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Erste Prothese, die fühlt, wurde in Wien präsentiert

Heute Redaktion
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Bild: Ronald Zak (AP)

Erstmals ist es einem österreichischen Forscherteam gelungen, einem Menschen eine fühlende Beinprothese anzupassen. Eine Revolution in der Prothesenforschung. Das Studienergebnis zeigt: Die Sicherheit bei der Bewegung wird erhöht. Die Prothese wird stärker als eigene Gliedmaße empfunden. Quälende Phantomschmerzen verschwinden.

Der Prothetik-Experte Hubert Egger, Professor an der Fachhochschule Oberösterreich, hat nach jahrelangen Forschungsstudien erstmals erfolgreich einem Menschen eine fühlende Prothese angepasst - und am Montag in Wien samt dem Patienten präsentiert.

Aufgrund der neuronalen Verbindung fühlt der Patient an der "Sohle" des Stumpfes und erkennt so die Beschaffenheit des Bodens sowie Hindernisse besser. Damit wird die Sturzgefahr beim Gehen reduziert. Der wiederhergestellte Informationstransfer trägt auch dazu bei, dass die Prothese als natürliches Körperteil empfunden wird. Beim anwesenden Patienten Wolfgang R. sind jahrelange Schmerzen zum Beispiel gänzlich verschwunden.

Neue Nerven für das betroffene Bein

An der Universitätsklinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie in Innsbruck, Kooperationspartner der Fachhochschule Oberösterreich, wurde von Oberärztin Dr. Eva-Maria Baur und Oberarzt Dr. Thomas Bauer ein selektiver Nerventransfer - Targeted Sensory Reinnervation (TSR) - am Patienten durchgeführt. Dabei wurden sensorische Nervenenden der ursprünglich gesunden Fußsohle als Überträger der Druckempfindung von der Prothesensohle reaktiviert.

Zusätzlich war die Indikation für die Operation, möglichst schmerzhafte Nervennarben (Neurom) durch die Umleitung der Nerven positiv zu beeinflussen. Das Studienergebnis hat gezeigt: Das Leben von Menschen mit Amputationen kann deutlich erleichtert werden. Die von der Universitätsklinik Innsbruck auch zukünftig unterstützte Methode könnte für viele Betroffene ein Ende der Phantomschmerzen bedeuten, indem die künstliche Gliedmaße der verlorenen natürlichen Gliedmaße ein Stück näher kommt.