Große EU-Wahlumfrage: Keine Mehrheit für "Öxit"

Bild: Kein Anbieter/heute.at
Die große Umfrage zur EU-Wahl (in Auftrag gegeben von "Heute", "Profil" und ATV) zeigt, wie die Wähler ticken – in Sachen "Rattengedicht", EU-Austritt und Zukunft der Union.
Bereits am Samstag veröffentlichten "Heute", "Profil" und ATV die Ergebnisse einer gemeinsam beauftragten Umfrage zur nahenden EU-Wahl. Durch diese Medienkooperation wurde ein großes Sample von 2.405 Befragten möglich, aus dem Unique Research eine Hochschätzung zum Wahlausgang erstellte – lesen Sie hier alle Details.

Ebenfalls Teil der Umfrage: Zusatzfragen zu den Wahlmotiven sowie den Vorstellungen zur Zukunft der EU. Als Basis für die folgenden Daten dienen jene 1.171 befragten Personen, die "ganz sicher" zur Wahl gehen wollen.

Keine Mehrheit für "Öxit"



Der überwiegende Teil der EU-Wähler lehnt einen "Öxit", also Österreichs Austritt aus der EU, klar ab. Nur knapp über 20 Prozent könnten sich dafür erwärmen, während ganze 49 Prozent "sehr" gegen einen solchen Schritt sind. Dazu kommen noch einmal 24 Prozent, die sich "eher dagegen" aussprechen.

Zur Umfrage

Auftraggeber: "Heute", "Profil" und ATV. Methodenmix: telefonische und Online-Befragung (Verhältnis 2:1). Feldarbeit: 29. April – 9. Mai. Stichprobe 2.405 Befragte, Deklarierte 878, max. Schwankungsbreite +/-2 %.
Wähler von SPÖ und ÖVP sind mit überwiegender Mehrheit gegen einen EU-Austritt, bei der FPÖ wird die Sache knapp. Jeweils 26 Prozent der freiheitlichen Wähler sind "eher für" oder "eher gegen" den "Öxit" – in Summe setzen sich die Austrittsgegner aber auch in dieser Gruppe mit einer hauchdünnen Mehrheit durch. Aber: Aufgrund der Schwankungsbreite von bis zu zwei Prozent könnte das Pendel genauso in die andere Richtung schwingen.

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Der Faktor "Einzelfall"



Eine klare Mehrheit findet sich unter FPÖ-Wählern hingegen in einer anderen Frage: Vorfälle wie das Braunauer "Rattengedicht" oder die Verflechtungen mit den rechtsextremen Identitären haben für sie keinerlei Auswirkung auf das Wahlverhalten. Für ein Drittel der Freiheitlichen ist das "gar kein" wichtiger Faktor, weitere 20 Prozent sagen "eher nein".

Immerhin: Für insgesamt 12 Prozent der Blauwähler sind diese Vorfälle ein Faktor für das Wahlverhalten. Ähnlich, wenn auch mit kleinerem Überhang auf der "Nein"-Seite (65 Prozent), sieht es bei ÖVP-Wählern aus. Und Sozialdemokraten? Für mehr als die Hälfte (52 Prozent) sind "Rattengedicht" und Co. ein Faktor für die Wahl.



Die Zukunft



"Mehr oder weniger Europa?" – das ist eine der großen Fragen im Wahlkampf. NEOS-Kandidatin Claudia Gamon trägt die Vision der "Vereinigten Staaten von Europa" vor sich her, auf der anderen Seite plädiert FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky dafür, Kompetenzen nach Österreich zurückzuholen. Der Freiheitliche trifft bei seinen Wählern damit voll ins Schwarze – 74 Prozent wollen genau diese Entwicklung. Weitaus weniger wünschen sich die "Vereinigten Staaten von Europa" (8 Prozent) oder dass alles so bleibt, wie es ist (14 Prozent).

Bei der Volkspartei sprechen sich immerhin 45 Prozent für eine Rückkehr der Kompetenzen in die Mitgliedsstaaten aus – diese Forderung stellte etwa auch die Listenzweite Karoline Edtstadler. 23 Prozent wünschen sich hingegen eine vertiefte Zusammenarbeit in Richtung der "Vereinigten Staaten", ein Viertel kann gut ohne große Veränderungen leben. SPÖ-Wähler sind gleichmäßig verteilt. Fast gleich viele können sich für mehr Kooperation (33 Prozent), den Status quo (29 Prozent) oder die Rückkehr von Kompetenzen (31 Prozent) erwärmen.



Wo sind die EU-Fans?



Insgesamt hat die EU für Österreich seit dem Beitritt eher Vorteile als Nachteile gebracht, sagen 58 Prozent der Bevölkerung. 30 Prozent sehen das anders – sie wittern mehr Nachteile.

Dieser Durchschnitt kommt vor allem durch die Einstellung von FPÖ-Wählern zustande. Fast zwei Drittel der Freiheitlichen denken, dass die Mitgliedschaft eher Nachteile gebracht hat. Genau indes die Lage bei den zwei anderen Großparteien: Sowohl Wähler von SPÖ (82 Prozent) als auch ÖVP (77 Prozent) finden, dass die Union mehr Vorzüge hat.



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