Es gibt "kein unabhängiges Wolfs-Monitoring" in Ö

In Österreich kontrollieren nicht unabhängige Experten, was mit streng geschützten Wölfen passiert, sondern die Jäger. "Das ist alles ein Skandal", so Kotrschal.

(Wöchentliche Kolumne von Kurt Kotrschal– Wolfsexperte, Verhaltensforscher und Biologe.)

Es gibt kaum Wölfe in Österreich – weil es kein unabhängiges Monitoring gibt.

Letzte Woche war hier davon zu lesen, dass es den Wölfen, Bären, Luchsen und Greifvögel in Österreich schlecht geht, weil sie gewildert werden. Damit hängt auch zusammen, dass es hierzulande – im Gegensatz zu Deutschland – kein Monitoring durch unabhängige und behördliche Fachleute gibt.

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Der Bock als Gärtner

Noch gibt es keine unabhängige Organisation zum Schutz der Beutegreifer, die auch draußen Nachschau halten würde, was passiert. Die Behörden beauftragen keine unabhängigen Experten mit dem Monitoring. Das bleibt Aufgabe der Jägerschaft – so wird der Bock zum Gärtner.

Unis auf Abwegen

Leider versagen im Bereich der Wildbiologie auch die Universitäten. Es gibt viel zu wenige Institute, um etwa ein ordentliches Monitoring von Wolf, Luchs und Co zu gewährleisten. Die wildbiologischen Institute der

Universitäten für Veterinärmedizin und Bodenkultur sind teils zwar wissenschaftlich ganz hervorragend, ihre Unabhängigkeit bleibt aber Etikettenschwindel. Beide Institute kooperieren mit der Jagd und werden teils von ihr finanziert. Eigentlich ein typischer Fall von Unvereinbarkeit. Man erwartet von universitären Experten zu Recht sachliche Unabhängigkeit, was man aber bekommt, sind als unabhängig getarnte Positionen im Sinne der Jagdwirtschaft.

In Schweden wurde besendertes Wolfsrudel abgeschossen

So etwa stellt Prof. Klaus Hackländer in seinen öffentlichen Auftritten die bestehende EU- und nationale Gesetzeslage in Frage, verlangt eine „wildbiologische Raumplanung" für den Wolf, der auch „Freihaltezonen" mit einschließt. Er kennt als Wildbiologe – und als wissenschaftlicher Beirat des WWF (!) – die traurige Situation der Wölfe in Österreich nur allzu gut und spielt dennoch ständig mit gesetzlich nicht gedeckten Vorschlägen.

Mit viel Mühe gelang es den Wildbiologen, einige der Wölfe

des Allentsteiger Rudels mit Halsbandsendern zu versehen. Dem Vernehmen nach verschwand nun einer davon. Hoffentlich kein Grund für Beunruhigung, nutzte man doch letztes Jahr in Schweden besenderte Wölfe, um ein Rudel zu lokalisieren und zack-zack-zack vollständig abzuschießen.

Die wildbiologische Schande



In Österreich gibt es genau einen kompetenten Wolfsbeauftragten, der wenig Hilfe erhält und natürlich nicht überall gleichzeitig sein kann. Und es gibt seit Herbst letzten Jahres die vom Bundesministerium eingerichtete „Koordinationsstelle für die großen Beutegreifer" im steirischen Gumpenstein. Aber sie ist personell inkompetent besetzt und zu gering finanziert, um ein angemessenes Monitoring zu gewährleisten.

Solange es nicht viel mehr tatsächlich unabhängige Wildbiologen an Österreichs Unis gibt, mehr Fachkompetenz in den NGOs, in den Behörden, aber auch in der Jägerschaft, wird das Trauerspiel um Wolf, Bär, Luchs, Goldschakal, Fischotter und Greifvögel in Österreich weitergehen. Das ist keine Befürchtung, sondern eine klare Vorhersage. Auch, weil es hierzulande vollständig an jener Transparenz fehlt, die in Deutschland Standard ist.

All das ist ein Skandal, der aber niemanden zu stören scheint.

+++ Der Wolfsblog von Kurt Kotrschal. Jede Woche neu, nur hier bei "HeuteTierisch" +++

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