"Wenig Distanz zur Nazi-Ideologie erkennbar"

Neue Enthüllungen um die Verhangenheit von Ex-FPÖ-Chef Strache sorgen für Aufregung. Ein Rechtsextremismus-Experte ordnet die Erkenntnisse ein.
Der "Falter" veröffentlichte, wie berichtet, am Dienstag neues Material, das nahelegt, dass Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache länger als bisher bekannt aktives Mitglied der Neonazi-Szene gewesen sein könnte.

"Heute.at" fragte beim Rechtsextremismus-Experten Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) nach, wie er die Erkenntnisse einschätzt.

"Deutsche Heilgrüße"

Das erste verfängliche Dokument ist eine Postkarte, auf der die Verdienste von Oberst Robert Colli, einem Wehrmachtsoffizier, hervorgehoben werden. Sie wurde im November 1990 von der rechtsradikalen Burschenschaft Olympia nach Wien geschickt – und zwar zu Straches Burschenschaft Vandalia in "Deutsch-Österreich". Der spätere Vizekanzler soll selbst unter seinem Verbindungsnamen "Heinrich der Glückliche" unterschrieben haben.

"Liebe Bundesbrüder! Deutsche Heilgrüße vom Ledersprung aus Leoben. Heil Deutschland" steht auf der Postkarte geschrieben. "Der 'Heil'-Gruß ist, ebenso wie die Rede von 'Deutsch-Österreich', in burschenschaftlichen Kreisen bis heute gängig", erklärt Weidinger. "Wenngleich es sich dabei um Ausdrücke der Sympathie für das NS-Regime handeln kann, geht die Verwendung des Grußes in die vornationalsozialistische Zeit zurück."

CommentCreated with Sketch.42 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Bezeichnung "Deutsch-Österreich" sei Ausdruck des sogenannten "volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriffs" der Burschenschaften. In dieser Ideologie wird Österreich im kulturellen Sinn nach wie vor als Teil Deutschlands angesehen.

Keine Nazi-Karte

Das zweite dem "Falter" vorliegende Dokument ist ein Foto, das Strache nach einer Mensur zeigt – im Hintergrund laut dem Medium eine "Karte von Nazi-Deutschland in den Grenzen von 1939". Die FPÖ und Strache kontern, es handle sich um die "deutschen Sprachinseln" vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Diese Aussage bestätigt Weidinger: "Es sind also nicht die politischen Grenzen Nazi-Deutschlands dargestellt." Wohl aber werde mit dem Anbringen einer solchen Karte nach 1945 der Vorstellung gehuldigt, dass "Deutschland größer sei als die Bundesrepublik – und möglicherweise auch der Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass sich die politischen Grenzen den vermeintlichen kulturellen wieder annähern sollten."

Weidinger spricht bei beiden Dokumenten von einer gewissen Zweideutigkeit: "Von den 'Heil'-Grüßen über 'Deutsch-Österreich' bis hin zu den Runen. All das ist auch in neonazistischen Kreisen populär und kann dementsprechend als Hinweis auf eine solche Einstellung gedeutet werden." Andere Deutungen seien aber in einem gewissem Rahmen ebenfalls möglich. "Zumindest lassen beide Karten wenig Distanz zur nationalsozialistischen Ideologie erkennen", so der Experte.

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(lu)

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