So viele enttäuschte FPÖler wechselten zur ÖVP

Die ÖVP gewinnt bei der Europawahl 2019 stark, die SPÖ stagniert und die FPÖ verliert. Überraschend ist, warum die Österreicher die jeweilige Partei wählten.
Wer hat wen warum gewählt? Die Frage zeigte eine der spannendsten Antworten der Europawahl 2019. Die Analyse der Wahlmotive von ORF, SORA und ISA bringt Überraschungen.

Viele enttäuschte FPÖler nun bei der ÖVP

Gefragt nach dem "Hauptgrund" für ihre Wahlentscheidung, nennen je 18 Prozent der ÖVP-Wähler die inhaltlichen Standpunkte der Partei sowie den Spitzenkandidaten. 13 Prozent nennen Sebastian Kurz als Wahlmotiv, zehn Prozent sehen sich als Stammwähler.

Sieben Prozent der ÖVP-Wähler sagen, dass sie sich erst wegen der aktuellen Regierungskrise für diese Partei entschieden haben, darunter vermutlich vor allem Personen, die bei der Nationalrationswahl 2017 noch FPÖ gewählt hatten. Am meisten diskutierte Themen im Wahlkampf waren unter ÖVP-Wählern Wirtschaft (26 Prozent sehr häufig diskutiert), Zuwanderung (24 Prozent) sowie "Umwelt- und Klimaschutz" (22 Prozent).



CommentCreated with Sketch.15 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. SPÖ-Wähler wollten "Zeichen gegen Rechts" setzen

Die SPÖ-Wahl war eine für Soziales und als Zeichen gegen Rechts. Unter den SPÖ-Wählern nennen 31 Prozent Inhalte als Hauptgrund für ihre Wahlentscheidung. Elf Prozent sagen, sie wollten ein Zeichen gegen Rechts setzen. Acht Prozent haben sich erst aufgrund der aktuellen Regierungskrise für die SPÖ entschieden.

Am häufigsten haben SPÖ-Wähler im Wahlkampf über Sozialpolitik (49 Prozent "sehr häufig"), das Erstarken nationalistischer Kräfte in Europa (45 Prozent) sowie über Umwelt- und Klimaschutz (36 Prozent) diskutiert.

Harald Vilimsky im Wahlzentrum der FPÖ im Rahmen der EU-Wahl am Sonntag, 26. Mai 2019, in Wien.
Harald Vilimsky im Wahlzentrum der FPÖ im Rahmen der EU-Wahl am Sonntag, 26. Mai 2019, in Wien.


FPÖ-Wähler wählten wegen Ibiza-Video

Die FPÖ stand im Zeichen von EU-Gegnerschaft und "Jetzt erst recht". Die FPÖ hat bei dieser Wahl beinahe ein Monopol als Partei der EU-Gegner. Rund ein Viertel (24 Prozent) der FPÖ-Wähler nennt die inhaltlichen Standpunkte der Partei als Hauptmotiv für die Wahl, 17 Prozent den Spitzenkandidaten.

Ebenfalls ein wichtiges Wahlmotiv war der Wunsch, die FPÖ innenpolitisch zu unterstützen: 57 Prozent der FPÖ-Wähler stimmen "sehr zu", dass sie ein innenpolitisches Zeichen setzen wollten. 16 Prozent sagen, dass sie überhaupt erst aufgrund der Regierungskrise zur Wahl gegangen sind. Wichtigste Themen für die FPÖ-Wähler waren mit großem Abstand Zuwanderung (70 Prozent "sehr häufig" diskutiert) sowie Sicherheit (45 Prozent). Kurios: Fast jeder Zehnte (acht Prozent) wählte die FPÖ nicht trotz des Ibiza-Skandal-Videos, sondern wegen des Videos. Sprich: Das Skandal-Video bewog sie dazu, der FPÖ die Stimme zu geben.

Klima als Hauptthema der Grün-Wähler



Grün-Wähler sind besorgt um die Zukunft der EU und die Erderwärmung. Auch für Grün-Wähler standen Inhalte im Vordergrund (47 Prozent Hauptmotiv für ihre Wahl).

Wie die Analyse der im Wahlkampf diskutierten Themen zeigt, ist dies insbesondere das Umwelt- und Klimathema (68 Prozent). 54 Prozent haben "sehr häufig" über das Erstarken nationalistischer Kräfte in Europa diskutiert.



NEOS punkten bei der Glaubwürdigkeit

Die NEOS sind die Alternative für pro-europäische Wähler. Hauptmotive für die Wahl der NEOS waren neben Inhalten (22 Prozent) und Spitzenkandidatin (19 Prozent) auch die Glaubwürdigkeit der Partei (15 Prozent), die bisherige Arbeit in der EU, dass keine andere Partei wählbar sei sowie der Wunsch, generell pro-europäische Kräfte zu stärken (je neun Prozent "Hauptmotiv").

Thematisch zeigt sich die NEOS-Wählerschaft breit interessiert und diskutierte neben dem Erstarken von nationalistischen Kräften in Europa sowie Umwelt- und Klimaschutz auch über Zuwanderung, Arbeitsplätze, Wirtschaft und Sozialpolitik.

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