe im Februar zuständig, und das IOC zweifele nicht daran, dass sie dieser Aufgabe gewachsen seien, sagte eine Sprecherin des IOC am Montag.

Weitere Anschläge wahrscheinlich

Wolgograd liegt etwa 700 Kilometer von Sotschi entfernt, wo im Februar die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden. Islamistische Rebellen aus der Kaukasus-Region hatten gedroht, das Großereignis mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Experten sehen daher in den zwei Anschlägen möglicherweise erst den Auftakt einer Terror-Serie. "Die islamistischen Terroristen haben in den vergangen Jahren relativ wenig Aufmerksamkeit erregt und nutzen jetzt natürlich die verstärkte Öffentlichkeit", sagte etwa Russland-Experte Gerhard Mangott von der Uni Innsbruck.

Anschläge in selber Sotschi seien eher nicht wahrscheinlich, glaubt Mangott. "Sotschi ist seit vielen Wochen hermetisch abgeriegelt und mit bis zu 40.000 Mann des FSB (Inlandsgeheimdienst, Anm.) und anderer Einheiten gesichert", allerdings führe dies zu einer Ausdünnung des Sicherheitspersonals in anderen Teilen des Landes. Dies erkläre auch, warum gerade Wolgograd von den Islamisten als Terrorziel ausgesucht worden sei. Zudem sei Wolgograd - das frühere Stalingrad - ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Linien aus dem Nordkaukasus und gelte als russische Heldenstadt, was sie als Ziel noch attraktiver mache, meint er.

In den letzten Jahren war Russland häufig Ziel von Terroranschlägen. Lesen Sie die Chronologie auf Seite 2.

Anschläge in Russland - meist von Attentätern aus dem Kaukasus - haben schon Hunderte Menschen das Leben gekostet oder schwer verletzt. Einige Fälle:

Dezember 2013: Im Bahnhof der Millionenstadt Wolgograd zünden Terroristen am 29.12. eine mit Nägeln und Schrauben gefüllte Bombe. Bei dem Selbstmordanschlag sterben mindestens 17 Menschen.

Oktober 2013: Mit einer Bombe in einem Linienbus in Wolgograd tötet eine Selbstmordattentäterin sechs Insassen und sich selbst. Mehr als 30 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Fahnder vermuten, dass Islamisten aus dem Nordkaukasus der Frau die Bombe übergeben haben.

Jänner 2011: Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Drahtzieher der Sprengstoffattacke ist der tschetschenische Terrorist Doku Umarow, der der russischen Regierung per Video mit weiteren Anschlägen droht.

März 2010: Selbstmordattentäterinnen sprengen sich in zwei Zügen der Moskauer U-Bahn in die Luft und reißen mindestens 40 Menschen mit in den Tod. Auch hinter diesem Anschlag steckt Umarow.

November 2009: Bei einem Sprengstoffanschlag auf den Schnellzug Moskau-St. Petersburg kommen mindestens 26 Menschen ums Leben. Umarow bekennt sich zu dem Anschlag und kündigt einen "Sabotagekrieg" gegen die "blutige Besatzungspolitik" Moskaus im Kaukasus an.

September 2004: Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan (Nordossetien) und nehmen 1.100 Kinder, Eltern und Lehrer als Geiseln. Das Terrordrama endet mit 360 Toten. Als einer der Drahtzieher gilt der tschetschenische Rebellenführer Schamil Bassajew.

August 2004: Zeitgleich stürzen zwei russische Passagiermaschinen ab. Alle 90 Menschen an Bord kommen ums Leben. In beiden Maschinen hatten Selbstmordattentäterinnen aus Tschetschenien Bomben gezündet.

Oktober 2002: Tschetschenen überfallen ein Moskauer Musical-Theater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle 41 Terroristen sterben.

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