Computer aus Silizium-Chips kennt jeder. Doch jetzt gibt es eine völlig neue Technologie: Sogenannte Biocomputer nutzen echte, lebende menschliche Nervenzellen zur Informationsverarbeitung.
Das funktioniert mit winzigen Kügelchen aus Nervengewebe, die im Labor aus Stammzellen gezüchtet werden. Diese sogenannten Organoide werden auf ein Feld aus Elektroden gesetzt, die elektrische Impulse senden und die Antworten der Zellen messen. Das Spannende: Die Nervenzellen bilden neue Verbindungen und lernen - genau wie ein echtes Gehirn.
Wie Forschung und Wissen berichtet, bieten gleich zwei Unternehmen solche Systeme bereits kommerziell an. Das australische Unternehmen Cortical Labs verkauft seit 2025 den CL1, den es als weltweit ersten biologischen Computer bewirbt. Das Gerät kostet rund 35.000 US-Dollar und hält die Zellen bis zu sechs Monate am Leben.
Die Leistungsfähigkeit der Biocomputer ist beeindruckend: Forscher trainierten Nervenzellen darauf, das Videospiel Pong zu spielen. Anfang 2026 zeigte Cortical Labs sogar rund 200.000 lebende Hirnzellen, die das komplexere Spiel Doom lernten - wenn auch noch auf Anfänger-Niveau.
Das Schweizer Unternehmen FinalSpark verfolgt einen anderen Ansatz: Über seine Neuroplatform können Forscher weltweit per Fernzugriff auf Hirnorganoide zugreifen, ohne ein eigenes Labor zu betreiben.
Der größte Vorteil der Technik liegt im Stromverbrauch: Das menschliche Gehirn kommt mit nur etwa 20 Watt aus, während das Training großer KI-Systeme gewaltige Mengen Energie verschlingt. Biocomputer könnten also viel umweltfreundlicher sein.
Allerdings wirft die Technik auch ethische Fragen auf. Als eine US-Förderorganisation ein Programm für biologische Rechenverfahren startete, musste jeder Antragsteller einen Ethiker als Projektleiter benennen. Denn die Debatte berührt letztlich die Frage, ab wann ein solcher Zellverband als empfindungsfähig gelten könnte.