Der Tag vor den Parlamentswahlen in Thailand war von schweren Ausschreitungen geprägt. In der Hauptstadt Bangkok wurden am Samstag bei Explosionen und Schusswechseln mehrere Menschen verletzt. Auch der berühmte US-Kriegsfotograf James Nachtwey wurde am Bein getroffen.
Regierungsgegner marschierten durch Bangkok, um gegen die Abstimmung am Sonntag Stimmung zu machen. Viele Anwesende trugen Waffen, mindestens drei Menschen wurden verletzt. US-Fotograf James Nachtweg wurde bei einem Schusswechsel von einer Kugel im Bein getroffen. Er ist seit 1984 Fotograf des "Time Magazine", war aber nicht in dessen Auftrag in Bangkok.
Das "Wall Street Journal" zitierte Nachtwey am Samstag in einem Südostasien-Live-Blog mit den Worten, er sei bei einem Schusswechsel in Bangkok von einer Kugel im Bein getroffen worden. "Ich laufe jetzt. Es geht mir gut", sagte Nachtwey demnach. Er habe sich in einem Krankenhaus untersuchen lassen, berichtete Nachtwey. "Morgen kann ich wieder arbeiten", richtete der erfahrene Kriegsfotograf aus.
Oppositionsführer verspricht friedliche Wahl
Oppositionsführer Suthep Thaugsuban sprach sich dafür aus, die Wahlberechtigten am Sonntag nicht an der Stimmabgabe zu hindern. "Die Menschen werden ruhig, friedlich und ohne Gewalt demonstrieren", versprach Suthep.
Der Generalsekretär der Wahlkommission, Puchong Nutrawong, sagte, die Vorbereitungen für die Abstimmung seien nahezu abgeschlossen. Allerdings gebe es in Bangkok und im Süden des Landes Probleme, die Stimmzettel in die Wahllokale zu bringen. Im Falle von Gewalt hat die Kommission die Mitarbeiter angewiesen, die Stimmabgabe zu stoppen. Für Sonntag sind die höchsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Bei den bisherigen Ausschreitungen wurden zehn Menschen getötet und mehr als 500 verletzt.
Rund 49 Millionen Menschen sind in dem südostasiatischen Land aufgerufen, am Sonntag ihre Volksvertreter zu bestimmen. Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra selbst hatte die vorgezogene Parlamentswahl im Dezember ausgerufen, um Massenproteste gegen ihre Regierung zu beenden. Die führende Oppositionspartei boykottiert das Votum. Nicht zuletzt deswegen geht Yinglucks Partei als Favorit in die Abstimmung.
Das einflussreiche Militär, das in Thailand bereits mehrmals geputscht hat, verhält sich in der schon seit November andauernden Krise bisher neutral. Die Armee stürzte einst Yinglucks Bruder, den ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Kritiker werfen der aktuellen Regierungschefin vor, nur eine Marionette des vor einer Haftstrafe ins Ausland geflohenen Thaksin zu sein.
Regierungschefin verspricht Reformprozess
Regierungschefin Yingluck Shinawatra bekräftigte unterdessen ihr Versprechen politischer Reformen direkt nach den Wahlen. Sie rief ihre Landsleute am Samstag auf, ihre Stimme abzugeben. Ein Boykott, wie ihn die Opposition verkündet hat, bringe nichts. "Die Wahlen zu verschieben, hieße nur, unsere Probleme zu verschieben", sagte die 46-Jährige. "Nach den Wahlen werden wir wie von den Demonstranten verlangt einen Reformprozess starten."