EU-Wahlumfrage: Viele Sieger, eine Überraschung

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Zwei Wochen vor der EU-Wahl zeigt die bisher größte Umfrage (gemeinsam beauftragt von "Heute", "Profil" und ATV): Die VP gewinnt, die Grünen sind wieder da.
Am 26. Mai steigt die Wahl für das EU-Parlament. Die bisher größte Umfrage im Vorfeld zeigt nun, wie es kurz vor der Wahl um die politische Stimmung im Land steht. Eine Medienkooperation von "Heute", "Profil" und ATV machte ein Sample von 2.405 Teilnehmern möglich (dreimal so viel wie üblich) – und damit treffsichere Hochschätzungen von Unique Research.

Wenn am Sonntag Wahl wäre...



Fände die Wahl am Sonntag statt, dann gäbe es folgendes Ergebnis:

- Die ÖVP würde laut Hochschätzung auf 30 Prozent der Stimmen kommen und damit den ersten Platz erreichen. Türkis liegt damit knapp unter dem Ergebnis der Nationalratswahl 2017 (31,5 %), verbessert sich aber im Vergleich zur Europawahl 2014 (27 %). Und: Es sind bis zu 33 % drin.

- Die SPÖ würde 27 % erreichen und damit Platz 2 holen. Die Roten könnten das Ergebnis der Nationalratswahl halten (26,9 %) und sich im Vergleich zur Europawahl (24,1 %) verbessern. Potential: bis zu 30 %.

- Die FPÖ käme mit 23 % auf den dritten Platz, eine deutliche Verbesserung gegenüber der letzten Europawahl (19,7 %). Bei der Nationalratswahl kamen die Blauen allerdings auf 26 %. Beachtet man die Schwankungsbreiten, sind jedoch auch diesmal 26 % möglich.

- Erstaunlich ist das Comeback der Grünen, die in der Umfrage auf 10 % kommen und damit vor den Neos landen. Das ist zwar deutlich weniger als bei der letzten Europawahl (14,5 %), allerdings wieder ein merkbares Lebenszeichen. Bei der Nationalratswahl waren die Grünen mit 3,8 % aus dem Parlament geflogen. Nun scheinen bis zu 12 % möglich.

- Die Neos zeigen sich stabil. Sie kommen in der Umfrage auf 8 %, bei der letzten EU-Wahl erreichten sie 8,1 %. Im Vergleich zur Nationalratswahl (5,3 %) legen sie zu. Und: Sie könnten sich noch auf 10 % steigern.

- Aussichtslos erscheint das Rennen für Europa Jetzt. Die Gruppierung um Johannes Voggenhuber kommt nur auf 1 % und muss hoffen, vor KPÖ+ zu bleiben. Die Liste Pilz, die Voggenhuber nominierte, kam bei der Nationalratswahl auf 4,4 % und damit ins Parlament.



Zur Umfrage

2.405 wahlberechtigte Österreicher ab 16 Jahren wurden telefonisch und online vom 29. April bis 9. Mai 2019 befragt. Die maximale Schwankungsbreite beträgt +/- 2,0 %.

Die Rohdaten finden Sie hier sowie unten in der Bildstrecke.
Wichtig zu beachten: Es handelt sich um keine Prognose für den Wahlausgang. Die Daten bilden die Stimmungslage drei bis vier Wochen vor der Wahl ab. Die Erhebung wurde zwischen 29. April und 9. Mai durchgeführt. Das exakte Umfragedesign (plus Rohdaten und Schwankungsbreiten) entnehmen Sie bitte den angeschlossenen Dokumenten.

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FPÖ hat die treuesten Wähler



75 Prozent der Wähler, die ganz sicher an der Wahl teilnehmen wollen, haben sich bereits für eine Partei entschieden. Von den deklarierten Wählern geben 60 % an, der genannten Partei "ganz sicher" ihre Stimme zu geben.

Die FPÖ hat die treuesten Wähler. 72 % der deklarierten Wähler wollen am 26. Mai "ganz sicher" ihr Kreuzerl bei den Freiheitlichen machen. Genau umgekehrt sieht es bei den Neos aus. Nur 32 % sind sich ganz sicher, 61 % dürften "eher sicher" die Pinken wählen. "Das ist ein traditionelles Problem bei Kleinparteien", erklärt Meinungsforscher Peter Hajek im Gespräch mit "Heute.at".



Was machen die Unentschlossenen?



17 Prozent der Wähler geben an, noch unentschlossen zu sein. Das entspricht 500.000 Menschen, die bis zur Wahl noch überzeugt werden können. Am ehesten kommt für diese Gruppe noch ein Kreuzerl bei der ÖVP in Frage, danach folgt die SPÖ mit 11 %. FPÖ, Grüne und Neos haben eher weniger Potenzial – jeweils nur 6 %.



Was heißt das alles?



Die Ergebnisse decken sich mit den Annahmen der letzten Wochen, erklärt Meinungsforscher Hajek. Bemerkenswert: Die Grünen – 2017 aus dem Nationalrat geflogen – sind sehr solide unterwegs und haben eine gute Mobilisierung. "Der Wahlkampf dürfte greifen", so Hajek. Dennoch sind die Stimmen nicht gesichert, ähnlich sind die Neos unterwegs. ÖVP und SPÖ-Wähler liegen über, FPÖ-Wähler etwas unter dem Durchschnitt. Hajek: "EU-Skeptiker sind untermobilisiert."

Derzeit haben 49 Prozent vor, ganz sicher zur Wahl zu gehen. Laut den Ergebnissen von Unique Research könnte die Wahlbeteiligung etwas höher liegen als bei der letzten Wahl, möglicherweise auch die 50-Prozent-Grenze überspringen. Allerdings entscheidet sich das erst in den letzten Tagen des Wahlkampfs.

"Alles, was Emotion und Aufmerksamkeit generiert – Ausreißer an den rechten Rand wie das Rattengedicht ausgenommen – nützt den Freiheitlichen. Insbesondere mit Verbindung mit der EU", sagt Hajek.

Außerdem, so Hajek, hat jeder einzelne Wähler bei der EU-Wahl aufgrund der eher geringen Wahlbeteiligung einen größeren Hebel: "Jede Stimme ist doppelt so viel wert."



Alle Rohdaten finden Sie hier



Alle News und Hintergründe zur Europawahl



Fühlen Sie sich bereits fit, um die Ergebnisse mit Ihren Freunden und Bekannten zu diskutieren? Falls Sie noch etwas Nachhilfe in Sachen EU-Wahl benötigen, haben wir für Sie den wohl ausführlichsten Spickzettel Österreichs vorbereitet. Alle Fragen und Antworten zur Wahl beantworten wir Ihnen hier:



Zu viel Text? Hier lernen Sie das Wichtigste in nur 90 Sekunden:



Das sind die Spitzenkandidaten



Von ihrer persönlichen und politischen Seite präsentieren sich die Kandidaten in unserer Serie "11 Fragen an...". Den Anfang machen Andreas Schieder (SPÖ) und Karoline Edtstadler (ÖVP) – alle weiteren Episoden finden Sie laufend auf "Heute.at".





Meinungsforscher Peter Hajek erklärt, wie Umfrageergebnisse zustande kommen



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