Die Regierung trifft sich am Mittwoch mit Experten und Landeshauptleuten zum großen Corona-Gipfel und plant weitere Öffnungsschritte. So soll am kommenden Samstag in der Gastronomie und Hotellerie wieder 3G gelten. Nur Wien bleibt bei strengeren Maßnahmen. Auch die Sperrstunde dürfte bald fallen, ab 5. März könnte auch die Nachtgastronomie wieder öffnen, wie im Vorfeld spekuliert wird.
Beim Vorgehen hört die Regierung aber nicht immer – wie so oft behauptet – auf die Meinung der Fachleute, wie das Beispiel der Schul-Lockerungen zeigt.
Trotz Impfpflicht wurden in den vergangenen sieben Tagen nur 92.000 Impfdosen verabreicht. Viele Experten und Politiker sprechen sich bereits für ein Aussetzen der Maßnahme aus.
Für Virologe Florian Krammer ist die Impfpflicht aber sinnvoll: "Grundsätzlich bin ich nicht der Meinung, dass man Leute zu etwas zwingen sollte. Die Maßnahme wurde ja in der Delta-Welle beschlossen, für jetzt kommt es zu spät. Im Grunde finde ich aber schon, dass man daran festhalten sollte, da die Impfrate nach wie vor niedrig ist. Außerdem wissen wir nicht, was als Nächstes kommt", erklärte er in der "ZiB2".
Trotz dreifacher Impfung infizieren sich immer mehr Menschen und leiden auch an Symptomen. Wie Krammer betone, schütze die Impfung bei Omikron weniger gut vor einer Ansteckung. Er ist aber überzeugt, dass im Frühjahr ein Omikron-spezifischer Impfstoff auf den Markt kommt. "Nach der Booster-Dosis sehen wir, dass der Schutz gegen eine symptomatische Infektion zwischen 40 und 70 Prozent liegt."
Derzeit sieht es so aus, als wäre Höhepunkt der Omikron-Welle auch in Österreich überschritten. Der Virologe erklärte, dass die Omikron-Welle schnell kommt und schnell wieder runter geht. Das zeigte sich auch in New York wo Krammer lebt. Dort hätte es vor wenigen Wochen noch 40.000 Neuinfektionen pro Tag gegeben, jetzt sind es nur mehr 1.000.
Einige Staaten haben bereits alle Maßnahmen aufgehoben. Dafür sei es in Österreich noch zu früh, wie Krammer meint: "Man müsse beobachten, wie hoch die Infektionszahlen sind. Schließlich geht es da auch um Leute, die keinen besonders guten Schutz haben. Ein Freedom Day bei hohen Infektionszahlen sei nicht empfehlenswert, denn dann erhöht man Risiko für diese Personen. Wenn die Zahlen aber weit runter gehen, kann man das durchaus machen."
Wenn er bei den Corona-Maßnahmen mitentscheiden könnte, würde er die Masken in Innenräumen beibehalten, auch in Schulen und in Krankenhäusern. Die Gratis-Tests hält der Virologe derzeit ebenfalls noch für sinnvoll. "Wenn die Fallzahlen runtergehen, kann man diese Strategie überdenken."