So eine Wahl zehrt. Alleine die Zahlen: In Niederösterreich, dem größten Bundesland, sind knapp 1,3 Millionen Personen wahlberechtigt. Geöffnet sind insgesamt 2.656 Wahllokale, darunter auch mobile, die sogenannten "fliegenden Wahlbehörden.
"Wir haben insgesamt 1,45 Millionen Stimmzettel und Wahlkuverts vorbereitet", erklärt der stellvertretende Landeswahlleiter und NÖ-Landtagspräsident Karl Wilfing (VP).
Die ersten Wahllokale sperren um 6 Uhr in der Früh auf, etwa in Wr. Neustadt oder Euratsfeld im Bezirk Amstetten. Die letzten schließen um 16 Uhr. Für einen reibungslosen Ablauf sorgen 30.000 Wahlbeisitzer. Die verdienen bis zu 100 Euro, je nachdem, wie lange sie im Einsatz sind.
Neu bei den Wahlkarten ist unter anderem ein übersichtlicheres Layout und ein Feld für die notwendige Unterschrift. "Bitte unterschreiben, denn ohne Unterschrift ist die Stimme ungültig", appelliert Wilfing. Der Politiker stellt klar: „Keine Angst, nur das ungeöffnete Wahlkuvert, in dem sich der Stimmzettel befindet, kommt in die Wahlurne." Wer wen gewählt hat, bleibe anonym und sei für niemanden nachvollziehbar. Wenn man per Briefwahlkarte gewählt hat, kann man zudem elektronisch nachverfolgen, ob diese bereits bei der Wahlbehörde eingelangt ist.
Ein vorläufiges Ergebnis wird am Wahltag um 23:01 Uhr bekanntgegeben, das finale folgt am Montag. Insgesamt sind von den 2.656 Wahllokale in Niederösterreich rund 89 barrierefrei.
Im neuen EU-Parlament sind 20 Sitze für österreichische Mandatare reserviert. Bundesweit kämpfen 255 Personen auf sieben Listen (ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne, Neos, KPÖ, DNA) um diese Plätze, in Niederösterreich 30. Othmar Karas, Alexander Bernhuber, Lukas Mandl, Wolfram Pirchner (alle VP) und Günther Sidl (SP) vertreten Blau-Gelb aktuell in Brüssel.
Wer es diesmal schafft, ist fraglich. Bernhuber ist nach dem fixen Verzicht von Karas der Spitzenkandidat der NÖ-ÖVP. Der Landwirt aus Kilb sagt: "Natürlich war Karas ein erfahrener Parlamentarier, aber wir haben ein ausgezeichnetes Team, mit einem guten Mix aus Erfahrung und frischen jungen Köpfen." Eine spannende Frage ist, wohin die Stimmen, die Karas bei der Wahl 2019 einkassierte, wandern. Gerüchteweise Richtung Neos, aber vielleicht auch in die Ecke von Bernhuber, quasi aus blau-gelber Solidarität.
Günther Sidl von der SPÖ werden ebenfalls passable Chancen beim Wiedereinzug eingeräumt. Bei Mandl und Ex-ORF-Moderator Pirchner könnte es schon spannender werden - wenn man den überregionale Umfragen in Bezug auf die ÖVP berücksichtigt. Interessant ist auch, ob es sich für den Lichtenegger Nationalratsabgeordneten Peter Schmiedlechner von der FPÖ ausgehen könnte. Die bundesweiten Prognosen sprechen für die Freiheitlichen, der Landwirt startet von Listenplatz 7 aus.