Es gibt etwas, das genauso gut wirkt wie Kaffee

Da hilft nur noch Kaffee – diesen Satz hört man häufiger. Allerdings stimmt er nicht so ganz. Denn offenbar gibt es noch etwas anderes, was das menschliche Gehirn ordentlich auf Trab bringt.

Irgendwann erwischt es jeden: Das sogenannte Tagestief. Die meisten Menschen trifft es kurz nach dem Mittagessen, wenn Magen und Darm viel Blut und Sauerstoff benötigen. Beides fehlt dann im Gehirn. Um dem entgegenzuwirken, lassen sich viele erstmal einen Kaffee raus oder greifen zum Energydrink.

Doch es gibt Alternativen, wie Forscher der University of Western Ontario im Fachjournal "Nature Scientific Reports" schreiben. Demnach könnte ein schneller Spaziergang genauso helfen.

Laufband statt Kaffeetrinken

Für die Arbeit hatte das Team um Harry Prapavessis vom Exercise and Health Psychology Laboratory rund 100 Männer und Frauen entweder eine Tasse Kaffee trinken lassen oder sie für 20 Minuten aufs Laufband geschickt, wo sie schnell gehen sollten. Jeweils davor und danach wurde das Arbeitsgedächtnis der Teilnehmenden getestet (siehe Box).

Ergebnis: Schon 20 Minuten zügiges Gehen haben den gleichen Effekt auf das Arbeitsgedächtnis wie eine Tasse Kaffee, teilt die Hochschule mit. Es habe kaum einen Unterschied gemacht, ob ein Proband gelaufen oder kaffeetrinkend herumgesessen sei – beides brachte das Gehirn auf Trab. Dies sowohl bei Personen, die regelmäßig Koffein konsumieren, als auch bei jenen, die damit keine Erfahrungen haben.

Im Arbeitsgedächtnis – "working memory" – werden kurzfristig Informationen bereitgehalten: Zum Beispiel die Ziffern einer Telefonnummer, die man sich durch leises Wiederholen gemerkt hat, um sie später niederzuschreiben. Das Arbeitsgedächtnis wird auch benötigt, um einen Satz inhaltlich zu verstehen – sodass man sich am Ende eines Satzes noch an dessen Anfang erinnern kann. Es ist also Voraussetzung dafür, sinnentnehmend lesen zu können.

Blutfluss und Glückshormone

Woher dieser Effekt rührt, ist noch unklar. Das müssen weitere Studien zeigen, so die Forscher. Prapavessis und seine Kollegen vermuten aber, dass die Bewegung den Blutfluss im Hirn verbessert und Glückshormone wie Dopamin freisetzt. So haben deutsche Wissenschaftler bereits vor einigen Jahren gezeigt, dass das Gehirn schon bei einer Geschwindigkeit von vier Kilometern pro Stunde um 30 bis 40 Prozent stärker durchblutet wird als im Ruhezustand, was die Neubildung von Nervenzellen fördern kann.

Das zügige Spazieren könnte für all jene Menschen eine Alternative darstellen, für die der Konsum von Koffein nicht ganz unproblematisch ist, so die ebenfalls an der Untersuchung beteiligte Anisa Morava: "Bei gesunden Menschen, die zwei Tassen Kaffee am Tag trinken, werden ihre physiologischen Funktionen nicht negativ beeinflusst." Aber bei speziellen Bevölkerungsgruppen – etwa Schwangeren, Angst-Patienten oder Personen mit Herz-Kreislauf-Problemen – könne der Konsum von Koffein problematisch sein. Hier könnte die Bewegungsalternative helfen.

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